Mittwoch, 14.11.2018

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Messe Solemnelle lässt Militärmusiker Martini erahnen

Am 10. Juni wird in der Freystädter Wallfahrtskirche das große Werk des Komponisten aufgeführt — Vorlagen aus Paris - 31.05.2018 12:10 Uhr

Ein Konzert mit Werken des Komponisten Jean Paul Egide Martini verspricht immer einen musikalischen Hochgenuss. © Foto: Benjamin Panknin


So findet am Sonntag, 10. Juni, um 19 Uhr in der Wallfahrtskirche Maria Hilf eine Wiederaufführung seines wohl größten Werkes, der "Messe Solemnelle", statt. Sie war dem Reichsfreiherrn Carl Theodor von Dalberg gewidmet. In dieser Widmung schreibt Martini: "Ich wage es jedoch, Eure Hoheit, Eminentissime, noch inständigst darum zu bitten, dieses Werk...auch nach der Rückkehr in Eure Länder zu fördern." Dalberg erfüllte den inständigen Wunsch Martinis allerdings nicht. Das tat im Jahre 2002 das Hugo Distler Ensemble unter Kurt Weikert im Rahmen eines Martini-Festivals des Katholischen Kreisbildungswerkes Neumarkt in der Freystädter Wallfahrtskirche.

Da es kein wirklich spielbares Aufführungsmaterial der Messe gab, musste dieses erst angefertigt werden. Die Vorlagen stammen aus der Bibliotheque Nationale in Paris. 2014 erfolgte eine weitere Aufführung in Freystadt, Nürnberg und Gössweinstein durch den Festivalchor Musica Franconia unter Wolfgang Riedelbauch im Rahmen der 27. Internationalen Festtage Alter Musik.

Die relativ groß instrumentierte Messe Solemnelle bot Martini als Festmesse zur Vermählung von Napoleon Bonaparte mit Marie-Louise von Habsburg im Jahr 1810 an. Der Kaiser zog allerdings eine Komposition von Cherubini vor, vermutlich weil sie im Stil einfacher – und kürzer – war. Das Werk bewegt sich vom Spätstil Haydns bis zu den Anfängen der französischen Romantik. Dabei besticht die Komposition durch die äußerst geschickt angelegten Kontraste zwischen repräsentativ, zuweilen geradezu plakativ-prächtigen Chorsätzen (man spürt den Chef der französischen Militärmusik Martini) und kammermusikalisch intimen Arien und Soloensembles mit reduzierter Orchesterbesetzung.

Äußerst interessant sind: "Et incarnatus est", geradezu hochromantisch, für Soloquartett und Holzbläser mit Hörnern, die hier nicht mehr als schmetternde Jagdhörner, sondern als "Cor Francais" mit weichem Klang eingesetzt sind. Und: "O Salutaris Hostia", ein A-capella-Chorsatz, nur von einem die Bassstimme verdoppelnden Kontrabaß gestützt, nach der Wandlung, der schon die Motetten Anton Bruckners erahnen lässt.

Den Schluß der Messe bildet ein prächtiger Satz für alle Mitwirkenden: "Domine Salvum fac imperatorem Napoleonem". Der unter verschiedenen Regimes lebende – und auch leidende – Komponist lässt allerdings auch die Version "Domine salvum fac regem..." oder "principem" zu. Bei festlichen, staatstragenden Messen in Frankreich war damals dieser Schlußsatz zum Heil des jeweiligen Potentaten durchaus üblich. Sehr bekannt ist die Huldigung Kaiser Napoleons III. am Ende der Cäcilienmesse von Charles Gounod.

Die Mitwirkenden sind: Gabriele Weidinger, Sopran – Renate Kaschmieder, Alt – Matthias Kreißelmeier, Tenor und Dariusz Siedlik, Bariton, sowie das Hugo Distler Ensemble und das Ansbacher Kammerorchester unter der Leitung von Kurt Weikert.

Karten für dieses Konzert gibt es bei der Stadt Freystadt unter = (0 91 79) 94 90 12 und an der Abendkasse.  

nn

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