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Montag, 19.11.2018

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Forstleute nehmen kleine Bäume unter die Lupe

Alle drei Jahre wird ein umfangreiches Forstliches Gutachten erstellt — Wie stark sind die Verbissschäden durch das Rehwild? - 19.02.2018 06:12 Uhr

Informationen vom Bereich Forsten des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten: Jürgen Stemmer (rechts) beließ es beim Auftakttreffen im Wald bei Markt Berolzheimbei wenigen grundsätzlichen Worten zum Gutachten, und dann ging es gleich zur Praxis: © Wolfgang Dressler


Jürgen Stemmer sprach bei der Auftaktveranstaltung an der Markt Berolzheimer Buchleite von einem bewährten Verfahren, das alle drei Jahre praktiziert wird und an dem sich heuer nichts geändert hat. Wie der Bereichsleiter Forsten des AELF Weißenburg-Gunzenhausen weiter mitteilte, handelt es sich um eine landesweite Erhebung. Mitarbeiter der Forstverwaltung klären stichprobenweise, wie sehr sich Rehe, Hirsche und Gämsen an den zarten Trieben und Knospen der jungen Bäume zu schaffen gemacht haben. Diese Verjüngungsinventur wurde erstmals 1986 durchgeführt, es ist also die zwölfte ihrer Art.

Dazu wird über die Landkarte von Bayern ein Gitternetz gelegt. Man erhält 1,225 mal 1,225 Kilometer große Quadrate, und es kommt auf den Rasterpunkt in der Mitte dieser Quadrate an. Aufgenommen wird die dem Rasterpunkt nächste geeignete Verjüngungsfläche. Dort werden an fünf Stichprobepunkten zahlreiche Einzelbäumchen unter die Lupe genommen. Pro Hegegemeinschaft werden 30 bis 40 Verjüngungsflächen erfasst.

Wie das genau vor sich geht, demonstrierten an der Buchleite die Forstmitarbeiter Karin Führich und Jonas Wolkenstörfer. Ausgestattet mit Zollstock und Wäscheklammern begutachteten sie an einem Probepunkt zunächst 15 benachbarte Pflanzen in der Größe von 20 Zentimetern bis 1,30 Meter. Sie klärten, ob der Leittrieb verbissen ist, ob es im oberen Drittel einen Verbiss gibt und ob ein Fegeschaden zu erkennen ist. Anschließend untersuchten sie fünf Pflanzen, die weniger als 20 Zentimeter messen. Bei ihnen geht es nur darum, ob sie verbissen sind oder nicht. Schließlich müssen sich die Förster auch junge Bäume von mehr als 1,30 Meter Größe anschauen, falls solche nahe dem Stichprobepunkt vorhanden sind. Diese größeren Bäume sind normalerweile, was das Rehwild betrifft, "aus dem Gröbsten heraus". Die Wäscheklammern dienen übrigens dazu, die bereits untersuchten Bäumchen zu markieren.

Verjüngung soll möglich sein

Das Resultat an der Buchleite sah so aus, dass doch ein recht beträchtlicher Verbissschaden an den kleinen Buchen zu erkennen war. Das heißt natürlich nicht, dass diese Pflanzen eingehen werden. Sie haben durchaus Chancen, zu stattlichen Bäumen heranzuwachsen. Jürgen Stemmer: "Ganz ohne Verbiss geht es im Wald nie. Er soll halt nicht so stark sein, dass die natürliche Waldverjüngung überhaupt nicht mehr möglich ist." Sorgenkinder für die Forstleute sind im Übrigen nicht die Buchen oder Fichten, sondern die Tannen. Sie gewinnen nur langsam an Höhe, befinden sich über viele Jahre in Reichweite der hungrigen Rehe. Hier hilft oft nur ein Einzelschutz, um die Tanne "durchzubringen".

Die Verjüngungsinventur dauert bis Mai. Die Daten werden anschließend von den AELFs in Bayern ausgewertet. Im Spätsommer wird, wenn erforderlich, zu Informationsveranstaltungen eingeladen, und dann geht es ans eigentliche "Forstliche Gutachten zur Situation der Waldverjüngung".

Aber wozu eigentlich das Ganze, wenn es doch viel Arbeit und Verwaltungsaufwand mit sich bringt? Das Gutachten sagte etwas aus über den Zustand der Vegatation. Es soll dazu beitragen, stabile und standortgemäße Mischwälder in Bayern zu erhalten oder neu zu schaffen, so das Gesetz. Und hier kommen die Jäger ins Spiel, die sich jeweils für die Dauer von drei Jahren an einen Abschussplan halten müssen, demnächst für 2019 bis 2022. Das Forstliche Gutachten ist ein wesentlicher Baustein bei dem Erstellen der Abschussplanung durch die Untere Jagdbehörde, deshalb geben die Forstbehörden in ihrem Gutachten Empfehlungen zur künftigen Abschusshöhe ab. Das große Ziel: Die Bejagung soll die natürliche Verjüngung der standortgemäßen Baumarten im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen ermöglichen.

Ein Zollstock tut auch mitten im Wald seine guten Dienste: Karin Führich maß die Höhe der jungen Buchen und schaute sich an, in welchem Zustand sie sind. © Wolfgang Dressler


Der Bereichsleiter betonte, dass das Verfahren für größtmögliche Transparenz stehe. Grundeigentümer, Jagdvorstände und Jäger sollen eingebunden werden und sich gut informiert fühlen. Bekanntlich sorgt die Abschussplanung (und ihre Umsetzung) hin und wieder für Irritationen und auch mal kräftigen Ärger. Das Forstliche Gutachten soll die Debatte versachlichen und auf eine stabile Grundlage stellen. So lassen sich die Abschusszahlen leichter und einvernehmlich festsetzen.

Das Forstliche Gutachten ist mit der Veröffentlichung im November abgeschlossen — eigentlich. Seit 2012 gibt es eine "Weiterentwicklung". Für viele Jagdreviere in Bayern werden noch revierweise Aussagen erstellt. Das geschieht in den meisten Fällen, wenn Jagdvorstand, Eigenjagdbesitzer, Revierinhaber oder einzelne Jagdgenossen solche zusätzlichen Aussagen beantragen. Dann können auch gemeinsame Waldbegänge durchgeführt werden. Jürgen Stemmer forderte dazu auf, auch dieses Instrument zu nutzen. Generell könnte man mit dem Dialog vor Ort so manches Missverständnis vermieden und mehr Verständnis für die unterschiedlichen Interessen der Beteiligten erreicht werden. 

Wolfgang Dressler Altmühl-Bote E-Mail

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