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Höchstadt: "Wo soll ich bloß hin zum Pieseln?"

Wer in der Innenstadt austreten muss, landet seit einem Jahr vor einem gesperrten Pissoir beim Kommunbrauhaus - 15.03.2018 13:27 Uhr

Mit Spanplatten verrammelt ist das öffentliche Pissoir beim Kommunbrauhaus in Höchstadt. Viele Passanten stört das mächtig. Foto: Anja Hinterberger


Einhalten, bitte. Wenn Johann Schulz in der Höchstader Innenstadt unterwegs ist, schaut er oft auf die Uhr. Von 8 bis 12 Uhr kann er nämlich die Toilette im Rathaus nutzen. Danach wird es schwierig. "Wo soll ich hin zum Pieseln?", wollte er deshalb schon im September 2017 in der Bürgerfragestunde des Stadtrats wissen.

Das Pissoir neben dem Kommunbrauhaus war damals schon einige Monate lang dicht. Seither hat sich nichts getan. Die Schließzeit beläuft sich etwa auf ein Jahr. Deshalb hat Rosi Schulz das Grundbedürfnis in der März-Sitzung des Stadtrats erneut vorgebracht. "Wann geht es denn endlich voran?", möchte sie von Bürgermeister Gerald Brehm wissen. Sie sei oft im nahegelegenen Seniorenheim St. Anna und beobachte dort, wie immer wieder Passanten kämen, um nach einer Toilette zu fragen.

"Die Geschäfte am Marktplatz sind nicht verpflichtet dazu, jemanden das WC nutzen zu lassen, wenn er kein Kunde ist", betont auch Johann Schulz. Und dann würden die Möglichkeiten in der Nähe schon sehr dünn. Die Anlagen an den Aischwiesen und am Friedhof in der Bamberger Straße seien zeitweise abgeschlossen und außerdem weit weg.

"Es ist völlig unstrittig, dass diese Sanierung viel zu lange dauert", meint der Bürgermeister. Die beauftragte Baufirma sei offensichtlich völlig ausgelastet, weil die Auftragslage momentan so gut ist. Den Vorschlag von Johann Schulz, im Rathaus-Innenhof ein Dixie-Klo aufzustellen, möchte er aber nicht umsetzen.

Vielmehr rät er schon in der September-Sitzung zu einem Ausflug in den Engelgarten — ohne weitere Details. Freiluft-Pinkeln — frei nach dem Motto "Wo ein Wille ist, ist auch ein Pissoir" — ist für Johann Schulz nur absolute Not-Lösung. "Schließlich kann das bis zu 40 Euro Bußgeld kosten", fürchtet er.

Die Verwaltung soll jetzt nochmal Druck machen bei der Baufirma. Auf einen offiziellen Termin für eine feierliche Pissoir-Eröffnung möchte sich der Bürgermeister aber nicht festlegen.

"Ich gehe davon aus, dass die WC-Anlage spätestens zum Altstadtfest wieder in Betrieb ist", sagt er vorsichtig. Versprechen will er aber nichts. "Okay", sagt Rosi Schulz und lächelt leicht gequält, "das gebe ich den Betroffenen so weiter." CLAUDIA FREILINGER 

Claudia Freilinger Nordbayerische Nachrichten Herzogenaurach/Höchstadt E-Mail

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