Donnerstag, 18.10.2018

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Klinik-Versorgung auf dem Land: Den Freien Wählern reicht's

Sie fordern eine Bestandsgarantie für kleine Krankenhäuser — Demo in Nürnberg - 20.09.2018 06:00 Uhr

Im April hatte die Initiative zum Erhalt des Hersbrucker Krankenhauses eine Kundgebung in Nürnberg organisiert, nun laden die Freien Wähler ein. © Foto: Ralf Rödel


Peter Bauer kann die Aussagen mancher Politiker von einer angeblichen Überversorgung im Freistaat nicht nachvollziehen. Wie eine Anfrage des mittelfränkischen Abgeordneten im Landtag ergeben hatte, lag die Bettenauslastung in Bayerns Krankenhäusern im Jahr 2016 bei 78,1 Prozent. "Als Idealwert wird von der Staatsregierung 80,0 Prozent angesehen. Warum müssen dann noch weitere Betten abgebaut werden?", wundert sich der Gesundheits- und Pflegeexperte der Freien Wähler.

Die Schließung von weiteren Krankenhäusern sei nicht zu verantworten, da ja die Bevölkerung in Bayern wachse und die demografische Entwicklung zwangsläufig zu einer höheren Zahl von älteren Patientinnen und Patienten führe. Und die leiden bekanntlich oft unter Mehrfacherkrankungen, so dass die Nachfrage nach Krankenhausleistungen in Zukunft zu- und nicht abnehmen werde. "Wenn da nicht gegengesteuert wird, droht uns eine Amerikanisierung unseres Gesundheitssystems", warnt Bauer.

Intensivbetten abgebaut

Obwohl es laut Auskunft der Staatsregierung also gar keine Überkapazitäten im Krankenhauswesen gebe, seien in Hersbruck Intensivbetten ersatzlos gestrichen worden, ergänzt Angelika Pflaum von der Bürgerinitiative zur Rettung des Hersbrucker Krankenhauses, die ebenso wie Bauer eine Rede bei der Kundgebung vor der Nürnberger Lorenzkirche (Beginn 15 Uhr) halten wird. "Wenn wir das schulterzuckend zulassen, müssen wir uns nicht wundern, wenn immer mehr Menschen den ländlichen Raum verlassen und in die ohnehin schon überlasteten Ballungsräume flüchten", sagt Pflaum.

Im Interesse einer flächendeckenden Versorgung plädieren Bauer und seine Parteifreunde deshalb dafür, das kleinere Krankenhäuser künftig eine "Lotsenfunktion" erhalten. Das heißt, dass für die dort als "Notfall" eingelieferten Patientinnen und Patienten eine Erstdiagnose erstellt wird und dass sie medizinisch stabilisiert und notfallmäßig versorgt werden. Danach werde, ähnlich der "Lotsenfunktion" eines Hausarztes, entschieden, ob die Behandlung vor Ort durchgeführt werden kann oder ob der Patient in ein Krankenhaus mit einer höheren Versorgungsstufe verlegt werden muss.

Die Defizite dieser "Lotsen"-Krankenhäuser sollen laut des Antrags, den die Freien Wähler vor der Sommerpause des Landtags gestellt hatten, durch einen Sonderfinanzierungsfonds ausgeglichen werden. Nach Ansicht von Peter Bauer ist das gut angelegtes Geld: "Wenn sich der Herr Söder eine Polizeikavallerie für 100 Millionen Euro leisten kann, dann sollte uns auch unser Gesundheitssystem ein bisschen was wert sein." 

ANDRÉ AMMER

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