Montag, 24.09.2018

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Zwischen Chocolaterie und einem Eimer Kuhmist

Spaß und Bildung im KJR-Jugendcamp Vestenbergsgreuth - 18.08.2018 07:57 Uhr

Auch Nudeln wurden im KJR-Jugendcamp in Vestenbergsgreuth selbst gemacht. © Foto: Alicia Küster


Im Rahmen des Ferienpasses des Landkreises hatte sich das UmweltForscherMobil des Kreisjugendrings (KJR) etwas einfallen lassen. In dieser Woche fand auf dem Gelände des Jugendcamps Vestenbergsgreuth das viertägige "Projekt Natur" statt. Rund um das Thema "Gärtnerst du noch - oder kochst du schon?" konnten die Kinder zwei Workshops pro Tag besuchen. Ein Blick hinein:

In der "Textilmanufaktur" nähen die Kinder aus alten Jeans Taschen, Schürzen oder einen Werkzeuggürtel. Unterstützt werden sie dabei von Heidi Haas, einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin des KJR. Für die Herstellung einer Jeans werden 8000 Liter Wasser verbraucht, das haben Luis (11) und Leon (8) schon gelernt - da wäre es zu schade, sie wegzuschmeißen, obwohl man sie nur ein paar Mal getragen hat. Diese Wertschätzung sollen die Kinder in den verschiedenen Workshops erlernen.

Jeder hat seine Aufgabe

Der Catering-Workshop am Vormittag kocht das Mittagessen. Im Experimentierküchen-Workshop am Nachmittag wird das Essen für den nächsten Tag vorbereitet. "Die Kinder sind alle gut dabei. Hier findet jeder seine Aufgabe", meint Lena Grau. Sie leitet als ehrenamtliche Mitarbeiterin die beiden Workshops. Am Montagnachmittag hatten die Kinder bereits Mehl selber gemahlen und daraus dann Nudeln hergestellt. Das Catering bereitet jetzt am Dienstag noch selbstgemachte Tomatensoße und eigenes Pesto aus frischem Basilikum zu. Dann steht auch das Mittagessen schon.

Um den Nachtisch kümmert sich die Chocolaterie: Schokofruchtspieße - natürlich mit fairer Schokolade. Doch was ist eigentlich fair? Das haben die Kinder in der Früh mit der pädagogischen Mitarbeiterin Jasmin Siegfried durchgesprochen: Der Arbeiter muss genug zu Essen haben, ein Dach über dem Kopf und ein Bett. Er muss genügend Geld haben, seine Kinder in die Schule zu schicken und Medizin und Arztbesuche zu bezahlen.

"Die Kinder verstehen das. Wir steigen mit einem kurzen Video über ein Kind auf der Kakaoplantage ein. Der Junge kann nicht in die Schule gehen, etwas, was für unsere Kinder selbstverständlich ist", erzählt Susanne Körner. Sie ist Umweltpädagogin und leitet mit Kollegin Jasmin Siegfried nicht nur die Aktion, sondern auch das Jugendcamp in Vestenbergsgreuth. Dazu gehört auch das UmweltForscherMobil. "Wir zeigen den Kindern, dass jeder was dazu beitragen kann. Wenn sie faire Schokolade kaufen, ermöglichen sie dem Jungen, in die Schule zu gehen. So viel teurer ist das auch gar nicht mehr, und Schokolade ist ein schönes Produkt. Das soll man ja auch genießen", erzählt Körner.

Plädoyer für Regionales

Wichtig sind auch regionale Produkte. "Wir müssen ja keine spanischen Tomaten essen, wenn es hier in der Umgebung genug gute Tomaten gibt. Man importiert ja nicht nur die Tomate an sich, sondern auch das Wasser, das dafür verbraucht wurde", informiert Körner. Außerdem können Hochbeete gebaut werden und Mini-Hochbeete für daheim. Es werden auch handwerkliche Kompetenzen vermittelt. "Hier dürfen die Kinder auch Bohrer abbrechen und daneben schrauben. Fehler sind erlaubt und sogar ein Teil des Konzepts", erklärt Geschäftsleiter des KJR, Traugott Goßler, "Manche haben hier das erste Mal einen Bohrer in der Hand."

Und noch mehr erste Erfahrungen werden gemacht. Bei den Hochbeeten lernen die Kinder auch etwas über Kompost und Dünger. Dazu steht auch ein ganz besonderer Eimer parat. "Wie riecht denn der Kuhmist?" fragt Gößlein in die Runde der Kinder, die rümpfen bloß die Nase. "Die Kinder sollen die Zusammenhänge verstehen. Sie können schmecken, fühlen und riechen, so machen wir das erfahrbar", meint Goßler.

Auch Dominik Hertel ist zum Helfen da. Er ist Vorsitzender des KJR und baut mit den Kindern die Hochbeete. "Die Arbeit als ehrenamtlicher Vorsitzender ist unterschiedlich. Manchmal sind es in der Woche bis zu 20 Stunden, in anderen Wochen schaut man nur kurz vorbei." Sein Team beim Hochbeete-Bau ist auf jeden Fall begeistert. Avelina (10), Ida (7) und Matteo (8) können überhaupt nicht sagen, was bis jetzt ihre Lieblingsaktion war. "Alles war am besten", meint Matteo. Mit sieben Jahren ist Ida eine der Jüngsten. Schließlich kann man erst ab sieben Jahren mitmachen. Phillip, der die Äpfel für die Obstspieße schneidet, ist elf. Damit ist er einer der Älteren. "Im Durchschnitt sind die Kinder neun oder zehn" meint Körner.

Auf die 20 Kinder kommen sechs erwachsene Betreuer. Ein hoher Betreuerschlüssel sei wichtig. So könne man viel persönlicher mit den Kindern arbeiten und lernen, erzählt Körner.

Das UmweltForscherMobil bietet bis zu 40 Projekte im Jahr an. Auch mit und für Schulklassen.

Nähere Infos unter der Adresse: https://www.kjr-erh.de 

ALICIA KÜSTER

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