Freitag, 22.03.2019

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Cannabis-Gärtner zapfte Strom bei Nachbarin ab

Eigene Dreistigkeit wurde 30-Jährigem zum Verhängnis — Drei Aufzuchtanlagen entdeckt - 31.01.2014 13:00 Uhr

Kein passendes Geschenk für den Muttertag: Polizeioberrat Helmut Lukas präsentiert die bis zu 90 Zentimeter großen Cannabispflanzen, die bei der Hausdurchsuchung des 30-jährigen Gärtners sichergestellt wurden. © Günter Distler


„Das hat am Wochenende in der ganzen PI nach dem Zeug gestunken“, sagt Dienststellenleiter Helmut Lukas mit einem Lächeln. Inzwischen hat sich der süßliche Duft der Hanfpflanzen verzogen. Der ganze Ausmaß der entdeckten Aufzuchtanlage offenbart sich aber nicht nur in den Blumentöpfen auf dem Dachboden, sondern weit mehr noch in der Asservatenkammer im Keller.

Dort stapeln sich Umzugskartons bis unter die Decke. Darin eingepackt sind Aluschläuche, Trafo, Zeitschaltuhren, Ventilatoren, Alureflektoren für Beleuchtung, Düngemittel, Lüfterräder und ein großes, schwarzes Kunststoffzelt. „Ein Irrsinnsaufwand“, staunt selbst der erfahrene Polizeioberrat.

Derjenige, der diesen Aufwand nicht gescheut hatte, sitzt nun in Untersuchungshaft. Es war aber nicht die feine Nase eines Zeugen, die dem mutmaßlichen Haschisch-Produzenten zum Verhängnis wurde. Wie so oft in diesen Kreisen, wähnte sich der Plantagenbesitzer zu sicher – und beging eine Torheit: Weil er sich die immensen Stromkosten, die bei der Innen-Aufzucht für Licht und Wärme anfallen, sparen wollte, zapfte er kurzerhand die Stromleitung eines benachbarten Kellerabteils an. Das blieb auf Dauer nicht unbemerkt.

Zwei Kellerräume hatte der 30-Jährige – er ist auch von Beruf selbstständiger Gärtner – im Stadtgebiet Neumarkt in dem Haus fernab seiner Wohnung angemietet. Eine Mieterin dieses Anwesens stellte nun bei der Jahres-Ablesung fest, dass ihr Stromverbrauch im vergangenen Jahr um ein Vielfaches gestiegen ist. Deshalb vermutete sie die Abnahme von Strom durch eine dritte Person.

Schon einmal erwischt

Die Frau verständigte den Hausmeister. Doch auch dieser konnte den 30-Jährigen nicht dazu bewegen, sein verschlossenes Kellerabteil zu öffnen. Schließlich erstattete die Frau am Freitagmittag Anzeige wegen „Entziehung elektrischer Energie“.

Eine Polizeistreife sah nach dem Rechten. Den Beamten fielen gleich die Schläuche, eine Styroporplatte und andere Gegenstände vor den Kellerräumen auf, die auf eine Cannabis-Plantage hinwiesen. Dazu kam auch noch der süßliche Geruch in diesem Bereich. Ein weiteres Indiz: Der 30-jährige Neumarkter ist kein unbeschriebenes Hanfblatt. Erst im November 2012 war er mit einer Aufzuchtanlage samt 18 Cannabispflanzen erwischt worden.

Der Mann war nicht zu erreichen, und deshalb wurden die beiden Kellerräume polizeilich bis zur Einholung eines richterlichen Durchsuchungsbeschlusses gesichert. Der Ermittlungsrichter gab grünes Licht und so verschafften sich die Beamten Zugang. Sie fanden zwar keine einzige Cannabispflanze, dafür aber Gerätschaften für eine komplette Aufzuchtanlage.

Zeitgleich wurde die Neumarkter Wohnung des 30-Jährigen durchsucht, wobei weitere zwei komplette Aufzuchtanlagen und 64 Cannabispflanzen mit einer Höhe zwischen sechs und 90 Zentimetern sichergestellt wurden. Außerdem fand man in den verschiedenen Räumen des ­Einfamilienhauses 360 Gramm zum Trocknen ausgelegtes Marihuana.

Dieses „Gras“ wird nun zusammen mit den in der PI erst geernteten und dann getrockneten Pflanzen an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Die Drogen gehen dann ins Labor. Denn nicht nur die Menge spielt bei der Höhe des Strafmaßes eine Rolle, sondern auch der Gehalt des Wirkstoffs THC. 

nd

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