Mittwoch, 14.11.2018

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Lucky und Bajazzo

Golly Hertlein stellt sein zweites Buch vor - 23.03.2013 10:00 Uhr

Golly Hertlein © Fellner


Literatur ist Arbeit. Das ist bekannt seit Thomas Mann, der morgens mehrere Stunden und nachmittags mehrere Stunden die Einsamkeit seines Arbeitszimmers suchte und an seinen Werken – arbeitete. Daran hält sich auch Golly Hertlein, besser „der Golly“, 61 Jahre alt, Musiker, Arrangeur, Komponist, Kneipier, Herz und Seele der Kneipenbühne Oberweiling. Und Schriftsteller. Sein zweites Buch ist jetzt auf dem Markt, besser, im Internet. „Lucky und Bajazzo“ heißt es und wird von ihm auf seiner Internet-Seite http://www.kneipenbuehne.de/  vorgehalten.

Wer mag, sagt Hertlein, kann es sich herunterladen und es lesen; wer mag, sagt Hertlein, kann ihm für seinen Roman eine Spende überweisen. Kommt genug Geld zusammen, will er das Buch auch drucken lassen; jeder Spender bekommt dann sein persönliches Exemplar. Noch einmal ein Buch drucken lassen, gesteht der Autor offen, darauf wolle er sich nicht einlassen; von seinem Erstling, einem Science Fiction-Roman, hat er noch letzte Exemplare im alten Schulhaus gelagert, in dem die Kneipenbühne zuhause ist. Diesmal also soll es andersherum sein: Ohne Nachfrage kein Angebot.

Spaß an der Freud

„Ich machs, weil ichs machen muss, das macht mir einfach Spaß“, sagt Hertlein. Er sitzt im großen Wohnraum im ersten Stock, im Ofen knistert und knackt das Holz. Lange Regale reihen sich an den Wänden, die Böden biegen sich unter Büchern. Das, was in der Zeit, in der sein Roman spielt, gelesen worden ist, und mehr. Da reihen sich die blauen Bände der MEW neben den anderen, üblichen Verdächtigen, dazu viel philosophisches, existenzialistisches, aufklärerisches. Ein Leseleben.

„Lucky und Bajazzo“ steht nicht im Regal, den Roman gibt es nur digital – was gut zum Ende des Buches passt. Da verschränken sich Realität und erzählte Realität, greift der Autor in die Handlung ein oder tut zumindest so, als würde er es tun. Er tut es natürlich. Ein kurioser Schluss, sinnig ausgedacht und gelungen umgesetzt.

Worum es geht: Um Lucky und Bajazzo. Um Lukas Glück und Hanns Caspar. Die Namen machen es schon deutlich, der Autor liebt das Worte verdrehen, das Sinnsprüche drechseln, das Wortspiel an sich und bis zum Exzess. Die Handlung: Eine Erzählung. Es sind drei Treffen der Freunde in Nürnberg in den Jahren 1976, 1986 und 2010; hier wird reflektiert und zitiert, hier wird Geschichte geschrieben. Das alles im Rückblick.

Wortspiele und Wissen

Da gibt es witzige Szenen aus dem Fränkischen, aber auch Redundanz; da gibt es viele nette Wortspiele, aber auch viel lexikalisches Wissen, das manchmal fast gewaltsam in die Handlung gepresst scheint. Wodurch diese stellenweise ausfranst, sich verliert, vor sich hin mäandriert. Der Zeitgeist ist raumfüllend vorhanden für den, der diese Tage erlebt hat, aber manchmal ist es zu viel, was Hertlein in die Erzählung packt. „Autobiografisches – nein“, wehrt er lachend ab. Ein bisschen wohl schon.

Eine witzige Idee: Die Fußnoten. Da werden Ausdrücke oder Abkürzungen erläutert und alle möglichen weiteren Variationen dafür angeführt. Das liest sich anfangs erfrischend, erschlägt aber auf Dauer. So, wie der Diskurs über die zeitgenössische Literatur dieser Tage. „Was liest du gerade“, lautet die Begrüßung der beiden Freunde und ihr folgen oft lange Exkurse, in denen der Autor die beiden über angesagten Autoren reflektieren lässt.

Das gilt auch für die Dialoge: Manche geschliffen, sie ziehen einen durch die Zeilen, an anderer Stelle aber holpert es. Was daran liegt, dass auch hier viel lexikalisches Wissen eingepflegt ist, das oft vom Handlungsstrang weg in Verästelungen führt.

Dann der Schluss. Den versteht nur, wer sich bis zur letzten Seite vorgelesen hat. Perfekt angelegt. Und: Er wird nicht verraten.

Eine Lesung aus Lucky und Bajazzo steht am Samstag, 23. März, in der Kneipenbühne in Oberweiling an; es wird nicht nur gelesen, es ist eine Lesung mit Musik. Beginn: 20.30 Uhr 

wof

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