Mittwoch, 12.12.2018

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StUB: Schlägt die Talvariante die L-Variante?

Ulrich Bogen referierte in Niederndorf über alternative Trassenführungen - 11.04.2018 05:57 Uhr

Großes Interesse fand der Vortrag von Diplom-Ingenieur Ulrich Bogen zu den alternativen Trassenführungen der StUB. © Foto: Rüdiger Leverenz


Zu der gemeinsam organisierten Vortragsveranstaltung hatten die Freien Wähler, die Bürgerinitiative HerzoSüdBewahren, der Bund Naturschutz und die Interessengemeinschaft der Eigentümer und Landwirte (IGEL) eingeladen.

Ulrich Bogen legte Wert darauf, dass es in seinem Vortrag nicht um seine persönliche Meinung gehe, sondern dass er versucht habe, die Fakten der vorliegenden Gutachten zur StUB zu überprüfen.

Den aktuellen Planungen liegt ein Gutachten aus dem Jahr 2012 zugrunde. In diesem Gutachten wurden Zahlen aus dem Jahr 2005 als Basis gewählt und für das Jahr 2025 fortgeschrieben. Das Ergebnis ist bekannt: Die L-Trasse schnitt in der Nutzen-Kosten-Analyse besser ab als die Talvariante, die nur auf einen Faktor von 0,77 kam und damit als nicht förderungswürdig eingestuft wurde.

Dies, so Bogen, spiegele aber die wirkliche Situation nicht wider. Auf der Nutzenseite seien die Fahrgastprognosen für 2025 im Bereich Herzogenaurach bereits jetzt weitgehend erreicht – weiterer Zuwachs sei zu erwarten. Hinzu komme, dass der Bedarf im Bereich Bruck/Bahnhof dramatisch unterschätzt wurde. "Die Investitionen dort, ganz besonders die Planungen für den Siemens Campus mit 14 000 zusätzlichen Arbeitsplätzen in den ersten beiden von insgesamt sieben Planungsschritten, würden die Grundlagen des Gutachtens massiv verändern. Als Konsequenz würde sich eine neue Nutzen-Kosten-Analyse stark zugunsten der Aurachtalvariante verschieben", meinte Bogen.

"Neubewertung unabdingbar"

Auf der Kostenseite sehe es ähnlich aus, so Bogen weiter. Während bei der L-Trasse alle unwirtschaftlichen Äste nicht mehr bei den Kosten berücksichtigt werden, gebe es keine aktualisierte Abschätzung für die reine Talvariante ohne zusätzliche Äste. Die Kosten werden damit seiner Meinung nach stark überschätzt. Es sei schließlich nicht zu erklären, weshalb in dem zugrundeliegenden Gutachten zum Beispiel die Kosten für die Verlegung von Versorgungsleitungen für die L-Trasse nur in halber Höhe gegenüber denen für die Taltrasse zu Buche schlagen. Schließlich würde diese auf einer existierenden Trasse geführt und somit viel weniger Umbauarbeiten erfordern. "Eine Neubewertung der reinen Talvariante ist daher unabdingbar", sagte er und zeigte sich überzeugt, dass sie dann ein sehr viel besseres Nutzen-Kosten-Verhältnis aufzeigen würde und sich als förderungsfähig erweisen könnte. Die Talvariante hätte laut Bogen aus Herzogenauracher Sicht noch weitere Vorteile. Bis zum nächsten S-Bahn-Anschluss in Erlangen Bruck seien es über diese Trasse nur sechs Stationen. Mit der L-Trasse brauche es dagegen 14.

Die Schlussfolgerung von Ulrich Bogen: "Die Datengrundlage für die Bewertung der alternativen Trassen ist veraltet. Eine Neubewertung ist dringend erforderlich. Aus Herzogenauracher Sicht schlägt die Talvariante die L-Variante um Längen."

Ein weiteres Gutachten kommt ebenfalls zu dem Schluss, dass der Nutzen der jetzt geplanten L-Trasse für Herzogenaurach und Gebiete westlich von Büchenbach von geringem Nutzen sei. In diesem Gutachten wird daher vorgeschlagen, die Taltrasse für eine S-Bahn-Linie (S11) zwischen Herzogenaurach und Erlangen zu verwenden. Dabei müssten beide Projekte nicht einmal in Konkurrenz zueinander treten. Durch einen Ringschluss würde sogar die Attraktivität der StUB erhöht, so die Autoren.

Vielen Teilnehmern an der anschließenden Diskussion ging es vor allem um die zu erwartenden Reisezeiten. Um Pendler zum Umstieg vom Auto auf den ÖPNV zu bewegen, muss das Angebot attraktiv sein. Dazu gehöre eine schnelle Verbindung von Herzogenaurach nach Erlangen und Nürnberg, meinten viele. Auch die schnelle Erreichbarkeit des Flughafens Nürnberg sei für die Mitarbeiter Herzogenauracher Unternehmen sehr interessant. Uschi Schmitt (BN) bemerkte, dass man sich eben entscheiden müsse, ob es nur um Schnelligkeit gehe, oder ob man möglichst viele Menschen erreichen wolle. Christian von Reitzenstein bemängelte unter anderem , dass die Talvariante in öffentlichen Veranstaltungen wie dem ISEK als Alternative oftmals einfach verschwiegen würde.

Ein Diskussionsteilnehmer brachte es dann am Ende aus seiner Sicht auf den Punkt: Für Erlangen sei die L-Variante durch die Einbindung von Büchenbach von Vorteil. Für Herzogenaurach hätte die Talvariante entscheidende Vorteile. Deshalb sei ein Ringschluss wohl die ideale Lösung. 

RÜDIGER LEVERENZ

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