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Kuscheln mit dem Huhn statt Rechnen

In Schmalenbach verhelfen Tiere Kindern zu mehr Selbstbewusstsein - 13.04.2017 08:00 Uhr

Bei Georg Ziegler (rechts) in Schmalenbach kommen Kinder mit besonderem Förderbedarf hautnah mit Tieren in Berührung - und lernen so den pfleglichen Umgang mit anderen Geschöpfen. © Diakonie


In dem kleinen Örtchen Schmalenbach leben mehr Tiere als Menschen. 80 Ponys, Hühner, Ziegen und Kaninchen tummeln sich auf dem weitläufigen Hof von Georg Ziegler, der in dem Dorf mit rund 30 Einwohnern einen Freizeitpark betreibt. Familien mit ihren Kindern
treffen sich hier im Streichelzoo zum kostenlosen Kuscheln mit den Tieren. Aber auch die Schüler des Sonderpädagogischen Förderzentrums schauen regelmäßig vorbei, um den richtigen Umgang mit Tieren zu lernen.

Vierzehn Buben und Mädchen von der ersten bis zur sechsten Klasse sitzen in einem offenen Stall auf Heuballen – erst mal gibt es eine Runde Kekse für die Schüler. Christine Karch, Fachkraft für tiergestützte Pädagogik, erklärt den Kindern, dass sie sich gegenüber den Tieren ruhig und rücksichtsvoll verhalten müssen. Jeder Schüler bekommt von ihr Salat und Karotten auf die flache Hand. Und dann hat Felix seinen großen Auftritt.

Georg Ziegler gibt dem Ziegenbock einen Klapps aufs Hinterteil und führt ihn in den Stall: Der braun-weiße Felix ist gerade mal ein knappes Jahr alt, handsam und er liebt eben Salat und Karotten. Manche Schüler sind mutig und strecken dem Tier
das Futter entgegen – die achtjährige Rebecca mit dunkelbraunem, geflochtenem Zopf ist zurückhaltender. "Wenn du es dir nicht zutraust, die Ziege zu füttern oder zu streicheln, dann drehst du dich einfach um, hat mir Frau Karch gesagt", erklärt das Mädchen ganz ernst. "Denn dann denkt sich die Ziege: Okay, ich lasse dich besser in Ruhe." Ganz zögerlich streichelt Rebecca dem Ziegenbock übers Fell – Christine Karch unterstützt sie dabei. Und wie ist es für Celina, die ganz mutig das Tier füttert? "Es fühlt sich kitzelig an, lustig und
es ist cool", beschreibt die Schülerin.

Doch die tiergestützte Pädagogik ist mehr als cool. Für jedes Kind gibt es Förderziele. Die liegen zum Beispiel im sprachlichen oder emotional-sozialen Bereich. "Es geht darum, wie gehe ich mit einem Tier gut um und wo liegen die Grenzen", erklärt Christine Karch. "Diese Punkte lernen Kinder oftmals über den Kontakt mit den Tieren besser und können es auf den Umgang mit Menschen leichter übertragen."

Georg Ziegler ist die ganze Zeit über dabei und beantwortet geduldig die Fragen der Schüler. Für die Tiere ist der Besuch der Schüler kein Problem. "Unsere Ponys, Hühner, Hasen und Ziegen wachsen von klein an mit Kindern auf. Sie haben auch Rückzugsgebiete, zu denen die Schüler keinen Zugang haben, sondern nur die Tiere", erklärt Ziegler.

Nach einer Stunde im Stall malen die Schüler noch ein Bild von Felix – und dann geht es auf die Pferdeweide. An einer Leine führen sie nacheinander die Ziege den kleinen Hang rauf und runter. "Dadurch wird das Selbstbewusstsein der Kinder gesteigert, wenn sie merken, dass das Tier ihnen folgt", stellt die Fachkraft für tiergestützte Pädagogik fest.

Rund zehn Besuche stehen pro Halbjahr für ausgewählte Schüler der ersten bis zur sechsten Klasse bei Georg Ziegler an. Am Ende sammeln die Buben und Mädchen kleine Andenken an Ziege, Huhn und Co., beispielsweise Federn, Stroh oder Haare landen im persönlichen Erinnerungssäckchen.

Celina ist, als es mit dem Bus zurück nach Ansbach geht, erleichtert. "Ich hatte Angst, dass Felix mir in den Finger beißt, hat er aber nicht – er war ganz brav", schwärmt das blonde Mädchen. "Felix sieht einfach schön aus, weil er so braune Flecken hat." 

Diane Mayer

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