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Kirchweih-Freund ein ganzes Leben lang

Die Geschichte der Zwillingsschwestern Ingrid Wagner und Edeltraud Wechsler - 16.08.2012 15:59 Uhr

Für den Rummel gab’s Kerwageld, aber da sollte möglichst etwas übrig bleiben für die Schule, das heißt für Stifte und Hefte. Also nicht so viel ausgeben, lautete die Devise. „Von Onkel Konstantin haben wir einmal sogar fünf Mark für die Kerwa bekommen“, erinnern sich die Zwillingsschwestern bis heute, „das war schon was.“ Das Sparen auf dem Rummel fiel dann letztendlich gar nicht so schwer, denn von Karussell und Schiffschaukel hatte das quirlige „doppelte Lottchen“ bald die Nase voll. „Einmal war uns nach einer Schaukelpartie so hundeelend, dass wir uns sogar übergeben mussten. Wir fühlten uns sterbenskrank und heute wird uns schon beim Zuschauen schlecht“, berichten die beiden Schwestern lachend. Karamellbonbons und Eis hingegen waren immer große Verlockungen.
Am Kirchweihsonntag im oft schon kalten Oktober, manchmal gar mit Schnee, als man auch in Wolframs-Eschenbach noch die „Allerweltskerwa“ feierte, war der Kirchgang Pflicht. Mittags gab’s ein Festessen mit Schweinebraten, selber gemachten Knödeln und verschiedenen Salaten. Und am Nachmittag trudelten die auswärtigen Verwandten zum Kirchweihbesuch ein, wo es unter Umständen noch ein bisschen Kirchweihgeld-Nachschub gab.
Ein ganz besonderes Kirchweih-Kindheitserlebnis ist den Schwestern in Erinnerung geblieben: Da brachte der Pflegevater den beiden als Überraschung eine goldene Armbanduhr mit – es war eine Schokoladenuhr, aber sie war so schön, dass die beiden sich nicht trauten, sie aufzuessen. Überhaupt hatten es die Zwillingsmädchen immer sehr gut bei den Pflegeeltern und erinnern sich auch mit nun bald 70 Jahren gerne an ihre Kindheit zurück.
Als Backfische machten Ingrid und Edeltraud beim „Kerwabezzel-Austanzen“ mit, eine Eschenbacher Tradition, an die sich heutzutage immer noch viele lebhaft erinnern, die aber schon 1959, also vor über 50 Jahren, zum letzten Mal stattfand.
Bis heute ist die Kirchweih ein wichtiger Termin für Edeltraud Wechsler und Ingrid Wagner. Die beiden kennt in Wolframs-Eschenbach fast jeder. Sie sind aufgeschlossen, nett und fröhlich, haben immer ein Lächeln auf den Lippen und betätigen sich schon seit vielen Jahren ehrenamtlich. Rund ums Jahr machen die Schwestern Besuchsdienste im örtlichen BRK-Seniorenwohnen. Am Seniorennachmittag am Kirchweihmontag bieten sie außerdem ihre Dienste an, Bewohner des Heims ins Festzelt und wieder zurück zu bringen. Schließlich soll die Kirchweih für alle da sein, auch für die Älteren, finden sie.
Die Kirchweih, das ist immer noch ein besonderes Datum im Jahreslauf, dem die beiden Schwestern in jedem Jahr freudig entgegensehen. Beide haben sich vor Jahrzehnten in Wolframs-Eschenbach verheiratet, verbrachten hier ihr ganzes Leben und haben kaum je eine Kirchweih verpasst. „Hier ist der Ort, wo wir einfach hingehören“, sagen sie. 

Margit Schachameyer

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