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Einige Brauereibesitzer sind nicht nur seelenverwandt

Im Landkreis Neumarkt stehen neun Sudhäuser — Reiches Sortiment - 28.03.2014 15:18 Uhr

Der Katzerer-Hausbrauer Jens Meinzer ist ein Quereinsteiger. © Günter Distler


Im bürgerlichen Beruf ist Peter Feihl zwar Ingenieur, aber er schafft es doch, die familiäre Brautradition der Klosterbrauerei Seligenporten aufrechtzuerhalten. Die frühere Braustätte der Mönche geht immerhin auf das 15. Jahrhundert zurück. Feihl bringt es pro Jahr auf rund 50 Hektoliter unfiltrierte und ungespundete helle und dunkle Bockbiere und Weizen, „ganz in der klösterlichen Tradition“. Der potente Gerstensaft wird in Literflaschen und Fässer abgefüllt. Aber das ist nicht alles: Seit drei Jahren gibt es ein Lohnbrauabkommen mit der Neumarkter Brauerei Glossner, die Bier mit dem Namen „Klosterbrauerei Seligenporten“ auf den Markt bringt.

Ebenfalls klein, aber fein ist die erst seit 2006 bestehende Hausbrauerei Katzerer in Sondersfeld nahe Freystadt. Dort hat sich der Quereinsteiger Jens Meinzer eine holzbefeuerte Sudpfanne zugelegt, in der jährlich rund 150 Hektoliter Lager, Helles, Bock und Märzen entstehen. Das Besondere am Katzerer-Bier: Es wird im Zwei-Maisch-Verfahren eingebraut, gärt auf der Flasche und ist unfiltriert. „Das Bier wird nach allen Regeln der Kunst handwerklich gebraut“, versichert Jens Meinzer. Das Katzerer gibt es im eigenen Biergarten, ab Hof und in zwei Getränkemärkten.

Ebenfalls zu den Kleinen gehört die Brauerei Schuller in Berching, wo in der Brauereigaststätte und bei der Bierherstellung der 78-jährige Seniorchef Franz Schuller noch immer Regie führt, während Sohn Franz, ein leibhaftiger Braumeister, für die Details in Sudhaus und Lagerkeller zuständig ist. Auch die Schullers halten die Familienfahne in der x-ten Generation hoch. Die Brauerei geht auf das Jahr 1725 zurück. Heute füllen Export, Pils, Weizen und Helles Gläser und Krüge. Und an Pfingsten sprudelt zum Volksfest das Festbier aus dem Hause Schuller aus dem Zapfhahn. Summa summarum sind es rund 500 Hektoliter pro Jahr.

Dieter Atzler, Chef der Mühlhausener Brauerei Bender, prüft die Qualität des Bieres. Er führt seinen Betrieb auf die Wolfstein­sche Brauerei aus dem 15. Jahrhundert zurück. © Anton Karg


Ein paar Jahrhunderte mehr hat die Brauerei Bender in Mühlhausen vorzuweisen: Der Vorläufer, die ehemalige gräfliche Wolfsteinsche Brauerei, entstand im Jahr 1482. Chef und Braumeister Dieter Atzler blickt auf eine 100-jährige Familientradition zurück. Hauptausschankstelle ist die eigene Brauereigaststätte Bender, wo Helles, Bockbier, Weizen und Dunkles die Luft aus den Trinkgefäßen lassen. Meister Atzler schafft Jahr für Jahr etwa 1000 Hektoliter Ausstoß.

Von den Kleinbrauereien haben sich zwei Braustätten inzwischen abgesetzt, die beide den Namen Winkler tragen — und die handelnden Personen sind tatsächlich verwandt. Josef Winkler, Chef der Brauerei Winkler in Berching, und Hanns Konrad Winkler (Lengenfeld) sind Cousins.

Der Berchinger Winkler ist allerdings deutlich jüngeren Datums: Die Braustätte besteht seit 1826 und wird in fünfter Generation familientreu betrieben, zeitweise unter dem Namen Bären-Brauerei. Das Pelztier ist auch heute noch das Winkler-Markenzeichen. An das will Josef Winkler in diesem Jahr mit einer Sonderedition erinnern: Am Tag des Bieres (23. April) soll ein unfiltriertes, helles Bier mit dem Namen „Kellerbär“ auf den Markt kommen.

Im Gluck-Jubiläumsjahr gibt es noch eine Sonderauflage: Das bernsteinfarbene, malzaromatische Bier trägt auf der 0,3-Liter-Flasche schlicht den Namen „1714“. Im ober- und untergärigen Biersortiment finden sich unter anderem diverse Weizen, ein Josefi- und ein Mai-Bock und das Altberchinger Dunkel. Durchschnittlicher Jahresausstoß des Berchinger Winkler: rund 4000 Hektoliter.

Die verwandtschaftliche Winkler-Bräu in Lengenfeld hat inzwischen einen Jahresausstoß von 12 000 Hektolitern erreicht, wobei Hanns Konrad Winkler stolz auf die Verdoppelung der Produktion in wenigen Jahren verweisen kann. Er wirkt nur noch als beratender Seniorpartner, nachdem er gemeinsam mit seiner Frau Gabi den stattlichen gastronomischen Betrieb an Karin und Georg Böhm übergeben hat.

Die Familien-Brauerei-Wurzeln reichen bis 1412 zurück, wobei es eine erste urkundliche Erwähnung im Jahr 1628 gibt. Der Lengenfelder hat sich ausschließlich auf untergärige Biere spezialisiert. Neben Vollbier, Pils und Export-Festbier gibt es noch reizvolle Spezialitäten: Seit 1975 wird das Kupfer-Spezial gebraut, das inzwischen durch ein Kupfer-Radler und einen Kupfer-Bock und neuerdings durch alkoholfreie Varianten ergänzt worden ist. Längst hat auch das Spezial, ein unfiltriertes Pils, seine Liebhaber gefunden.

Das gibt es im Braugewerbe auch eher selten: Ein Biersieder, der spezielle Biere für wohltätige Zwecke einbraut. Winkler in Lengenfeld hat dies in Form des Martini-Trunks getan. Ein Teil des Erlöses wird für den Erhalt und die Renovierung der Martini-Kirche gespendet. Beim „Kirchturm-Seidl“ geht es um die Förderung der St. Johannes-Kirche in Velburg.

Ein Prost im Lagerkeller: Michael Gregor Gloßner und Franz Xaver Gloßner sen. stoßen hier mit Diplom-Braumeister Jürgen Schödel an (von links). © Günter Distler


Apropos Velburg: Dort hat die heute in Neumarkt beheimatete Brauerei Glossner (schreibt sich mit Doppel-S) ihre Wurzeln, und zwar seit 1574. Anfang des 19. Jahrhunderts übersiedelte der Brauer dann in die heutige Kreisstadt. Franz Xaver Gloßner (schreibt sich mit scharfem S) ist stolz darauf, dass er und seine Kinder die 14. und 15. Generation der Unternehmerfamilie repräsentieren.

Beim reinen Bierausstoß hält sich der Brauereichef etwas bedeckt: Die Biermenge, die alkoholfreie Produktion und die Handelsware addieren sich auf rund 100 000 Hektoliter pro Jahr. Unter den insgesamt 25 Biersorten stellt das „Neumarkter Gold“ mit einem Produktionsanteil von etwa 50 Prozent das Flaggschiff unter den Gerstensäften dar. Franz Xaver Gloßner charakterisiert das Bier so: eine etwas dunklere Variante eines Hellen, etwas mehr Stammwürze, stärker, malziger, vollmundiger.

Ein Bio-Bier wird im Mehrweg-Verfahren mit Bügelverschluss bundesweit und selbst in Österreich vertrieben. Die urige Variante erreicht immerhin rund 15 Prozent des Ausstoßes. Das Glossner-Verbreitungsgebiet geht weit ins Mittelfränkische und den Nürnberger Ballungsraum hinein. Mit dem Kauf des Altdorfer Brauhauses 1997 gehört auch das Altdorfer Bier, ein typisch fränkischer Biertyp, zum Sortiment.

Platzhirsch in Neumarkt ist die Lammsbräu, welche 1628 erstmals in einer Urkunde auftaucht und seit 1800 der Familie Ehrnsperger gehört. Bereits seit 1977 wirtschaftet die Lammsbräu ökologisch. 1992 hat sie als erste Brauerei in Europa die Zertifizierung nach der „EG-Bioverordnung“ erreicht. Das Unternehmen hat 17 Biersorten im Repertoire, davon fünf alkoholfreie und zwei glutenfreie Biere. Der Bierausstoß erreichte 2013 über 71 000 Hektoliter. Die Gesamtproduktion gibt die Lammsbräu mit knapp 160 000 Hektoliter an.

Auf mehr Tradition können Goswin Diepenseifen und Michael Oetzinger von der Gansbräu verweisen. © Hubert Bösl


Auch bei der Lammsbräu gibt es eine verwandtschaftliche Beziehung zum zweiten Mitbewerber in Neumarkt: Die Gansbrauerei geht auf das Jahr 1580 zurück und befindet sich seit 1866 in Familienbesitz. Zuerst gehörte sie den Ehrnspergers, die mit den gleichnamigen Eigentümern der Lammsbräu weitläufig verwandt waren. Heute führen die Familien Oetzinger und Zinnhobel-Diepenseifen Regie in der Gansbrauerei. Diese nimmt für sich in Anspruch, nach der Lockerung des Kommunbraurechts seit 1842 als erstes privates Brauhaus in Neumarkt firmiert zu haben.

Die Gansbrauerei beschränkt sich auf untergärige Biersorten wie Hell, Pils und Dunkles sowie auf die saisonalen Varianten Bock, Doppelbock und Festbier. Das Rotbier zeichnet sich durch eine besondere Malzmischung aus. Es ist aus Anlass des Neumarkter Stadtjubiläums 2010 kreiert worden. Die Gansbrauerei erzeugt 19 000 Hektoliter Bier und bringt insgesamt 26 000 Liter Getränke an die Konsumenten.

Stichwort Bierfrische: Die Gansbrauerei bringt ihre Produkte mit einer relativ kurzen Mindesthaltbarkeitsdauer von vier Monaten auf den Markt. Das bedeutet, dass auf besondere Maßnahmen zur Haltbarmachung, wie Pasteurisierung, verzichtet worden ist. Goswin Diepenseifen: „Das ist dann wirklich was Organisches.“ 

VON WOLF-DIETRICH NAHR

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