Deckenfresken in Burggriesbach sind Kunstwerk des Monats

2.10.2018, 09:59 Uhr
Deckenfresken in Burggriesbach sind Kunstwerk des Monats

© Foto: Adalbert Wiech

Die barocke Pfarrkirche von Burggriesbach, einem Ortsteil von Freystadt in der Oberpfalz, ist dem heiligen Gangolf geweiht, ein Patrozinium, das im Bistum Eichstätt nur noch einmal, und zwar in einem Altar in Wettstetten anzutreffen ist. Die Deckenfresken in Burggriesbach sind Arbeiten des Malers Johann Nepomuk Anton Stadlmaier aus dem Jahr 1777. Der kunstgeschichtlich kaum bekannte Künstler lebte in Freystadt. Für die Filialkirche Mariä Himmelfahrt in Simbach, Pfarrei Waldkirchen hat er ein Deckenbild entworfen.

"Kämpfender Wolf"

Der Name Gangolf stammt aus dem Althochdeutschen und soll "kämpfender Wolf" bedeuten. Nach der Vita stammte er aus einem hochadeligen Geschlecht in Burgund und war Gefolgsmann des merowingischen Königs Pippin des Kurzen. Nach der Heimkehr von einem Feldzug kaufte er in der Champagne eine Quelle, die sich als heilkräftig herausstellte.

Als er erfährt, dass seine Frau Ehebruch begangen hat, muss diese sich einem Gottesurteil unterziehen: Sie muss aus dieser Quelle einen Stein heben. Dabei verbrennt sie ihre Hand, womit ihr Vergehen bewiesen worden sei. Trotz dieser Überführung lässt Gangolf Gnade walten und sie nicht verurteilen. Der Ehebrecher, ein Kleriker, überfällt Gangolf aber im Schlaf und erschlägt ihn mit dessen Schwert. Bei der Überführung und Beisetzung in seiner Eigenkirche in Varennes-sur-Amance ereignen sich Wunder.

Seine Verehrung beginnt bald nach dem Tod, gerät aber um 788 ins Stocken. Es fällt auf, dass Gangolf-Patrozinien an unbedeutenden Orten an Fernwegen zu finden sind, die Beziehung zum Königsgut haben. Sein Gedenktag ist der 11. Mai. Es ist nicht eindeutig zu klären, welcher Stand seine Verehrung besonders gefördert hat. Sicher galt Gangolf dem Rittertum als ein Idealbild.

Die Decke des Langhauses der Kirche von Burggriesbach ist ausgestattet mit einem großen zentralen Fresko, in dem illusionistisch ein barocker Festraum gezeigt wird, der sich zum Himmel öffnet. Dort erscheint der Heilige in der Glorie. In den kreisförmig darum herum gruppierten Szenen wird auf die religiösen Grundsätze Gangolfs angespielt. In den Figuren treten dem Betrachter Bildnisse des Fürstbischofs Raymund Anton von Strasoldo und des Erbauers der Pfarrkirche, Pfarrer Johannes Carl gegenüber, der als sehr gebildet gerühmt wird und vermutlich das Programm für die Fresken entworfen hat.

In den kleinen umgebenden Fresken erzählt Stadlmaier weitere Szenen aus der Legende: Gangolf als Befehlshaber gekleidet befindet sich in einem Heerlager und leistet einen Eid auf ein gottgefälliges Leben, in einer anderen Szene erschlägt der ehebrecherische Kleriker nachts Gangolf mit dessen Schwert im Bett.

Verfälschende Interpretationen

Das abgebildete Fresko zeigt Gangolf als Feldherr, der gegen seine untreue Frau das Gottesurteil herbeiführt. Er lässt sie den Stein aus dem Brunnen holen. Zum Beweis ist die Hand verbrannt. In dem Nebenbild rechts zieht ein Diener einen Stock aus der Erde bei der Quelle, aus der dann heilkräftiges Wasser fließt.

Die Fresken wurden im Laufe der Zeit mehrfach restauriert. Bei den Fehlstellen waren die Restauratoren zu eigenen Interpretationen gezwungen, die, weil sie die Ikonographie nicht verstanden, heute verfälschend wirken. Bei der Erfassung der Kunstwerke des Bistums kommt es immer wieder zu überraschenden Entdeckungen. Mit der Reihe "Kunstwerk des Monats" werden einige dieser in der Öffentlichkeit bisher wenig bekannten Erkenntnisse vorgestellt.

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