23°

Dienstag, 27.06. - 17:46 Uhr

|

zum Thema

Jugendliche gegen rechte Umtriebe sensibilisieren

Nürnberger Expertin hielt in Höchstadt Vortrag über Neonazismus in Franken — Rechtsextreme Vorfälle nehmen zu - 23.03.2012 10:00 Uhr

„In ganz Deutschland werden jeden zweiten Tag Gewaltverbrechen aus der Szene registriert“: stellvertretender Schulleiter Uli Günther, Projektleiterin Petra Arnold, Referentin Birgit Mair und Schulleiter Bernd Lohneiß (von links). © Spörlein


Mair ist Mitbegründerin des Nürnberger Instituts für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung, außerdem Autorin der internationalen Studie zur NS-Zwangsarbeit, „Hitlers Sklaven“. Bundesweit machte sie von sich reden als Antriebsfeder des Projektes „Tacheles“ – Handlungsstrategien gegen Rechtsextremismus in der Jugendarbeit in Mittel- und Oberfranken.

Und so widmete sie sich auch im Gymnasium dem Thema „Neonazismus in Franken und Handlungsstrategien dagegen“ — quasi eine Aufklärungskampagne über die verfassungs- und menschenfeindlichen, vor allem aber auch radikalen Vorgehensweisen und Ziele jener Menschen, die aus der Geschichte Deutschlands nichts gelernt haben. Geladen hatte die Projektleiterin und Pädagogin Petra Arnold, doch längst nicht so viele Zuhörer wie erhofft kamen. Der Hausmeister hatte 240 Stühle aufgestellt, mehr als die Hälfte blieb leer.

Dass das Thema jedoch aktuell ist, zeigte allein schon die Polizeipräsenz rund um das Gymnasium, die aufmerksamen Bürgern aufgefallen sein müsste. Die Ordnungshüter waren nicht prophylaktisch gekommen, vielmehr mussten sie anrücken, um einige Unverbesserliche aus Nürnberg in die Schranken zu weisen, die vor der Schule jene Botschaften verteilten, auf die Birgit Mair bei ihrem Referat einging — und deren Zweifelhaftigkeit sie detailliert erklärte. Der Spuk war dann auch schnell vorbei und die Mair namentlich bekannten, meist vorbestraften Nürnberger von der „Kameradschaft Freies Netz Süd“ rückten unverrichteter Dinge wieder ab.

Schulleiter Bernd Lohneiß meinte eingangs, dass die Jugend in Hinblick auf die Werbekampagnen der Rechtsradikalen sensibilisiert werden müsste und keiner sei für diese Aufgabe besser geeignet als Birgit Mair. Sie erklärte die Machenschaften und Vorgehensweisen der Neonazis, die mit Hassmusik, schwarzen Fahnen — statt der verbotenen Hakenkreuzfahnen —, und mit besonderen Symbolen Jugendliche ködern wollten. Mit der Zahl „1488“ etwa, wobei 14 für 14 Wörter stehe, die von der Existenz der weißen Rasse künden sollen, 88 für den achten Buchstaben im Alphabet („HH“).

Anhand von Bildmaterial zeigte sie Gewaltverbrechen, aber auch versteckte und offene Propaganda, etwa die Schändung des jüdischen Friedhofes in Diespeck 2007, Brandanschläge auf Unterkünfte von Einwanderern und die im vergangenen Jahr beschmierte Bamberger Synagoge. Demokratie, Freiheit und Menschenrechte würden mit Füßen getreten – „und in ganz Deutschland werden inzwischen jeden zweiten Tag Gewaltverbrechen aus der Szene registriert“, auch in Franken.

Mit jener unvergleichlichen Mordserie des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) summierten sich die Todesopfer auf 150 in den vergangenen 20 Jahren. Man habe eigentlich in Zusammenhang mit der Mordserie und den Ermittlungen gegen die rechte Szene damit gerechnet, dass die radikalen Umtriebe nachlassen. „Das Gegenteil ist eingetreten“, warnte die Diplom-Sozialwirtin.

Kostenlose Schau

Handlungsstrategien dagegen seien etwa Aufklärung über Neonazismus im Internet, aber auch Argumentationstraining gegen Stammtischparolen und Ausstellungen über Rechtsradikalismus in Bayern. Eine Sammlung des Bayernforums der Friedrich-Ebert-Stiftung wird gemeinnützigen Vereinen, Organisationen, Kommunalverwaltungen, Schulen und Bündnissen gegen Rechts kostenfrei zur Verfügung gestellt. Die Ausstellung wird demnächst auch in Pommersfelden zu sehen sein, Mair wird dort ebenfalls anwesend sein und bei Fragen Rede und Antwort stehen, wie sie den NN sagte.

Möglich seien als Gegenstrategie auch Gespräche mit Zeitzeugen, etwa mit Franz Rosenbach, der verfolgt wurde, weil er einer Gruppe von „Sinti“ angehörte. Nur knapp überlebte er die Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, Buchenwald, Mittelbau-Dora und einen Todesmarsch. Mair begleitet diese Gespräche und bettet sie in den historischen Kontext ein. Dieses Angebot sei aber kostenpflichtig und müsse beim Institut für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung in Nürnberg angefordert werden. 

nr

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Name:

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Höchstadt