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Musical über Bombenkrieg und Wiederaufbau

Zeitzeugen berichten von Zerstörung Neumarkts 1945 — Ausstellung und Vorträge beleuchten Hintergründe - 16.09.2012 11:00 Uhr

Das Neumarkter Bahnhofsviertel war eines der wichtigsten Ziele der Luftangriffe. Hier starben im Februar 1945 bei der Bombardierung 400 Menschen. An sie soll künftig mit einer Gedenktafel erinnert werden. © privat


Es ist ein bewährtes Team, das in dem Projekt engagiert ist, das sich mit der Zerstörung Neumarkts und den Jahren des Wiederaufbaus beschäftigt: Die Musik stammt von Max Gmelch, Andreas Flierl und Marcel Estermann, geschrieben hat das Bühnenstück Franz Müller und mit Hans Hirn steht der Musical-Truppe auch noch ein engagierter Historiker zur Seite.

Viele Zeitzeugen

Hirn, der zuletzt für sein Werk über das jüdische Leben in Neumarkt mit dem Kulturpreis der Stadt ausgezeichnet worden war, hat bereits mit der Arbeit an einem neuen Buch begonnen, nämlich genau über die Zeit vor und nach der Zerstörung Neumarkts. Wie die Musical-Macher kann er auf ein inzwischen umfassendes Archiv von Zeitzeugen-Gesprächen zurückgreifen, die ihre Sicht der letzten Kriegstage und des Neubeginns schildern.

Das ist auch das Anliegen des „Historicals“: Geschichte buchstäblich erlebbar, ja nachfühlbar zu machen. Es geht weniger um die harten Fakten, sondern um die Empfindungen, die Gefühle der Zeitzeugen, deren Erlebnisse in einzelnen Episoden auf die Reitstadel-Bühne gebracht werden sollen.

Gearbeitet wird wieder in zwei Zeitebenen. Bei einer Geburtstagsfeier schwelgen Opa Adolf und seine Freunde aus der damaligen Flieger-HJ in Erinnerungen, stimmen auch schon mal die Lieder von damals an...

Auch bei seinem Enkel spielt die Musik eine große Rolle. Über die Szene-Bands nähert sich Basti mehr und mehr den Neonazis an, bei denen Opa Adolf fast schon zum Helden wird und zum Kameradschaftsabend eingeladen wird.

Immer wieder wird in Rückblicken die Zeit um 1945 beleuchtet, durch die Akteure berichten die Zeitzeugen auch von der Zerstörung Neumarkts. Das Musical „Adolf“ ist dabei nur ein Teil des groß anlegten Vorhabens, für das Oberbürgermeister Thomas Thumann die Schirmherrschaft übernommen hat. Nicht nur eine umfassende Ausstellung im Foyer des Reitstadels ist geplant, für die viele Schulen schon jetzt wertvolle Vorarbeit leisten, sondern in einer komplexen Vortragsreihe werden die Hintergründe beleuchtet, so Kulturamtsleiterin Gabriele Moritz.

So spricht Ilse Ruth Snopkowski, Präsidentin des Vereins für jüdische Tradition und Kultur in München, über „die Rolle der ,Displaced Persons‘ in Bayern nach dem Ende des 2. Weltkriegs“, Alt-OB Kürt Romstöck wird über den Wiederaufbau in Neumarkt berichten, Dekan Norbert Dennerlein geht der Frage der Rolle der Kirchen in Neumarkt im letzten Kriegsjahr und in der Zeit des Wiederaufbaus nach und Hans Georg Hirn erläutert die Einnahme und Zerstörung der Stadt im Jahr 1945. Auch die aktuelle Neonazi-Szene soll beleuchtet werden.

Gedenken an Opfer

Die Projektgruppe — unter anderem sind auch noch die Erwachsenenbildungseinrichtungen mit im Boot — will aber nicht nur dieses Kapitel der Stadtgeschichte aufarbeiten, sondern damit auch an die Opfer erinnern. So wird bei einer Gedenkveranstaltung am 30. April eine Gedenktafel am Bahnhof für die 400 Menschen angebracht, die dort im Februar 1945 im Splittergraben starben. Domkapitular Norbert Winner und die beiden Dekane Richard Distler und Norbert Dennerlein werden gemeinsam einen Gedenkgottesdienst abhalten. Außerdem wird während des Projekts ein Gedenkstein für die Toten des zweiten Fliegerangriffs am 11. April 1945 im Heiligenholz, dem früheren „Klosterwald“, aufgestellt.

Premiere hat das Stück am 5. April im Reitstadel, Ende September soll mit der Probenarbeit begonnen werden. Wobei sich gerne noch junge Leute melden können, die sich vor oder hinter der Bühne an den geplanten acht Aufführungen beteiligen wollen.

Interessenten können sich bei der Neumarkter Volkshochschule unter (09181) 25950 informieren oder über die Seite www.mut-neumarkt.de Kontakt aufnehmen. Dort hat der Verein „Musical und Theater Neumarkt“ um den Vorsitzenden Alois Dorner auch bereits einiges über „Die ver-führte Generation — Die Generation des Ver-Führers“ eingestellt. Unter anderem gibt es ein Hörbeispiel aus den Zeitzeugengesprächen, wie eine damals Zwölfjährige den Bombenkrieg in Neumarkt erlebt hat. 

JÜRGEN DENNERLOHR

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