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Wunschzettel für den Ministerpräsidenten

Horst Seehofer besuchte Merkendorf - Referenz an den scheidenden Ansbacher Landrat - 27.04.2012 15:33 Uhr

Flankiert von den Herolden und der Merkendorfer Krautkönigin: Ministerpräsident Horst Seehofer besuchte die Stadt, die bisher durch die intensive Nutzung von erneuerbaren Energien augefallen ist.  63 Prozent des verbrauchten Stroms werden heute im Kreis Ansbach aus erneuerbaren Energien erzeugt.

Flankiert von den Herolden und der Merkendorfer Krautkönigin: Ministerpräsident Horst Seehofer besuchte die Stadt, die bisher durch die intensive Nutzung von erneuerbaren Energien augefallen ist. 63 Prozent des verbrauchten Stroms werden heute im Kreis Ansbach aus erneuerbaren Energien erzeugt. © Werner Falk


Hans Popp, der Rathauschef, hat nämlich einige Wünsche in einem Memorandum zusammengefasst und an den Gast aus der Staatskanzlei herangetragen: Außeruniversitäres Forschungs- und Entwicklungszentrum (die Stadt bietet dafür ein 3000-Qudratmeter-Grundstück in Erbpacht an) und einen Kreisverkehr an der B 13 am Eingang zum Energiepark.

Die 2800-Einwohner-Stadt ist wohl nicht ganz zufällig als Besuchsort des Ministerpräsidenten ausgewählt worden. Sie macht mit ihrem Energiepark seit vielen Jahren positive Schlagzeilen und die Stadt gilt als Vorreiterin in Sachen Nutzung von erneuerbare n Energien. 7,2 Millionen Euro hat sie an Erlösen aus Biomasse und Fotovoltaik im Jahr 2010 generiert.

Was Horst Seehofer beim Besuch von „agriKomp“, dem europaweit agierenden Hersteller von Biogasanlagen, zu Ohren kam, das beeindruckten ihn so stark, dass er gleich dreimal  den Geschäftsführer Robert Bugar nach München einlud, wo er vor dem Kabinettsausschuss und der Energieagentur („Da gehts um Weichenstellungen“) vortragen soll. Beobachter konnten sich dem Eindruck nicht veschließen, Seehofer habe an Bugar „einen Narren gefressen“.

Jedenfalls will er von den visiorären Gedanken des Merkendorfers noch mehr hören. Die Staatsregierung, die in ihrem Konzept bisher davon ausgeht, das etliche Gaskraftwerke die Energie für Bayern liefern soll, könnte von den Eingebungen des umtriebigen Praktikers profitieren. Und außerdem gab es von Seehofer ein Extralob „für den repektvollen Umgang mit ihren Mitarbeitern“.

Was Robert Bugar und Michael Engelhard, die beiden Inhaber des Unternehmens mit rund 400 Mitarbeitern in Merkendorf und den drei anderen Standorten in Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz und  Baden-Württemberg sowie  mit Vertretungen  in Tschechien, Frankreich, Polen, Italien, Irland, Großbritannien, der Slowakei und in Kanada, an den Gast herantrugen, das war hauptsächlich die eine Bitte: der Gesetzgeber möge in seiner Konzeption der erneuerbaren Energien Kontinuität zeigen und verlässlich sein.

550 Biogasanlagen von 40 kW bis 1,5 MW hat die Firma in fünfzehn Jahren gebaut. Sie setzt hauptsächlich auf kleinere Anlagen (70 kW). Ihr Erfolgsgeheimnis verriet der kaufmännische Geschäftsführer und Gesellschafter Michael Engelhard: „Unser Leistungsportfolio geht von der Planung bis zur biologischen Betreuung durch das eigene Labor.“ Innovativ ist „agriKomp“ auch, denn es hat zuletzt die mobile Biogasanlage (Güllewerk) entwickelt.

Mit den Glaswerken Arnold präsentierte sich dem „MP“ ein zweites innovatives Unternehmen, das in Merkendorf und Feuchtwangen seine beiden größten bayerischen Werke hat (ingesamt rund 1100 Mitarbeiter mit einem Jahresumsatz von 150 Millionen Euro. Hans-Joachim Arnold, der Eigentümer der Firma, war eigens vom Stammsitz im württembergischen Remshalden nach Merkendorf gekommen, um sein Unternehmen vorzustellen, das 1949 von seinem Vater Alfred  gegründet wurde.

Das von ihm konzipierte Isolierglas  hat sich international durchgesetzt. Nach diesem System wird heute zu 95 Prozent Glas für die verschiedensten Anwendungsgebiete gefertigt. Referenzen aus der ganzen Welt liegen vor, die bezeugen, wie innovativ und erfolgreich die Glaswerke in der Branche sind. Beispielsweise hat Anrold die größe Isolierglasfläche beim Audi-Werk in Ingolstadt realisiert, was der Ingolstädter Horst Seehofer natürlich gerne hörte. Aber auch andere Produkte gehören zum Portfolio, beispielsweise Voltarlux (semitransparante Module im Glas).

Ob die Glaswerke bald auch die Kuppel der bayerischen Staatskanzlei ins rechte Licht setzen werden?  Das könnte immerhin ein Ergebnis des Seehofer-Besuchs sein.  Arnolds Bitte an den Politiker: „Der Staat soll dafür sorgen, dass die energetische Gebäudesanierung steuerabzugsfähig ist.“
 
Regina Fleischner, die Merkendorfer Krautkönigin, sowie die beiden Uniformierten und mit Speeren bewaffneten Herolde Karl Aulitzky und Michael Simon, bildeten das Spalier am Steingruberhaus, dem neuen, repräsentativen Empfangsgebäude der Stadt. Die vier Landtagsabgeordneten  Klaus Dieter Breitschwert, Jürgen Ströbel (CSU), Christa Naaß (SPD) und Prof. Peter Bauer (FW) waren zum Empfang des Landkreises ebenso geladen wie die Bürgermeister aus der Umgebung. Regierungspräsident Dr. Thomas Bauer begleitete seinen Chef ohnehin den ganzen Nachmittag über.

Der Empfang war auch eine Reverenz an den scheidenden Ansbacher Landrat Rudolf Schwemmbauer, dem  Seehofer den „Bayerischen Löwen“ überreichte.  Der Landkreischef nutzte in Anwesenheit seines Nachfolgers Dr. Jürgen Ludwig die Gelegenheit, um seinen Kreis ins rechte Licht zu rücken, aber auch einige Sorgen loszuwerden.

Schwemmbauer („Die Energieziele sind bei uns erfüllt“) bemerkte, dass die Bildungseinrichtungen in Triesdorf (mit FH Weihenstephan) schon seit vielen Jahren an der energetischen Nutzung von Biomasse arbeiten. Heute gebe es im Kreis über 9000 Fotovoltaikanlagen und 196 Biogasanlagen – so viele, wie in keinem anderen bayerischen Kreis. Über 63 Prozent des verbrauchten Stroms würde im Kreis aus erneuerbaren Energien erzeugt (bayernweit 17 Prozent). In die Anlagen zur Stromerzeugung seien über 950 Millionen Euro investiert worden. Jedes Jahr flössen über 160 Millionen Euro an Vergütungen aus dem EEG-Gesetz in den Kreis.  Deshalb sein Resümee: „Wir zählen zu den Vorreiterregionen.“ Schwemmbauer vergaß auch nicht das „Netzwerk Westmittelfranken“ von MdB Josef Göppel zu erwähnen.

Schwemmbauers Sorge: „Die Forschung sollte noch anwendungsorienterter werden. Das Wissen muss schneller in unsere Unternehmen kommen.“ Sein Gedanke ist es, den Hochschulstandort Triesdorf um eine solche Forschungs- und Anwendungseinrichtung zu erweitern. An die Adresse des Ministerpräsidenten: „Wenn Sie das umsetzen könnten, wäre das ein großes Vermächtnis für die Wirtschaft in unserem Kreis und in Westmittelfranken.“ Noch eine Bitte hatte der scheidende Landrat: der Rettungshubschrauber-Standort soll endlich für das südwestliche Mittelfranken und das nördliche Schwaben realisiert werden. Er möchte, dass der Freistaat seine Hausaufgaben selbst löst und nicht auf Baden-Württemberg wartet, das eine ganz andere Unfallrettungstruktur hat.

Horst Seehofer begegnete während seines Besuchs in Merkendorf den Menschen mit schmeichelnden Komplimenten („Wen der Herrgott liebt, den lässt er hier leben“) und einem Lob für die politischen Gestalter. Nach seiner Visite bei „agriKomp“ und den Glaswerken Arnold sagte er: „Sie bestätigen, dass  Bayern ein 5-Sterne-Land ist. “ Der eigentliche Schatz des Landes seien die Stärken seiner Menschen „und nicht die Planspiele der Ministerien“.  Er ist sich sicher: „Wir werden die Zukunft gewinnen, durch kräftigen Anpacken und nicht durch anhaltendes Blockieren.“ Zu den kreativen Unternehmern von Merkendorf sagte er: „Auf Sie kommt es an. Mit gefällt ihre Problemlösermentalität.“

Den deutlichen Hinweis des Bürgermeisters, mit einem Kreisverkehr für mehr Sicherheit zu sorgen, hat Seehofer verstanden, denn er kündigte an, dass sich bald die nachgeordneten Behörden damit befassen werden. „Am Geld“, so Seehofer, „soll es nicht scheitern, wenn wir mehr Verkehrssicherheit bekommen.“ Der Gast („Ich will nicht die Backen aufblasen“) zeigt  sich recht zugänglich, wie es ganz seine Art ist, auf die anderen Menschen einzugehen. Immerhin: „Wir wollen es ernsthaft angehen.“


Dem Ansbacher Landrat Rudolf Schwemmbauer bescheinigte er „eine einzigartige politische Laufbahn“. Er habe stets die Leidenschaft bewundert, mit der Schwemmbauer agiert habe: „Der brennt für eine Aufgabe“.  Immer verlässlich, gerecht und mit Augenmaß habe der Landrat seinen Dienst getan.
  

Werner Falk

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