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Freitag, 21.09.2018

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Orgel einmal ohne Klangbombast

Röttenbach: Spanisch-böhmischer Abend mit excellenten Musikerinnen - 02.07.2018 17:17 Uhr

Spielten vierhändig und abwechselnd auch auf dem Cembalo: Lucie Guerra Žáková (r.) und Markéta Schley-Reindlová an der Röttenbacher Winterhalter-Orgel. © Foto: Rainer Groh


Aus Böhmen kommt die Musik. Am Sonntag in Gestalt der beiden aus Böhmen stammenden Tastenkünstlerinnen Lucie Guerra Žáková und Markéta Schley-Reindlová – und mit einigen Stücken böhmischer Komponisten: Vom Tanz hergeleitet, also rhythmisch, und garantiert nicht tierisch ernst.

Eine Orgeltour mit vier Stationen haben die beiden Musikerinnen, die sich seit ihrer Prager Hochschulzeit kennen, in der Pfarrkirche St. Mauritius abgeschlossen. Gemanagt hatte dies Ulrich Theissen, Musikwissenschaftler, Organist und Professor für Slawistik, der dem Röttenbacher Publikum hilfreiche Erklärungen zu der doch selten gehörten Musik gab.

Wer hätte schon gewusst, dass es in spanischen Kirchen, namentlich jesuitischen, oft zwei Orgeln gab, auf denen man gern wechselweise konzertierte, oder Orgelmusik mit einem zweiten Tasteninstrument kontrastierte, wie dem Cembalo ? Und dass es sogar ein Genre der musikalischen Schlacht gab, der "Batalla". Eine solche ließ Lucie Guerra Žáková auf dem Winterhalter-Instrument hören, das zwar kein spanisches "Kampftrompeten"-Register hat, aber schmetternde Trompetentöne samt Flöten, Trommeln und Geschützdonner produzierte, bei dem für heutige Ohren kuriosen Stück des Spaniers Juan Cabanilles.

Diferencias, Variationen, über eine italienische Pavane (ein Tanz), über ein — von Guerra Žáková auch angesungenes — Liebeslied und einen Tanz aus Mailand gab es zu hören — und nach der barocken iberischen Strenge wurde es dann richtig böhmisch. Zwei der Wiener Klassik zugeneigte Tschechen, Jan KÝtitel KuchaÝ und Jan KÝititel Vanhal kamen mit einem Andante und einer Sonate ins Programm, beides sehr "a la Mozart", doch nicht mit dessen müheloser Heiterkeit.

Mit zwei der acht slawischen Tänze von Antonin DvoÝák waren die excellenten Musikerinnen am Ende in ihrem Element. Eine böhmische Blaskapelle lässt sich auch auf der Orgel imitieren, und so klangen die Zitate aus Ländler und Zwiefachem für einen Sommerabend genau richtig.  

RAINER GROH

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