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Rinderzucht: Gute Qualität bringt besseren Preis

Robert Westphal aus Meinheim ein Pionier in Sachen genfreies Tierfutter - 31.05.2012 16:49 Uhr

Robert Westphal aus Meinheim ist Rechtsanwalt, Landratsstellvertreter und Landwirt. Er achtet auf absolute Qualität. Er vermarktet über die Bäuerliche Erzeugungsgemeinschaft Schwäbisch-Hall und erreicht für seine Tiere einen besseren Preis. © Natalis


Man kennt ihn als Anwalt, als Bürgermeister von Meinheim und als stellvertretenden Landrat. Doch dass der viel beschäftigte Politiker aus dem Altmühltal auch noch ganz nebenbei seit Jahrzehnten einen Bauernhof betrieben hat, und das sehr erfolgreich, ist weniger bekannt. Kaum jemand weiß zudem, dass er großen Wert auf artgerechte Tierhaltung legt, explizit nur gentechnisch unveränderte Futtermittel verwendet und auf Antibiotika ganz verzichtet, und das schon seit Jahrzehnten. Zu einer Zeit, als Biobauern hierzulande manchem noch als ökologische Spinner galten, setzte Westphal bereits darauf, dass man im Lebensmittelsektor mit Qualität überzeugen muss.

Die Rinder in dem luftigen Boxenlaufstall, der neben der Biogasanlage am Ortseingang steht, wirken zufrieden. Ein paar liegen dicht beieinander, ein paar käuen zufrieden wieder, andere scheinen fast miteinander zu spielen. Als Unterlage haben sie ein dickes Strohpolster, ihre Gülle wird zur Stromerzeugung verwendet und zu fressen bekommen sie Heu und natürlich Kraftfutter, das heute aus der Fleischerzeugung nicht mehr wegzudenken ist. Aber sie bekommen eben nicht irgendeinen Futtermix, sondern soweit es geht Erzeugnisse vom eigenen Hof. Westphal – und mittlerweile sein Sohn Philipp, der den Hof übernommen hat – bauen Erbsen an, die viel Eiweiß liefern. Nur wenn es nicht reicht, wird Soja zugekauft – aber natürlich nur gentechnisch unverändertes Soja.

Prägende Zeit in Starnberg

Als Westphal 1967 in seinen ersten Ausbildungsbetrieb kam, staunte er nicht schlecht. 80 Muttersauen hatte sein Lehrherr, das waren für Mittelfranken völlig unvorstellbare Dimensionen. 1968 wechselte er auf ein Schlossgut bei Starnberg, und die dortige Milchkuhhaltung in Boxenlaufställen war für ihn „prägend“. Boden, das ist für Westphal nach eigenen Worten „Leben“. Unzählige Organismen finden sich in der Erde, und der Mensch lebt von dem, was darauf wächst. Für Westphal ist es deshalb selbstverständlich, den Boden etwa durch Drei-Felder-Wirtschaft möglichst schonend zu beackern. Dank des Anbaus von Luzerne erübrigt sich auch der Kunstdünger. Für Westphal ist es wichtig, dass hinter der Landwirtschaft „auch etwas Ideelles steht“ und nicht allein „monetäres Denken“.

Allerdings ist es für ihn auch völlig legitim, mit seiner Arbeit Geld verdienen zu wollen. Und das tut er zusammen mit seinem Partner Rudolf Bühler in der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BES). 1988 gründeten der Landwirt aus Mittelfranken und sein Hohenloher Kollege diese Organisation und was damals ein mutiger Versuch war, entwickelte sich in den vergangenen 24 Jahren zu einer echten Erfolgsgeschichte. Westphal kannte Bühler aus dem Landwirtschaftsstudium und beide waren überzeugt, dass sie sich auf dem Markt nur über Qualität und ein Alleinstellungsmerkmal behaupten können. Bühler hatte sich in seiner Hohenloher Heimat bereits mit der Rettung des schwäbisch-hällischen Hausschweins einen Namen gemacht. Doch ob Weideschwein (mit Eicheln gemästet) oder „Boeuf de Hohenlohe“, das gute Fleisch musste schließlich auch an den Mann gebracht werden und zwar am besten an Kunden, die auch bereit waren (und sind), dafür einen höheren Preis zu zahlen.

Konzerne und Feinkostläden

In Baden-Württemberg war man Anfang der 90er-Jahre gegenüber Mittelfranken „um Meilen voraus“, erinnert sich Westphal. Die Menschen waren schon damals bereit, für qualitativ hochwertiges Essen auch mehr Geld auszugeben. Erste Vermarktungsschritte machte die Erzeugergemeinschaft im eigenen Laden in Schwäbisch Hall, dem „Bauernmarkt“. Doch vor allem waren es auch gehobene Res­taurants und Firmen wie Daimler Benz in Stuttgart, die der Erzeugergemeinschaft zum Durchbruch verhalfen. Das sind Partner, erläutert Westphal, die „nicht um 20 Cent hin und her“ handeln. Wichtig ist die Qualität, und wenn die stimmt, dann habe man treue Abnehmer. Längst ist Daimler nicht mehr das einzige Unternehmen, das in seiner Kantine Fleisch von der BES anbietet. Feinkostläden wie Käfer in München sind ebenso Abnehmer wie die Spitzengastronomie.

Obwohl Westphal und sein Sohn die Qualitätskriterien und Vorgaben der Erzeugergemeinschaft natürlich auf ihrem Hof umsetzen und das Fleisch ihrer Tiere ausschließlich über die BES vermarkten, war und ist Westphals Hauptrolle in der Erzeugergemeinschaft eine andere: Er brachte das juristische Fachwissen in die Partnerschaft mit Bühler ein. Längst hat sich die BES zu einem stattlichen Unternehmen entwickelt. Knapp über 1000 Betriebe produzieren nach den Bedingungen der Erzeugergemeinschaft, 80 Prozent von ihnen befinden sich in einem Umkreis von rund 35 Kilometern. 400 Angestellte beschäftigt die Erzeugergemeinschaft. Als vor fünf Jahren der Schlachthof in Schwäbisch Hall vor dem Aus stand, griff die BES zu. Zudem gehört zum Unternehmen noch ein Regionalmarkt samt Restaurant, der direkt an der A6, Ausfahrt Wolpertshausen, liegt und neben den eigenen Produkten auch eine große Auswahl an Bio-Produkten bietet.

Ein weiteres Wachstum ist für Westphal eigentlich nicht mehr wünschenswert, jetzt gehe es nur noch darum, an der „Qualitätsschraube“ zu drehen und um die „Verarbeitungstiefe“. So wird derzeit eine eigene Wurstkonservenlinie aufgebaut. Mittlerweile arbeiten die beiden Gründer nicht mehr an vorderster Front mit. Bühler und Westphal haben jeweils drei Söhne, die voll hinter der „Philosophie“ des von ihren Vätern gegründeten Unternehmens stehen. Auf dem Hof in Meinheim hilft Westphal nur noch am Wochenende mit. Doch „der Reiz ist immer noch da“ und zu tun gibt’s auch immer noch genug. 

MARIANNE NATALIS

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