Dienstag, 13.11.2018

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Poraver verteilte weißen Staub in Postbauer-Heng

Durch defekten Filter wurde geringe Menge des ungiftigen Blähglas-Granulats ausgeblasen - 03.07.2018 12:29 Uhr

Forschungsleiter Karl Weinberger erläutert den Geschäftsführern David und Andreas Krafft sowie Bürgermeister Horst Kratzer die Funktionsweise der Filtersäcke in der Abluftanlage. © Foto: Günter Distler


Die Fliederstraße liegt etwa 150 Meter entfernt, nur die Schienen und die Lärmschutzmauern trennen sie von dem Werk. Am Donnerstagvormittag bemerkten die Anwohner ein feines weißes Material, das sich flächig als abgesetzt hatte. Nachmittags schwemmte der Regen das meiste fort. "Es war so ähnlich wie Kaolinsand", sagt Bürgerneister Horst Kratzer. Er war am Nachmittag bei einer Anwohnerin, die morgens die Terrasse gefegt hatte, und nahm von dem Kehricht eine Probe mit.

Einen Teil davon schickte er an ein unabhängiges Labor, das Ergebnis stand gestern noch aus. Den anderen Teil erhielt das Unternehmen Dennert Poraver. Dort stand schnell fest. "Das Material stammt zweifelsfrei von uns, es ist Poraver Blähglas-Granulat mit einer Körnung von 0,04 Millimeter", sagt Andreas Krafft, Geschäftsführer Technik, Produktion, Forschung und Entwicklung.

Poraver sieht aus und fühlt sich an wie ganz feiner weißer Sand. "Absolut unbedenklich, man könnte es sogar essen", sagt Krafft. Auch für die Atemwege bestehe keine Gefahr, wenn man das Material einatme. Wohl deshalb hängen am Werksgelände Warnschilder, dass man einen Helm aufsetzen soll und Sicherheitsschuhe tragen. Von einem Atemschutz ist nirgends die Rede.

Inzwischen steht auch fest, wie das Granulat freigesetzt wurde: In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag ist eines der rund 200 Filterelemente in der Abluftanlage defekt gewesen. Dabei handelt es sich um fünf Meter lange Säcke aus Kunststoffnadelfilz. Sie fangen die leichten Körnchen auf, die der Luftstrom mit sich führt. In jeder Stunde werden 35 000 Kubikmeter Luft mit etwa zwei Tonnen Material gefiltert.

"Doch ein kleines Loch etwa an einer Naht genügt, dass die gesamte Luft durch diesen Weg entweicht und Material mitnimmt", sagt Krafft. Der Schaden sei bald entdeckt worden und von der Frühschicht um sechs Uhr behoben worden. Wieviel Granulat ausgetreten ist, lässt Krafft offen. "Es war eine sehr geringe Menge."

Trotzdem bleibt der Vorfall nicht ohne Konsequenzen. "Wir werden die Anlage deutlich enger überwachen, um noch schneller zu reagieren." Kraffts Bruder David, Geschäftsführer für Vertrieb und Marketing, nennt auch einen glasklaren kaufmännischen Grund, weshalb möglichst kein Stäubchen Poraver aus dem Schornstein geblasen werden soll. "Unser Granulat ist ein sehr hochpreisiges Produkt, das wir gut verkaufen möchten."

Poraver beschäftigt in Postbauer-Heng 70 Menschen. Das Werk läuft die ganze Woche rund um die Uhr und hat eine Kapazität von 60 000 Tonnen. 2,9 Millionen Euro investiert Dennert heuer in den Standort.

Neben der Schloserei befindet sich eine Forschungswerkstatt. "Hier können wir alle Prozesse im Maßstab 1:5 probieren", sagt Karl Weinberger, Leiter Forschung und Entwicklung. Derzeit testet man unter anderem den Einsatz von Feststoff-Filtern.

Die haben gegenüber den jetzigen Säcken einen großen Vorteil: Sie werden nicht undicht, es geht also nichts verloren. Doch bisher funktionieren sie nur zuverlässig bei Temperaturen bis zu 70 Grad. Bei Poraver müssen sie aber 170 Grad aushalten. In Zusammenarbeit mit einem Hersteller möchte man dieses Manko in den Griff bekommen.

Das Blähglas-Granulat Poraver ist in Postbauer-Heng erfunden worden. Es besteht in erster Linie aus Luft, die in lose kugelförmige Glaskörner eingeschlossen ist. Hauptsächlich dient es als Zuschlagstoff in Baustoffen wie Mörtel, Putz oder Leichtbeton. Man findet es aber auch in Handwaschpaste, in Filtern für Schwimmteiche, als Bodensubstrat oder als Dekosand.

Bis Anfang der 1980er Jahre stellte die fränkische Baustofffirma Dennert aus Schlüsselfeld aus dem Material einer benachbarten Grube Blähton her. Der Zuschlagstoff Poraver wird aus Altglas gewonnen. Das hat als industriell gefertigter Rohstoff den Vorteil immer in absolut gleicher Qualität vorhanden zu sein.

  

Hauke Höpcke Neumarkter Nachrichten E-Mail

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