Sonntag, 18.11.2018

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Lebendiges Fenster in bewegte Geschichte

Tag des offenen Denkmals: St. Jakobus blickt auf 950 Jahre zurück — Bilder tragen wichtige Botschaft - 13.09.2018 12:59 Uhr

Heimatpfleger Josef Lobenhofer wusste viele Details aus der Geschichte der St. Jakobus-Kirche in Heng und legte interessante Verbindungen offen. © Foto: Athina Tsimplostefanaki


Das mit der Jahreszahl sei eher ein Richtwert, sagt Lobenhofer seinen Zuhörern – die katholische Gemeinde hat den runden Geburtstag des Gebäudes im Juli groß gefeiert. Dass das Gotteshaus etwa aus der Zeit stammt, ist sicher. Denn der damalige Bischof von Eichstätt, Gundekar II., führte ein zuverlässiges Arbeitstagebuch. Dort hat er in seiner 18-jährigen Amtszeit von 1057 bis 1075 die Kirchen aufgelistet, die er geweiht hat – immerhin 126 an der Zahl. An der 95. Stelle steht St. Jakobus in Heng. Wenn man die Kirchen-Weihen auf die Jahre aufteilt, kommt man für St. Jakobus dann auf das Jahr 1068.

Haupt- und Seitenaltäre, die heute im Gotteshaus stehen, stammen aus dem 18. Jahrhundert. Im Jahr 1882 hat der Deininger Kirchenmaler Georg Lang die Fresken an der Decke geschaffen. Lobenhofer zeigt nach oben: In drei Bildern ist die Geschichte des Heiligen Jakobus hier zu sehen. Das erste Bild nahe des Altarraums zeigt, wie Jesus Jakobus und, auf dem Bild hinter ihm dargestellt, dessen Bruder Johannes zu Jüngern beruft.

Das Bild an der Empore zeigt Samole, die Mutter der beiden Jünger, die Jesus anfleht, ihren Söhnen im Himmelreich die Plätze direkt an seiner Seite zu reservieren. Dieses Ansinnen weist Jesus zurück, "gerade wer Chef sein will, muss erstmal das Dienen lernen", fasst Lobenhofer die Kernaussage zusammen.

Das zentrale Deckengemälde gemahnt an den Tod von Jakobus: Er wurde 44 nach Christus unter Herodes Agrippa geköpft. Jakobus, bereits mit Heiligenschein, sitzt neben dem Scharfrichter.

Viele Legenden ranken sich um den Heiligen. Sein Leichnam soll in Jaffa auf ein unbemanntes Schiff gebracht worden sein, das am Ende der damals bekannten Welt strandete, an der nordwestlichen spanischen Küste. Dort sei der Leichnam gefunden und eine Kirche erbaut worden — und dort entwickelte sich der Pilgerort Santiago di Compostela, also Grabstätte des Heiligen Jakob.

Daher ist Jakobus auch als Pilger auf dem Hauptaltar zu sehen: Mit Umhang, Stab und Bibel, nicht, wie Lobenhofer lächelnd einen Schüler zitierte, mit Reiseführer. Außerdem hat Jakob eine Lederflasche dabei und Muscheln als Trinkgefäße.

Bilder und Symbole, an denen die Kirche St. Jakobus in Heng reich ist, waren in Zeiten, als viele Menschen nicht lesen konnten, wichtige Träger von Inhalten, Geschichten und Botschaften, sagt Lobenhofer — und sie sind heute noch ein lebendiges Fenster in die Geschichte, wenn man kundig hineinschaut.  

M. KAYSER

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