Montag, 19.11.2018

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SpVgg-Fans wollen "Greuther" loswerden

Großteil der Anhänger fremdelt nach 23 Jahren mit dem Wortkonstrukt des Fusionsvereins - 10.08.2018 16:52 Uhr

Was die Fürther Fans vom Namenszusatz „Greuther“ halten, haben sie bereits 2014 bei einem Freundschaftsspiel in Vestenbergsgreuth kundgetan – die unfreundlichen Gäste „spielten“ dann auf der kleinen TSV-Tribüne auch noch reichlich mit Pyrotechnik. © Foto: Wolfgang Zink


Die Forderung ist genauso alt wie die Gründung: Als am 4. Juli 1995 die Präsidenten Helmut Hack (TSV Vestenbergsgreuth) und Edgar Burkart (SpVgg Fürth) die Fusion bekanntgaben, moserten die Traditionalisten. Die beiden Vereine wurden zur SpVgg Greuther Fürth, ein Wortkonstrukt, das sich in der Umgangssprache nie durchgesetzt hat.

Nun heißt es in der organisierten Fanszene der SpVgg: "Die Zeit ist reif." Mit diesem Satz beginnt ein flammender Appell auf der Internetseite der Fürther Ultra-Gruppen, dass sich der Verein endlich von dem Namenszusatz "Greuther" trennen solle, nachdem Hack weg ist. Man habe es satt, außerhalb Fürths immer wieder als "die Greuther" bezeichnet zu werden, der Verein heiße seit eh und je SpVgg Fürth.

"Verbindung ist weg"

Dass die städtischen Kleeblatt-Fanclubs großteils derselben Meinung sind, ist kein Geheimnis. Doch wie denkt man außerhalb Fürths über dieses Thema? Ein Anruf bei Angela Laake im 60 Kilometer entfernten Colmberg zeigt: Dort, im Landkreis Ansbach, "würde man das auch begrüßen". Laake ist Vizevorsitzende des 50 Mitglieder starken Fanclubs "Franken Power Colmberg".

Dabei ist ihr wichtig, "dass die Diskussion nicht mit dem Weggang von Hack begonnen hat", die gebe es schon länger. Und ja, "die Fusion war die Rettung, aber die Verbindung ist doch mittlerweile weg. Die Vestenbergsgreuther haben ihren eigenen Verein". Daher nerve es, in ihrem Landkreis immer wieder als "Greuther" bezeichnet zu werden, obwohl sie sich als Fürther sähen, so Angela Laake.

Kurze Zeit nach Juli 1995, als dieses Bild mit dem letzten SpVgg-Präsidenten Edgar Burkart (r.) und dem Greuther Helmut Hack entstand, wurden aus zwei Vereinsnamen einer: die SpVgg Greuther Fürth. © Archivfoto: Kögler


Näher dran an Vestenbergsgreuth ist Höchstadt. Dort hält Roland König die Fahne mit Holzschuh und Kleeblatt hoch – auch wenn das Wappen auf den Trikots ja seit geraumer Zeit wieder ein Kleeblatt ist. Er sagt: "Wir sehen uns als Greuther Teil der Fans." Seit 1975 hat der heute 61-jährige Vorsitzende von "Weiß-Grün Höchstadt" die Spiele des TSV Vestenbergsgreuth verfolgt – seit der Fusion drückt er eben dem Fusionsverein die Daumen.

Aus dieser Historie heraus wurme ihn die Forderung, die er überwiegend "unter jungen Fans" verortet. Er findet: "Wer den Zusatz Greuther entfernt, schiebt die erfolgreiche Zeit der vergangenen Jahre beiseite, man klaut den Erfolg der Greuther Fürther." Diese Meinung vertrete er auch bei Fanclub-Treffen, was nicht jedem passe. "Ich weiß, dass ich nur ein kleiner Teil der Fans bin."

"Rückschritt in alte Zeiten"

55 Mitglieder haben die Höchstadter. "Wenn sich jemand erinnern kann, wie der Ronhof 1995 ausgeschaut hat, der soll jetzt ins Stadion gehen und das vergleichen", appelliert er. Eine Rückkehr zum Namen SpVgg Fürth "wäre ein Rückschritt in alte Zeiten". König erzählt aber auch, dass es in Vestenbergsgreuth selbst "keinen Kleeblatt-Fanclub" mehr gebe. Die Fußballfans dort widmeten sich wieder ihrem Stammverein, dem TSV.

Wie auch immer: Die Abkehr vom "Greuther" wäre nicht einfach, das zeigt ein Blick in die Vereinssatzung. Bei der Mitgliederversammlung braucht es eine Mehrheit von neun Zehntel, um einen Antrag zur Namensänderung zu stellen. Der TSV Vestenbergsgreuth hat aber als juristische Person 20 Prozent am Stimmenanteil, kann das also torpedieren. Zudem erklärte Hacks Nachfolger als Präsident, Fred Höfler, dass er keine Änderung anstrebe. Es gebe "Wichtigeres als das". 

MARTIN SCHANO

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