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Britta Dassler wirkt seit zwei Monaten im "Provisorium"

Die erste Herzogenauracherin im Bundestag ist in eine etwas chaotische Übergangsphase geraten - 05.12.2017 15:46 Uhr

Britta Dassler im neuen FDP-Wahlkreisbüro in Herzogenaurach. © Foto: Andrea Lachmuth


Britta Dassler ist die allererste Abgeordnete aus Herzogenaurach, die sich ein Mandat im Deutschen Bundestag erobert hat. Wie hat sie das erlebt? "Das fühlt sich total gut an. Ich liebe meine Stadt und bin sehr stolz darauf, dass ich unsere Bürger im Wahlkreis in Berlin vertreten darf", freut sich die Unternehmerin, die 1995 der Liebe wegen nach Franken kam und in Herzogenaurach sesshaft wurde.

Rheinländische Fröhlichkeit, Begeisterungsfähigkeit und Hingabe als zweifache Mutter, Geschäftsfrau und Politikerin zeichnen die 53-jährige gebürtige Jülicherin aus Nordrhein-Westfalen aus. 2008 wurde sie als erste FDP-Stadträtin in Herzogenaurach gewählt. Seitdem hat sie ihr politisches Engagement bis zur stellvertretenden Landesvorsitzenden der FDP Bayern vertieft. Bei der Bundestagswahl am 24. September hat sie es vom neunten Listenplatz der FDP-Landesliste in deren 80-köpfige Fraktion im Deutschen Bundestag geschafft.

Ihr erster Arbeitstag mit konstituierender Sitzung im Parlament in Berlin war der 24. Oktober. "Als ich das Reichstagsgebäude zum ersten Mal als gewählte Abgeordnete betreten habe, habe ich mich im Plenarsaal erst einmal mit dem Rücken an die Wand gestellt und die ganze Kulisse auf mich wirken lassen", erzählt sie.

"Wow, ich bin wirklich im Bundestag", war ihr überwältigendes Gefühl. Seitdem pendelt sie zwischen Herzogenaurach und den Plenarsitzungen in Berlin, einen festen Wohnsitz hat sie noch nicht. Dafür aber einen Lieblingsplatz, den Gendarmenmarkt mit seinem besonderen Flair. Wenn der neue ICE-Sprinter ab 6. Dezember Nürnberg und Berlin in 2:49 Stunden verbindet, sei sie dabei.

Nur 100 Meter Luftlinie liegen zwischen Berlin-Hauptbahnhof und ihrem Arbeitsplatz im Regierungsviertel. Noch gibt es keinen geregelten Alltag für die frischgebackene Abgeordnete. Derzeit werde durch die geschäftsführende Regierung verwaltet, nicht regiert. Eine erste Abstimmung im Bundestag gab es aber doch schon Ende November: "Wir haben mit fraktionsübergreifender Mehrheit die Mandate der Bundeswehr um drei Monate bis Ende März 2018 verlängert. Damit die Sicherheitslage der deutschen Soldaten nicht gefährdet wird und es in Deutschland bis dahin hoffentlich wieder eine stabile Regierung gibt", so Dassler.

Jamaika gescheitert, GroKo in der Diskussion, Neuwahlen oder Minderheitsregierung möglich, die Regierungsbildung in der Schwebe. Wenn man eine politische Trendwende herbeiführen will, müsse man für seine Überzeugungen kämpfen, so Dassler. Sie sei nicht ratlos, sondern stolz auf ihre Partei: "Wir als FDP hätten Verantwortung für Stärke und Stabilität übernommen, jetzt sind die anderen gefordert."

Klare Kante und Rückgrat hätten die Freien Demokraten bewiesen, so ihre Meinung zum Ausstieg der FDP aus den Jamaika-Verhandlungen zwischen CDU/CSU, den Grünen und der FDP. Auch Neuwahlen schrecken sie nicht: "Ich bin überzeugt, dass wir als FDP sogar noch Stimmen dazugewinnen würden. Die Mails, die ich als Politikerin bekomme, bestätigen zu 90 Prozent unsere klare Haltung", so Dassler.

Die ganze Situation in Berlin ist derzeit nicht gefestigt. Die neugewählten Abgeordneten haben nur Übergangsbüros. Jedes Büromaterial, selbst ein Pritt-Stift, erfordere ihre Originalunterschrift, erzählt sie vom "bürokratischen Wahnsinn" in Berlin. Vor Weihnachten sollen die bayerischen Abgeordneten in der Dorotheenstraße 93 ihre feste Büroadresse bekommen. Darauf freut sich die sportliche Herzogenauracherin: "Ich liebe frische Luft, nur ein kleiner Spaziergang trennt mich vom Deutschen Bundestag. Zwischen langen Bürotagen genieße ich es, früh morgens an der Spree joggen zu gehen", verrät sie ihr Fitnessprogramm.

"Ich habe schon viel erlebt", resümiert sie. Jetzt sei alles neu, lebenslanges Lernen gefordert. Denn wenn sie etwas mache, dann vernünftig und mit Verantwortung, freut sie sich auf die neuen Aufgaben. Aufgaben, die sie bislang noch nicht hat. Ohne Regierungsmehrheit werden keine politischen Schwerpunkte gesetzt, keine Ministerposten vergeben, keine Ausschüsse für die Wahlperiode benannt.

Dassler hat sich für die Ausschüsse "Internationale wirtschaftliche Beziehungen und Entwicklung", "Europa" und "Sport" beworben. "Ich vertrete schließlich auch eine Sportstadt", sagt sie mit einem Augenzwinkern. In den FDP-Themen Bildung, Förderung von Mittelstand und Gründertum sowie Digitalisierung sieht Britta Dassler ihre Arbeitsschwerpunkte.

Auch die erste "Politische Bildungsfahrt" hat sie schon organisiert: 50 Mitarbeiter des Bayerischen Roten Kreuzes aus Erlangen sind im März 2018 eingeladen, mit ihr Berlin und den Deutschen Bundestag kennenzulernen. Die Arbeit der Rettungsdienste zu stärken sei ihr ein wichtiges Anliegen, betont die Herzogenauracherin.

Britta Dassler ist startklar für ihre Aufgaben als Mandatsträgerin: Ihren fünfköpfigen Mitarbeiterstab, der sich personell zwischen Berlin und ihren Wahlkreisbüros in Erlangen und Herzogenaurach aufteilt, hat sie schon eingestellt. Als offener Mensch mit rheinländischem Temperament liebt sie "kölsche Verzällcher", ehrliche Gespräche nah am Bürger.

"Wenn meine fränkischen Wähler in vier Jahren sagen, ,Britta, du hast einen guten Job gemacht‘, dann bin ich stolz", blickt sie in ihre Zukunft als MdB in Berlin.  

ANDREA LACHMUTH

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