Freitag, 16.11.2018

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Steigerwald wird zum Kulturerbe erklärt

Region punktet mit Rechtlertradition, Baumfelderwirtschaft und Dörrobstherstellung - 17.03.2018 14:00 Uhr

Ein zufriedener Schlüsselfelder Bürgermeister und zufriedene Landräte: Johannes Krapp, Paul Streng, Florian Töpper, Wilhelm Schneider, Johann Kalb und Bernd Schnitzlein (von links) mit einer Steigerwald-Karte. © Foto: Niko Spörlein


"Unser erstes Ziel ist erreicht", sagte Freitagnachmittag deshalb der Bamberger Landrat Johann Kalb bei einer eilends einberufenen Pressekonferenz im Bürgersaal der Stadt Schlüsselfeld. Dazu eingeladen hatte Kalb auch seine Landratskollegen Wilhelm Schneider (Hassberge), Florian Töpper (Schweinfurt), Paul Streng (Kitzingen) und Bernd Schnitzlein (Neustadt/Aisch-Bad-Windsheim) und den Hausherrn, den Schlüsselfelder Bürgermeister Johannes Krapp. Die Wahl fiel auf Schlüsselfeld, weil jene Stadt nicht nur den Beinamen "Steigerwaldstadt" trägt, sondern in etwa auch der Mittelpunkt der betroffenen Gebietskörperschaften ist. Im südlichen Randgebiet gehört übrigens auch Erlangen-Höchstadt zum neuen "Immateriellen Kulturerbe".

Laut Kalb habe man mit der gelebten bäuerlichen Rechtlertradition als Wesensmerkmal des Steigerwalds gepunktet und könne nun vom Freistaat für das "Bundesverzeichnis der immateriellen Kulturgüter" vorgeschlagen werden. Jener "Prämierung" ging die Erstellung eines gut 500 Seiten starken Gutachtens voraus, das vom Bayerischen Landwirtschaftsministerium in Auftrag gegeben wurde.

Im Oktober vergangenen Jahres erst stellte die Steigerwald-Region laut Johann Kalb einen entsprechenden Antrag beim Staatsministerium. "Dass das allerdings derart schnell geht, das hätten wir nicht gedacht." Die Aufnahme in das Landesverzeichnis sei quasi ein erster Schritt hin zum "Weltkulturerbe Steigerwald". Gleich fünf Landkreise aus drei Regierungsbezirken hätten an einem Strang gezogen.

Arbeitsgruppen eingerichtet

Schon 2010 habe sich der Bamberger Kreistag mit diesem Vorhaben beschäftigt und gleich nach seinem Amtsantritt im Mai 2014 sei Johann Kalb mit ins Boot gekommen. Es gehe letztlich darum, die gelebten Werte der Region "ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken", hieß es. 2014, fuhr Kalb fort, hatte es diesbezüglich sogar ein Gespräch der Landräte mit dem damaligen Ministerpräsidenten Horst Seehofer gegeben, wobei hier schon Einigkeit herrschte, den Titel "Weltkulturerbe" anzustreben.

Arbeitsgruppen wurden eingerichtet, Konzepte auf die Wege gebracht. Das besagte Gutachten sei im März 2017 im Steigerwaldzentrum in Handthal vorgestellt worden. Die "Steigerwälder" gingen schon seinerzeit einen Schritt weiter und hatten die Weiterverfolgung als Unesco-Weltkulturerbe im Auge. Zunächst, erläuterte Johann Kalb, werde man im nächsten Jahr aber nach und nach das Europäische Kulturerbesiegel beantragen.

Rechtler gibt es im Steigerwald eine Menge, allein im Stadtgebiet von Schlüsselfeld, so Bürgermeister Johannes Krapp, zähle man 78 Rechtler. Rechtler würden Wälder zugewiesen bekommen, in denen sie Holz machen können. "Und wer das Recht auf zehn Ster Holz hat, der spart sich einiges", meinte Krapp.

Sorgen zerstreut

Der stellvertretende Landrat aus Neustadt/Aisch, Bernd Schnitzlein, sprach gar von mehr als 100 Gemeindewäldern mit über 2600 Rechtlern in seinem Zuständigkeitsbereich. Es gehe um den Gemeinschaftssinn und die Individualität im Steigerwald, betonte Landrat Wilhelm Schneider; und sein Kollege Töpper sagte, dass die Menschen im Steigerwald als solches über Generationen hinweg ihren bodenständigen Lebensstil bewahrt hätten. Da im Vorfeld schon Bedenken laut wurden, die hiesigen Waldbauern müssten durch den Kulturerbe-Status womöglich mit Einschränkungen in der Bewirtschaftung rechnen, stellte Landrat Paul Streng (Kitzingen) fest, dass sämtliche Bedenken ausgeschaltet werden konnten.

Es gibt weitere Vorschläge, die der Steigerwald geltend machen will: die traditionelle Baumfelderwirtschaft, die Dörrobstherstellung und die Klostervielfalt im Steigerwald. Der Steigerwald wird sich mit diesen Vorschlägen ebenfalls für das Bundesverzeichnis bewerben, so Kalb. Der Dörrobstherstellung wurde etwa im 19. Jahrhundert besondere Aufmerksamkeit geschenkt, was auch ein Zeichen dafür sei, dass die Obstvielfalt im Steigerwald beeindruckend war; gelagert wurde das Dörrobst zumeist in tiefen Felsenkellern, hieß es. Das "Hutzeldorf" Fatschenbrunn (Oberaurach) sei diesbezüglich schon bayernweit im Gespräch gewesen. 

Niko Spörlein

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