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Dienstag, 25.09.2018

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Gremsdorf: Urzeitliche Funde direkt an der Autobahn

Archäologen-Team entdeckte bei jetzt laufenden Ausgrabungen Keramikreste von Feuersteinen, Vorratsgefäßen und Mammutzähne - 11.06.2018 15:12 Uhr

Der Archäologe Dr. Matthias Leicht (links) leitet die gegenwärtig laufenden Ausgrabungen in einem Bodendenkmal an der Autobahn bei Gremsdorf. Hier im Gespräch mit einem seiner Ausgrabungshelfer. © Foto: Roland Huber


Das betroffene Areal ist schon von weitem sichtbar. Dort wurde in den vergangenen vier Wochen zuerst der Oberboden, also die Grasnarbe, durch einen Bagger abgetragen. Der meist etwa sechsköpfige Archäologen-Trupp ist hier erst seit Mitte Mai im Einsatz.

Der Höchstadter Heimatforscher Ottmar Völlner schaut momentan täglich ein bis zwei Stunden auf der Ausgrabungsstelle vorbei. Er hat auf der jetzt betroffenen Wiese "noch nie" etwas gefunden. Zusammen mit seinen Kollegen aus dem Archäologie-Trupp des Heimatvereins läuft er jeden Herbst die Äcker um Höchstadt auf der Suche nach archäologischen Fundstücken ab.

Für Ausgrabungsleiter Dr. Leicht ist schon jetzt klar: "Das war früher eine weitläufige Siedlung." Eindeutiges Indiz dafür seien Keramiksplitter von Vorratsgefäßen und Feuersteinen aus der Hallstatt-Zeit, also etwa 700 bis 800 Jahre vor Christus.

Diese Scherbe eines wahrscheinlichen Vorratsgefäßes wurde bei archäologischen Ausgrabungen an der Autobahn bei Gremsdorf entdeckt. © Foto: Roland Huber


Mit viel Geduld und Feingefühl schaben die Archäologiehelfer unter Zuhilfenahme kleiner Kellen dunkle Erdschichten ab. Denn diese dunklen Verfärbungen seien laut Leicht oft ein Zeichen für "Hauspfosten, Feuerstellen, oder von einem Brunnen." Manchmal sei an solchen Orten auch Abfall entsorgt worden — der wiederum Tausende Jahre später Altertumsforscher interessiert.

"Seen" in der Tiefe

"Wir sind hier in der Aue der Aisch", beschreibt Dr. Leicht das Umfeld. Es sei ein "schwieriges" Gelände. Manchmal stoßen sie schon in einem halbem Meter Tiefe auf Wasser. "Das sind zum Teil richtige Seen, wenn es geregnet hat."

Nur bei großer Trockenheit – so wie jetzt — können die Helfer weitergraben. "Wir treffen vielleicht in zehn Metern Tiefe auf die Steinzeit. Oder auf die Eisenzeit."

Die bisher gemachten Funde datiert der Fachmann auf die "mittlere Altsteinzeit". Meist Überreste von Geräten oder "Artefakte von Feuersteinen". Aber auch die urzeitliche Tierwelt hat hier ihre Spuren hinterlassen. Reste von Mammut-Stoßzähnen und Backenzahn-Knochen gehören ebenfalls zu den Fundstücken.

Alles wird sorgfältig mit Nummernkärtchen versehen und fotografiert. Sämtliche Fundstücke werden sorgfältig gesichert. Denn die Firma für Sandabbau kann darauf später beim Abbau keine Rücksicht mehr nehmen. Diese betreibt bereits eine Sandgrube auf der anderen Seite der Autobahn. Auch dort hatte es schon archäologische Funde geben. Nach Abschluss der archäologischen Untersuchungen überzeugt sich das Landesamt für Denkmalpflege von der ordnungsgemäßen Sicherung und Dokumentation der Funde aus dem "Bodendenkmal".

Erst dann kann der gewerbliche Sandabbau auch an dieser Stelle endlich beginnen. 

FRANK HEIDLER

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