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Freitag, 16.11.2018

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Raiffeisenbank Weißenburg-Gunzenhausen schließt Filialen

Nach dem Willen des Vorstands sind zwölf Standorte betroffen Geschäftsumfeld weiterhin schwierig - 24.03.2018 06:05 Uhr

Mit dem Beschluss des Bankvorstands sind unter anderem die Tage der Filiale in Frickenfelden gezählt. Es besteht zumindest die Überlegung, hier auch künftig Selbstbedienung am Automaten zu ermöglichen. © Foto: Alfred Müller


Schon im Oktober dieses Jahres sollen acht Filialen aufgegeben werden. Betroffen sind die Geschäftsstellen in Alesheim, Auernheim, Burgsalach, Frickenfelden, Gnotzheim, Gundelsheim, Meinheim und Wald. Bis Ende August 2019 soll die Filiale in Raitenbuch noch offen bleiben, da der Geschäftsstellenleiter erst dann in den Ruhestand tritt. Im Herbst 2019 beziehungsweise zum Frühjahr 2020 sollen die Geschäftsstellen in Bieswang, Neudorf und Solnhofen schließen. Hier dauert es etwas länger, da sie in einer neuen Geschäftsstelle in Pappenheim zusammengefasst werden sollen. Die Raiffeisenbank ist dort bisher nicht vertreten und muss erst eine neue Immobilie finden. Aus einigen Filialen sollen SB-Filialen werden, in denen nur noch ein Geldautomat steht, möglich ist das für Alesheim, Frickenfelden, Gnotzheim, Raitenbuch und Wald.

Die Bürgermeister und Ortsvertreter seien informiert worden. Die Genossenschaftsmitglieder und Kunden wurden in einem Anschreiben bereits am Donnerstag in Kenntnis gesetzt. In Ortsversammlungen im April will sich die Vorstandschaft der Raiffeisenbank den Fragen der Bürger stellen.

Entscheidung aufgrund wirtschaftlicher Lage

Die Entscheidung sei in Absprache von Vorstand und Aufsichtsrat bereits im November gefallen, und zwar nicht ohne triftigen Grund, wie Vorstandsvorsitzender Wilfried Wiedemann betont. Die Bankenbranche bewege sich derzeit in einem Geschäftsumfeld mit niedrigen Zinsen, dadurch steige der Aufwand, während gleichzeitig die Erträge sänken. Auch eine zunehmende "Regulatorik" mache den Banken zu schaffen. Allein der Dokumentationsaufwand bei einem einfachen Beratungsgespräch sei inzwischen enorm. Dadurch steigt ebenfalls der Aufwand und die Erträge sinken. Des Weiteren sei eine zunehmende Digitalisierung zu beobachten. Die Raiffeisen-App und das Online-Banking-Angebot werden von vielen Menschen genutzt. "Über die Hälfte unserer Kunden führt ihr Konto online", berichtet stellvertretender Vorstandsvorsitzender Jürgen Gempel. Die Bank beobachte deshalb, dass die Kunden immer seltener in die Filiale kommen, um Service-Geschäfte zu erledigen, weil vieles inzwischen bequem online oder telefonisch von zuhause aus erledigt werden kann. Das belegen auch die Zahlen: Während im Jahr 2015 noch 323.438 Servicetransaktionen in der Filiale erledigt wurden, waren es 2017 nur noch 261.545, ein deutlicher Rückgang.

Vorstandsvorsitzender Wilfried Wiedemann kündigte die einschneidenden Maßnahmen für das Filialnetz und damit für Kunden an. © Foto: Viola Bernlocher


Zudem sei die Filialstruktur der Raiffeisenbank sehr gut, betont Wiedemann. Im deutschlandweiten Vergleich mit anderen genossenschaftlichen Banken liege man derzeit noch an 29. Stelle auf einer Liste von 915 Banken. Die Zahl der Kunden pro Geschäftsstelle sei im Vergleich noch immer sehr niedrig.

Mehr Expertise

Die Raiffeisenbank will zudem lieber weniger Geschäftsstellen betreiben, aber dafür dann im Sinne der Kunden in Zukunft auch längere Öffnungszeiten bieten und ein größeres Team mit Experten heranbilden. "In einer Zwei-Mann-Geschäftsstelle, wenn einer im Urlaub ist, dann ist da keine Beratung mehr möglich, weil außer für Service nicht viel Zeit ist", erklärt Wiedemann. Zudem könne zum Beispiel eine Immobilienfinanzierung ohnehin nicht mehr von allen Bankern beraten werden.

Ein weiterer und sehr triftiger Grund für die Schließung aber ist, dass viele der kleineren Geschäftsstellen in den Ortschaften dringend renoviert werden müssten. Soll in diese Immobilien investiert werden, wenn sie in ein paar Jahren ohnehin geschlossen würden, weil kaum mehr Kunden kommen? Die Bank sagt Nein.

Zur Nachhaltigkeit verpflichtet

Wiedemann betont, dass es der genossenschaftlich organisierten Bank, nicht vorrangig um Gewinnmaximierung gehe. Eine Geschäftsstelle mit 12 000 bis 14 000 Transaktionen pro Jahr sei aber kaum mehr wirtschaftlich. "Die Kollegen in München sagen, eine Filiale ab 20 000 lohnt sich, bei anderen Banken heißt es ab 40 000", sagt Wiedemann. "Mit 24 Filialen haben wir noch immer eines der dichtesten Filialnetze Bayerns", erklärt Wiedemann. "Wenn man es sachlich rechnet, gibt es keinen anderen Weg. Wir müssen nachhaltig wirtschaften", sagt Wiedemann. Das sei nötig, um die Bank zukunftsfähig zu machen, für die Mitarbeiter und für die Kunden.

Auch ältere Kunden, die mit Online-Banking nichts anfangen könnten und ihr Geld bisher am Schalter geholt hatten, lasse man nicht im Regen stehen. So biete man einen vierwöchentlichen Außendienst, wo man den Kunden unter anderem das Geld nach Hause bringe. Die Kunden behalten zudem weiterhin ihre persönlichen Berater, "sie sitzen jetzt nur ein paar Kilometer weiter."

Keine Entlassungen

Bei all den Umstrukturierungen soll kein Personal entlassen werden, hieß es in der Pressekonferenz. Die Mitarbeiter in den Geschäftsstellen, die aufgelöst werden, sollen dann in die nächstgelegene Geschäftsstelle versetzt, oder als Springer in der Personalreserve eingesetzt werden. Dennoch sollen im Service Arbeitskräfte reduziert werden. Das soll nicht durch Entlassungen sondern durch natürliche Fluktuation geschehen. Einige Mitarbeiter gehen in Rente, andere gründen eine Familie und gehen in Elternzeit, andere studieren noch einmal. Auf die Auszubildenden hat die Personalreduzierung aber keine Auswirkungen, alle werden nach wie vor übernommen. "Wir bilden aus, damit wir Nachwuchs haben", sagt Wiedmann.

Die Gebäude gehören alle bis auf eines derzeit der Raiffeisenbank. Was damit geschieht ist derzeit noch offen, es sollen vor Ort Lösungen gefunden werden.

Besserer Telefonservice

Nachdem bei der vorherigen Schließung von Filialen den Vorständen teils harscher Gegenwind ins Gesicht geweht ist, rechnen sie auch diesmal damit: "Sachlich gesehen haben wir keine andere Chance. Wir hoffen aber, dass uns unsere Kunden auch weiterhin vertrauen", sagt Wiedemann. Dazu wolle man in Zukunft auch die digitale Infrastruktur noch deutlich verbessern und etwa das telefonische Kundenservice-Center ausbauen.

  

VIOLA BERNLOCHER

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