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Caritas: Eltern werden problembewusster

Steigende Fallzahlen bei der Erziehungs-, Jugend- und Familienberatungsstelle - 19.04.2017 14:03 Uhr

Simone Steiner präsentiert den Tätigkeitsbericht 2016 der Erziehungsberatungsstelle. © Schulte


Die steigenden Fallzahlen — 2013 waren es noch 769 Ratsuchende, 2016 bereits 978 — sind für Simone Steiner nicht unbedingt ein negatives Indiz. Die Leiterin der Beratungsstelle sieht darin auch die wachsende Bereitschaft von Erziehungsberechtigten, Probleme zu erkennen und Lösungen zu suchen. Doch sie weiß auch, dass die Anforderungen an Familien wachsen. Die hohe Quote von Erwerbstätigen im Landkreis und die noch immer schlechte Vereinbarkeit von Beruf und Familie stellen große Herausforderungen an die Erziehungsarbeit.

Das stellt die Beziehungen im familiären Gefüge nicht selten auf eine Belastungsprobe. Es kriselt zwischen den Ehepartnern, zwischen Eltern und ihren Sprößlingen oder im Miteinander von Geschwistern. Beziehungsprobleme im Allgemeinen und die Trennung oder Scheidung der Eltern im Besonderen sind in über der Hälfte aller Fälle die Gründe, warum eine Beratung aufgesucht wird.

Dann setzt die Arbeit der Erziehungs-, Jugend und Familienberatungsstelle der Caritas an. Zehn hauptamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die insgesamt 6,3 Planstellen ausfüllen, arbeiten dann individuelle Unterstützungsangebote aus. Dass anlässlich der steigenden Beratungszahlen eine volle Stelle mehr eingerichtet werden konnte, freut Simone Steiner ganz besonders. Denn diese wird von zwei jungen Kollegen — einem Mann und einer Frau — ausgefüllt, die durch ihre aktuelle Ausbildung zum Kinder- und Jugendtherapeut frisches Fachwissen mitbringen.

Die Arbeit der Erziehungs-, Jugend- und Familienberatungsstelle beginnt aber nicht erst mit der Beratung, sondern setzt mit aktiver Präventionsarbeit weit früher an. Mit Vorträgen und Gruppenangeboten wird dabei das ganze Spektrum der Erziehungsfragen abgedeckt. Zehn Themenschwerpunkte hat man dafür in der Beratungsstelle gesetzt, um jeden kümmert sich ein Teammitglied mit vertiefter Fachkompetenz.

"Einen besonderen Schwerpunkt haben wir in den letzten zwei Jahren bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen gesetzt", sagt Simone Steiner. Denn der Schritt in die Selbständigkeit fällt nicht immer leicht. Mit dem Projekt "Leinen los" werden deshalb speziell Eltern solcher "Nesthocker" erfolgreich angesprochen.

Auch frühe Hilfen für unter Dreijährige sind immer stärker gefragt. Steiner sieht darin eine Bestätigung für die niederschwelligen Beratungsangebote, vermutet aber auch eine zunehmende Verunsicherung frischgebackener Eltern mit ihrem Kind.

Noch mehr Resonanz wünscht sich die Beratungsstellen-Leiterin beim Thema Inklusion. Die Caritas, die neben der Hauptstelle in Herzogenaurach auch Beratungsstellen in Höchstadt, Erlangen und Eckental unterhält, bietet an der Don-Bosco-Schule deshalb eine offene Sprechstunde an. So soll das Beratungsangebot direkt an die Familien der Kinder im sonderpädagogischen Förderzentrum herangetragen werden.

Starke Partner wichtig

Gerade bei der Präventionsarbeit kommt es auf starke Partner an. Deshalb arbeitet die Erziehungs-, Jugend- und Familienberatungsstelle der Caritas mit vielen Institutionen und Einrichtungen eng zusammen und bringt sich selbst in Arbeitskreisen und Gremien ein. Auch neuen Herausforderungen muss sie sich immer wieder stellen. Eines davon sind die kulturellen Hintergründe künftiger Ratsuchender.

"Aktuell haben 13 Prozent der Menschen, die unsere Beratung in Anspruch nehmen, einen Migrationshintergrund", erläutert Steiner. Noch seien das in erster Linie Mitarbeiter der Großunternehmen am Ort, doch das könnte sich ändern. Zwei Mitarbeiter des Beratungsteams erwerben deshalb gerade wichtige interkulturelle Kompetenzen. Denn "das Thema wird kommen", ist sich Simone Steiner sicher. 

SILVIA SCHULTE

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