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ERH: Viele Blühstreifen für Bienen

Gemeinsame Aktion des Bauernverbandes und des Maschinenringes ist ein Erfolg — Landwirte wollen etwas für den Naturschutz tun - 09.07.2018 16:45 Uhr

Ein Paradies für Bienen und andere Insekten ist der drei Meter breite Blühstreifen am Rande des Maisfeldes bei Kairlindach. © Fotos: Horst Linke


Die Aktion Blühstreifen findet im Landkreis Erlangen-Höchstadt heuer zum ersten Mal statt. Dafür haben sich der Bayerische Bauernverband (BBV) in Herzogenaurach und der Maschinen- und Betriebshilfsring Regnitz-Franken zusammengetan und ihre Mitglieder aufgerufen, möglichst viele Blühstreifen und Blühflächen anzulegen, unter dem Motto "Bauern schenken Blumen".

"Mit den Blühstreifen schaffen wir Lebensraum für Bienen, Insekten und andere Wildtiere. Das ist gut für die Umwelt und die Artenvielfalt in Feld und Flut", so Ralf Wagner, Geschäftsführer des Maschinenringes.

Wagner selbst ist neben Landwirt auch Imker. Er bedauert, dass es zwischen diesen beiden oft Unstimmigkeiten gibt — die Bauern nutzen mitunter Glyphosat, um auf ihren Ertrag zu kommen, die Imker machen genau das verantwortlich für das Bienensterben. Eine schwierige Situation. "Wir sprechen nicht mehr auf Augenhöhe miteinander", bedauert Wagner.

Deshalb habe man eine schon seit Jahren laufende Aktion des Maschinenringes Traunstein aufgegriffen. So können sich die Landwirte im Landkreis Erlangen-Höchstadt nun ganz unkompliziert an den Maschinenring Regnitz-Franken wenden, wenn sie ein paar Hundert Meter für einen Blühstreifen erübrigen können. "Der Maschinenring kommt dann und sät aus", erklärt Wagner. Und zwar die sogenannte "Tübinger Mischung", bestehend aus zehn Prozent Ölfrüchten (Futterölrettich, Senf), 22 Prozent Kräuter (Borretsch, Dill, Koriander, Ringelblume, Schwarzkümmel) und 68 Prozent Sonstige (Buchweizen, Kulturmalve, Phazelle) — alles äußerst bienenfreundliche Pflanzen.

Freiwillig auf eigene Kosten

Tatsächlich ist es augenscheinlich eine gute Mischung, denn am Rande des Maisfeldes von Rudolf und Peter Groß in Kairlindach flattert und summt es, zahlreiche Schmetterlinge tanzen über den Blüten. Und das, obwohl es wegen der Trockenheit laut Groß eher "verhaltene Blüten" sind. Er legt gerne solche Flächen an, sieht die Vorteile für den Naturschutz. Insgesamt haben die Großens drei Kilometer Blühstreifen (drei Meter breit) um ihre Maisäcker angelegt, zusätzlich noch einmal zwei Hektar Blühfläche. Das alles freiwillig und auf eigene Kosten (etwa für das Saatgut oder die Arbeit).

Landwirt Rudolf Groß (rechts) hat mit Hilfe von Ralf Wagner vom Maschinenring (2. v. l.) Blühstreifen angelegt. Darüber freuen sich auch Kreisobmann Robert Ort (links) und Kreisbäuerin Evi Derrer. Und natürlich die Imker.


Doch das werde kaum wertgeschätzt. Denn es gebe auch immer gleich wieder "selbst ernannte Experten, die alles schlecht reden müssen", weiß Gerhard Schmidt. "Das tut den Landwirten weh." Rudolf Groß nickt zustimmend. "Da wird eine kleine Pflanze kaputt gemacht — symbolisch gesprochen", sagt er traurig.

Hans Volland, Fachberater beim BBV Herzogenaurach, äußert sogar seine Sorge, dass junge Landwirte dann einfach gar nicht mehr mitmachen wollen, weil sie glauben, dass ohnehin nur wieder geschimpft werde. Bei Johannes Rohlederer, einem Jungbauern aus Kleingeschaidt (Markt Heroldsberg), ist das allerdings nicht so. Er hat mit Hilfe des Maschinenrings auch Blühstreifen angelegt und appelliert an seine Kollegen: "Man muss selbst aktiv werden und was machen."

Die Aktion werten Maschinenring und Bauernverband jedenfalls positiv. Gerhard Schmidt erläutert: "Im Landkreis Erlangen-Höchstadt gibt es derzeit 20 000 laufende Meter Blühstreifen, zwei Drittel davon, also 14 Kilometer, sind über den Maschinenring auf den Weg gebracht worden." Außerdem hätten 96 Betriebe im Landkreis insgesamt 185 Hektar an Blühflächen angelegt. "Diese Zahlen sprechen für sich." Man wolle die gemeinsame Aktion nächstes Jahr fortführen.

Auch die Imker finden die Aktion gut, weiß Ralf Wagner mit seinen 25 Bienenvölkern. Die Zusammenarbeit im Landkreis Erlangen-Höchstadt sei eng und gut. "Bienen brauchen Blüten, und Blüten brauchen Bienen. Bei Imkern und Landwirten ist es ganz ähnlich, wir sind auf ein gutes Miteinander angewiesen. Die Blühflächen der Landwirte schaffen ein tolles Nahrungsangebot für Bienen und andere Insekten." Im Übrigen könnten und sollten auch viel mehr Privatleute in ihren eigenen Gärten für wertvolle Blühflächen sorgen, finden die Landwirte. 

Jeanette Seitz Nordbayerische Nachrichten Herzogenaurach/Höchstadt E-Mail

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