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Sonntag, 16.12.2018

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Es regnete Rosen für die IMA-Sänger in Neumarkt

Dreistündige Opern-Gala im Neumarkter Reitstadel - Erinnernswürdige Auftritte und beachtliche Entwicklungen - 05.08.2018 16:03 Uhr

Der Schminkmeister hat die Make-Up und Frisuren der Auftretenden souverän im Griff: Michael Latus im EInsatz. © Foto: André De Geare


Ein dickes Lob bekamen sie schon in der Begrüßung durch Kammersängerin Edith Wiens: "wunderbare junge Künstler". Conférencier (und Studienleiter) Tobias Truniger von der Münchner Staatsoper schob seine Bewunderung für das von Anfang an "applausfreudige" Publikum nach.

Schöner geht "schöner Gesang" oder "bel canto" nicht: als James Ley und Hubert Zapior das berühmte Duett Nadir/Zurga aus Georges Bizets Oper "Die Perlenfischer" gesungen hatten, tobte der Saal. Zu recht. Denn sie schickten einem eine Gänsehaut nach der anderen den Rücken hinunter.

Letztes Jahr noch hölzern

Wie sich Stimmen innerhalb nur eines Jahrs entwickeln können, hörte man besonders am jungen Tenor und Wiens-Schüler Ley aus Maryland: letztes Jahr bei der IMA noch ein bisschen steif und hölzern, ist er jetzt einer ihrer Stars, und wie bei manchen anderen Teilnehmern stehen zur Zeit die Opernchefs auf Einkaufstour bei ihm Schlange (besonders aus Stuttgart, Köln, Frankfurt a. M., wie Wiens stolz referierte).

Wie Stimmen lange leistungsfähig bleiben, kann man Ende August bei den Salzburger Festspielen erleben. Da singt der ehemalige Tenor Placido Domingo im gleichen Stück die Bariton-Partie: mit 77, vor einem zweimal ausverkauften Großen Festspielhaus.

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IMA Opern-Gala 2018

Die Operngala der „Internationalen Meistersinger Akademie“ ging im ausverkauften Neumarkter Reitstadel über die Bühne.


Der Neumarkter Gala-Abend war wieder einmal der Beweis dafür, dass Sänger die Hauptsache an der Oper sind: Seit nicht mehr nur Adelige ins Hoftheater einluden, sondern das zahlend-bürgerliche Publikum zum wichtigen Faktor der Kunstform wurde, wurden sie ihre wichtigste kommerzielle und künstlerische Basis. Das ist heute auch noch so: Wenn Jonas Kaufmann den "Parsifal" singt, dann lässt die Bayerische Staatsoper die Kartenpreise bis 343 Euro hochschnellen.

Moderate Preise

Dieses Selbstbewusstsein will auch die IMA ihren Studenten vermitteln und dem Publikum zu wesentlich moderateren Preisen zeigen, was "bel canto" ist, ob man das nun mit "schön" oder "gut" singen übersetzt. Im Reitstadel übersetzte man es zuweilen auch mit "laut" : so wie der Markt das eben wünscht. Aber Prof. Wiens wird schon aufpassen, dass die wunderbaren Stimmen möglichst lange erhalten bleiben:

Wilhelmine Schröder-Devrient, die erste "Fidelio"-Leonore und spätere Wagner-Heroine, hat es auf 100 Rollen in 1000 Aufführungen gebracht. Und erfüllte damals schon die typischen Anforderungen an "schönes Singen": erinnernswürdig muss es sein, an die Gänsehaut appellieren und an den Applaus der Bewunderungsmaschinerie namens Publikum.

Kompliment an die Programmgestaltung

Die wurde an diesem Neumarkter Abend mehrfach (und vielfach zutreffend differenziert) in Gang gesetzt. Dabei ist auch ein Kompliment an die Programmgestaltung fällig: nicht nur Arien, sondern auch die für die Opernausbildung genauso wichtigen Duette und Ensembles waren Beweise für "the singer‘s progress".

Das bewiesen James Ley, Mikolaj Trabka und der spielfreudig-trinkfeste, mit einem profunden Bass begabte Bartträger Alex Rosen schon anfangs als stimmliche Haudegen in "Cosi fan tutte". Das bewiesen auch die Protagonisten dieser Oper im Sextett "Alla bella Despinetta".

Beste Karriere-Aussichten

Der kleine Reitstadel, kein Orchester – das kümmerte die Sänger nicht. Sie wollten beweisen, dass sie auch die Staatsopernweiten füllen können. Wie das sehr schön differenziert geht, zeigte auch diesmal wieder der Publikums- und Intendantenliebling Gabriella Reyes de Ramírez: perfekt.

Während man einen richtigen tenore di grazia im Bel-canto-Programm eigentlich nicht hörte. Dafür aber im deutschen Repertoire zwei raum- und rollenfüllende Sängerinnen mit besten Karriere-Aussichten: absolut souverän und mit triumphaler Höhe sang Felicia Moore, die dieses Jahr ihren Master bei Edith Wiens in New York gemacht hat, die große Arie der Ariadne von Richard Strauss. Oder Samantha Hankey (ebenfalls aus den USA) das "Bekenntnis des "Komponisten" aus dem Vorspiel von "Ariadne auf Naxos": "Musik ist eine heilige Kunst." Dem war nichts hinzuzufügen.

Am 8. August um 20 Uhr: das Abschlussfest "Cabaret!" in der Gartenschau-Arena; etwaige Restkarten unter (0 91 81) 255-125 oder unter www.neumarkt-ticket.de 

UWE MITSCHING

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