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Zu viel Bürokratie: Keine Ringe für die Jungstörche

Storchenvater Edmund Lenz wehrt sich gegen die zunehmenden Auflagen - 29.06.2017 18:40 Uhr

Im vergangenen Jahr stieg Edmund Lenz in Höchstadt noch auf das alte Rathaus, um die Jungstörche für kurze Zeit aus dem Nest zu holen. © Fotos: Ralf Rödel


"Die Beringung war immer ein organisatorischer Kraftakt", sagt Edmund Lenz. Das Feuerwehrfahrzeug mit Drehleiter oder Hubsteiger musste organisiert werden — mit entsprechendem Personal, wohlgemerkt. Außerdem wurde die Beringungsaktion auch genutzt, um Kindern die Großvögel nahezubringen, was ebenfalls aufwendig war. So durften im Vorjahr 130 Kindergartenkinder beim Beringen zuschauen und konnten dabei viel über die Tiere erfahren.

All das hat Edmund Lenz ehrenamtlich stets gerne gemacht — doch nun wird es ihm zu bunt. Dass er auf Anordnung der Bezirksregierung die Beringungsaktion drei Tage im voraus bei der Unteren Naturschutzbehörde anmelden soll, hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Die Beringung, mit deren Hilfe wertvolle Informationen zum Beispiel über Zugwege und damit über das Verhalten der Tiere gewonnen werden, wird er heuer nicht durchführen. "Sie ist nicht überlebensnotwendig", so Lenz.

Hilfen sind sinnvoll

Schnabel auf: Edmund Lenz hat die Jungstörche stets im Griff, die steigende Bürokratie jedoch nicht mehr. © Ralf Rödel


Wenn es um das Wohl seiner Schützlinge geht, bleibt er freilich aktiv. Hilfestellung in der Not will er weiterhin leisten, auch wenn selbst in diesem Punkt die Ansicht der Behörden und die des engagierten Storchenkenners auseinandergehen. Dürfen Jungtiere in Nässe- und Kälteperioden gefüttert, geföhnt oder unter Wärmelampen gesetzt werden, oder muss man die Natur völlig sich selbst überlassen? Eine Frage, die Edmund Lenz ohne Zögern beantwortet. Nicht zuletzt dank menschlicher Unterstützung habe sich die Storchenpopulation im Aischgrund so gut erholt. Da der Mensch den Lebensraum der Tiere aber zunehmend beschneidet — etwa durch Versiegelung, Monokulturen oder Pestizide — könne sich das Blatt auch rasch wieder wenden. Ein Eingreifen bei Notfällen ist für ihn deshalb eine Selbstverständlichkeit.

Keine Unterstützung

Auf Konfrontationskurs mit den Behörden will Lenz aber nicht gehen. "Die staatlichen Einrichtungen sind auf uns Ehrenamtler angewiesen", weiß er. "Sie können die praktische Arbeit mit den Tieren selbst gar nicht leisten". Doch dass es "nur Auflagen, aber keine Unterstützung" gebe, ärgert ihn. Auch Privatleuten ginge es nicht besser, sagt Lenz und führt das Beispiel eines Haushaltes an, der mit einer neuen Dacheindeckung die Auflage bekommen hatte, den vorhandenen Storchenhorst bis zum Start der Brutsaison wieder zu installieren. Zuschüsse: Fehlanzeige.

Wenn er wieder ohne Weisungen arbeiten könne, werde er auch wieder die Jungstörche beringen, versichert Storchenvater Lenz, der sich seit 37 Jahren für die Großvögel einsetzt. Heuer ist es für eine solche Aktion freilich zu spät. Nur bis zu einem Alter von sechs Wochen lässt sich der Storchennachwuchs die markierten Bänder umlegen, denn bis zu diesem Alter stellen sich die Jungtiere tot, sobald sich jemand nähert. Diese Gelegenheit ist inzwischen vorüber — die rasch heranwachsenden Vögel starten schon ihre ersten Flugversuche. 

SILVIA SCHULTE

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