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Montag, 19.11.2018

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Gunzenhausen: Ein wichtiger Termin für die "Ehemaligen"

Frühere Bürger der Stadt kommen zur Kirchweih gerne in alte Heimat — Empfang im Falkengarten - 11.09.2018 18:13 Uhr

Ganz in seinem Element: Bürgermeister Karl-Heinz Fitz begrüßte alle Ehemaligen, wie hier Inge Meckert, geborene Zeitler, und ihren Mann Lothar, persönlich. Da ging das Gespräch verständlicherweise auch mal in Richtung Vergangenheit und den Wandel der Altmühlstadt. © Reinhard Krüger


Er ist ein nicht mehr wegzudenkender Programmpunkt der Kirchweih: das Treffen ehemaliger Gunzenhäuser. "Sie drücken damit ihre Verbundenheit mit ihrer Heimatstadt aus", erklärte "Kirchweih-Bürgermeister" und oberster Tourismus-Chef Wolfgang Eckerlein. Er regte an, dass sich möglichst viele Klassen der einzelnen Schulen doch zu diesem festen Wochenende treffen.

Die Stadt lädt ein, spendiert Getränke und Brezen — und das ließen sich über 50 zum Teil weit Angereiste nicht zweimal sagen, am Vorabend bei Heidi Eiden und tags drauf bei strahlendem Spätsommer-Wetter im Falkengarten. So ist es Brauch und so war alles auch prima organisiert – natürlich vom Tourismuschef und seinen fleißigen Helferinnen unter anderem aus dem Vorzimmer des Bürgermeisters. Die neuesten Flyer der Stadt samt diverser Bücher lagen aus und wurden eifrig studiert. Der Flachs blühte allerorten, es wurde viel gelacht und sich fröhlich zugeprostet.

Einer von vielen ist Gary Ortner aus Lake Havasu City in Arizona. 58-mal reiste der heute 82-Jährige extra zur Kirchweih in seine Heimatstadt. 1959 ist er von der Brunnenstraße 4 ausgewandert, lebte unter anderem in New York City und seit zwölf Jahren begleitet ihn sein Freund und Nachbar Tim nach "good old Gunzenhausen". "Ich kenn’ noch jedes Gässla in Gunzenhausen", erzählt er im besten Mittelfränkisch. Gerne besucht er bei der Gelegenheit seine Verwandten in Frickenfelden.

So ging es auch Peter Forer, der heute in Augsburg wohnt und vor 79 Jahren in der Waagstraße zur Welt kam. "Ich komme, um Leute zu treffen", sagt er und lobt diese Art von Treffen. Mit am Tisch sitzt Werner Seifert, Vorsitzender des Gunzenhäuser Seniorenbeirates. In früheren Jahren, so erzählt er, hat es ihn nach Australien und Papua-Neuguinea verschlagen und von dort kehrte er erst 1995 in seine Heimatstadt zurück. "Mir hat’s nirgendwo richtig gefallen", sagt der gelernte Elektrotechniker, "außer in Gunzenhausen". Wenn das keine Liebeserklärung an seine Geburtsstadt ist.

Apropos: Das Ehemaligentreffen im Falkengarten ohne das schon legendäre Klassentreffen der Geburtsjahrgänge 1946/47 wäre undenkbar. Klaus Seifert und Horst Kuhn sorgen mittels eigener Homepage längst dafür, dass auch jede und jeder diesen "Kirchweihtermin" nicht vergisst. 1952 wurden die heutigen Senioren eingeschult und erkundigten sich seit 15 Jahren, wie es den einzelnen so geht. Dieter Bystry beispielsweise lebt heute mit seiner Frau Johanna im oberbayerischen Schongau. Der 71- jährige frühere Realschullehrer hat 30 Jahre in Wassertrüdingen und sieben Jahre an einer Deutschen Schule in Santiago de Chile unterrichtet. "Ich bin jedes Mal total überrascht, wie diese Stadt lebt", ist der voll des Lobes über seine Heimatstadt, während seine Frau "über die vielen Geschäfte in der Innenstadt" schwärmt. "Viel mehr als bei uns in Schongau". Bereits 1967 zogen Lothar Meckert und seine Frau Inge nach Esslingen und freuen sich jedes Jahr auf dieses Treffen. Warum? "Weil Gunzenhausen sich so toll entwickelt hat". "Wir gehen immer gerne hier einkaufen", sagen sie unisono.

Er lässt sich die Kirchweih nebst Verwandtenbesuch seit 58 Jahren nicht entgehen: Gary Ortner (links) aus Arizona ist eine lebende Legende. Neben ihm sitzt Seniorenbeauftragter Werner Seifert, Ortners Nachbar Tim und Peter Forer aus Augsburg. © Reinhard Krüger


Das hört das Stadtoberhaupt bestimmt gern. Seit viereinhalb Jahren ist Karl-Heinz Fitz Bürgermeister "und es gibt viel zu erzählen, was sich hier alles verändert hat". Es ist eine Art Rechenschaftsbericht, den er in launigen Worten präsentiert. Die volle Aufmerksamkeit der Gäste ist ihm sicher, weil jeder aus erster Hand erfahren will, "was sich im Städtle so tut", so ein Zuhörer. Fitz spannte den Bogen von den beiden Partnerstädten Ille und Frankenmuth ("Wir brauchen keine zehn Städte, sondern wenige, dafür aber einen intensiven Kontakt") zum Lieblingsprojekt Stadthalle: "Weit und breit nichts Vergleichbares in Westmittelfranken", schwärmt der Rathauschef. Nächstes Jahr im April soll es fertig sein, dann finden Tagungen, Konzerte, Sitzungen und etliches mehr in einem besonderen Rahmen statt. Damit der Betrieb auch von Anfang an gut funktioniert, ist eigens ein Hallen-Manager eingestellt worden. Der Stauraumkanal, die Renaturierung der Altmühl und das neu geschaffene Landesamt und Prüfungsamt für Schulen ("Ein Glücksfall") waren weitere Themen. "Alle Examen der Lehrer werden künftig von Gunzenhausen aus koordiniert", sagt er und löste beifälliges Murmeln und Nicken aus.

Dass Gunzenhausen sich längst als Geheimtipp zum Wohnen und Leben entwickelt hat, ist kein Geheimnis mehr. Die Baunachfrage in der Stadt und allen Ortsteilen steigt unablässig, und "wir reagieren darauf". Ob Frickenfelden oder Südstadt – fast alle Grundstücke sind bereits vergeben, unterstrich Fitz die Notwendigkeit neuen Baulands.

Und dann – fast im Nebensatz – kam die Knüller-Nachricht: über vier Millionen wurden ins Vorzeige-Hallenbad Juramare in den letzten Jahren gesteckt, und am heutigen Mittwoch, wird es endlich wieder eröffnet. Da fiel das Prädikat einer "fahrradfreundlichen Kommune" fast ein wenig hinten runter. Gunzenhausen war eine von 13 Städten in Bayern, die sich so nennen dürfen, "darüber sind wir superstolz", so Fitz.

  

REINHARD KRÜGER E-Mail

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