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Donnerstag, 13.12.2018

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"Steinerne Rinne" zerstört – die Kripo ermittelt

Naturschützer stellen Strafanzeige — Bürgermeister räumt Fehler ein - 04.12.2018 17:14 Uhr

Ein Anblick, der weh tut: Etwa 100 Meter einer ökologisch wertvollen Kalktuffrinne wurden bei Sammenheim zerstört. Im Vordergrund ist die Rinne im Naturzustand zu sehen, dahinter der ausgebaggerte Wasserlauf. © Jürgen Eisenbrand


Gestern um 11.09 Uhr verschickte der Landesbund für Vogelschutz eine anklagende Mail. Überschrift: "Wertvoller Lebensraum mutwillig zerstört – Massive Schädigung einer Kalktuffquelle entdeckt – LBV reicht Strafanzeige wegen Umweltvergehen ein".

Die zerstörte Kalktuffquelle, so der LBV, "zählt zu den wertvollsten der südlichen Frankenalb. Dies hat fatale Konsequenzen für die dort lebende Tier- und Pflanzenwelt. Aufgrund des massiven Eingriffes und der Zerstörung des Ökosystems Kalktuffquelle hat der LBV Anzeige erstattet."

Auf Nachfrage des Altmühl-Boten bestätigte Rainer Seebauer, Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelfranken, dass die Abteilung Umweltdelikte in diesem Fall tätig sei. "Die Ermittlungen laufen an", so Seebauer. Zwar sei der Sachbearbeiter derzeit in Urlaub, er werde sich aber demnächst des Delikts annehmen.

Bereits Anfang des Jahres wurde nur etwa fünf Kilometer vom jetzigen Tatort entfernt, bei Kurzenaltheim, ein ähnliches, Jahrhunderte altes Naturdenkmal, mutwillig zerstört (wir berichteten), ein Täter wurde nicht ermittelt. Auf 15 Metern Länge, ausgerechnet dort, wo ein selbst gebasteltes Schild darum bat, diese schöne Laune der Natur nicht zu beschädigen, hatte der Unbekannte ganze Zerstörungsarbeit geleistet: Er hatte die Kalktuffrinne abgebrochen — und abtransportiert!

"Gesetzlich geschützt"

"Quellen sind gesetzlich geschützt, es ist also verboten, diese Biotope zu zerstören", sagt Eva Schubert. "Zudem handelt es sich bei Kalktuffquellen um einen besonders geschützten Lebensraumtyp nach FFH-Richtlinie, wir haben also eine besondere Verantwortung für ihren Erhalt", so die LBV-Quellschutzbeauftragte. Die Quelle befinde sich zudem in einem Natura 2000-Gebiet. Für das gelte, dass der Zustand mindestens so erhalten bleiben muss, wie er zum Zeitpunkt der Unterschutzstellung war.

Nicht zum ersten Mal wurde laut LBV an dieser Stelle ein Umweltdelikt begangen. Bereits vor knapp 10 Jahren wurde derselbe Bach, jedoch an einem Abschnitt weiter bachaufwärts, durch Grabungen beschädigt. Dies führte zu erheblichen Beeinträchtigungen des Quell-Ökosystems, weshalb sich der LBV damals einschaltete und eine Wiederherstellung des ehemaligen Quellabflusses durchsetzte.

"Mutwillig zerstört"

"Dass der Quellbach nun erneut abgegraben wurde, lässt keine andere Schlussfolgerung zu, als dass er mutwillig zerstört wurde", so Schubert. Durch den Eingriff wurde ein jahrzehntealtes Naturphänomen zerstört.

Kalktuffquellen entstehen dort, wo sich versickerndes Regenwasser einen Weg durch kalkhaltiges Sedimentgestein bahnen muss und anschließend wieder ans Tageslicht tritt", erklären die Natürschützer das spektakuläre Phänomen. Das leicht saure Regenwasser löse bei diesem Vorgang den Kalk aus dem Untergrund. Gelangt das Wasser dann wieder an die Oberfläche, entstehen Kalkablagerungen.

Räumt Fehler ein: Dittenheims Bürgermeister Günter Ströbel. © Wolfgang Dressler


Oberhalb des Dittenheimer Ortsteils Sammenheim, direkt unter der ehemaligen Hahnenkamm-Kaserne, ist auf etwa 100 Metern von diesem Natur-Schauspiel nichts mehr zu sehen: Ein Bagger hat den Quellkalk zerstört und eine große Schneise in den Wald geschlagen. Für den Betrachter sieht es so aus, als habe jemand dem kleinen Fließgewässer einen ungehinderten Ablauf schaffen wollen.

Recherchen des Altmühl-Boten erbringen einen Hinweis, der zunächst kaum glaubhaft erscheint: Die Gemeinde selbst soll für das Öko-Desaster verantwortlich sein! Doch ein Anruf beim Dittenheimer Bürgermeister Günter Ströbel bestätigt den Verdacht: "Ich muss leider sagen: Das stimmt."

Mit hörbar schlechtem Gewissen räumt der Dittenheimer Rathaus-Chef ein, dass die Gemeinde zumindest mittelbar die Verantwortung für den Naturfrevel trägt: "Wir haben einen Beauftragten, der sich um den Wald hier kümmert", sagt Ströbel. Und der habe leider auch diese Aktion als "sich Kümmern" verstanden.

Das Wasser habe sich mitunter gestaut, der Beauftragte habe es kanalisieren wollen – und dabei die Tuffrinne behandelt wie einen ganz gewöhnlichen Wasserlauf. "Das haben wir ganz klar falsch eingeschätzt", gesteht Ströbel. "Da gibt es kein Drumrumreden."

Eine Reparatur des angerichteten Schadens sei nicht möglich, so Ströbel, "da würden wir nur was verschlimmbessern". Der Urzustand lasse sich nicht wiederherstellen, der Wasserlauf müsse sich nun über Jahre wieder selbst regenerieren. 

Jürgen Eisenbrand E-Mail

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