Dienstag, 18.12.2018

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Talentschau bei glanzvoller Liedparade

Internationale Meistersinger Akademie präsentierte sich beim „Serenadenabend“ in Galastimmung - 07.08.2012 17:00 Uhr

Wallis Giunta und John Brancy begeisterten das Publikum. © Günter Distler


Oper, Konzert, Lied: Mit ihren spezialisierten Dozenten vermittelte die Akademie schon in den ersten Wochen ein breites Spektrum von Gesangstugenden. Das Eröffnungskonzert: Große Opernstimmen, die Abende mit den Nürnberger Symphonikern in Kongresshallen-Serenadenhof mit standing ovations, kunstverständig das Publikum in Bayreuths Steingraeber-Palais. Wenn es nach Kulturamtschefin Gabriele Moritz geht, dann könnte es nächstes Jahr auch noch einen Auftritt in der Neumarkter LGS-Arena geben mit Musical-Zauber open air.

Rachel Bate intonierte Schumann perfekt.


Jetzt aber erst mal der schwierigste Teil: deutsche, französische, amerikanische Lieder, schön auf nur vier Komponisten konzentriert. „Dieser Abend soll nach innen gehen“, sagte Edith Wiens, die Akademie-Leiterin, zu Beginn. Aber auch manches attraktive Äußere gab es zu bestaunen: am Anfang Wallis Giuntas raffiniert geschnittenen grünen Startschuss der Robenparade. Und sie eröffnete zusammen mit John Brancy und Robert Schumann auch den Reigen der 35 Lieder — mehr ein Versprechen auf diesen Abend als schon dessen Erfüllung.

Genauso wie die Dozenten aus London, New York oder München war man von Anfang bis Ende dieser gut zwei Stunden wieder erstaunt über die Qualität der Stimmen, die aus den etwa hundert Bewerbungen ausgesucht worden waren. Rachel Bate profilierte von einer für sie typischen Auswahl von Schumann und Poulenc, Karen Vuong, die Chinesin aus Amerika, bändigte ihre üppigen vokalen Möglichkeiten geschickt: eine Sängerin unter großer innerer Spannung und mit darstellerischem Talent.

Szymon Komasa aus Polen präsentierte sich zum wiederholten Mal als Vollblut-Theatermann, der seine darstellerischen Gelüste an Francis Poulenc austoben konnte — eine Stimme, die allen Ausdrucksanforderungen gewachsen scheint, ein Stimmjuwel, das einen guten Edelsteinschleifer braucht — wie Ann Murray bei einer Probe mit „Eugen Onegin“. Füllige Stimme und elegante, vornehme Erscheinung ergänzten sich bei Virginie Verrez und ihren Kostproben aus Brahms’ „Zigeunerliedern“: fesselnd, kantabel, auch mit vokalen Ausbrüchen wo nötig und einer erfüllten Darstellung.

Viel Vergnügen gab es beim Dandy der Truppe, dem Tenor James Edgar Knight: viel Gefühl, heldische Töne, große Opernemphase. Das überhaupt war die Beobachtung an den meisten IMA-Studenten: große Opernheldinnen und -helden, sehr um das deutsche Lied bemüht, wunderbare Stimmen. Echte Liedsänger gab es auch, und man freute sich über prächtige Entdeckungen: Den tiefen Alt von Avery Amero zum Beispiel, eine Stimme, wie man sie mit so viel charakteristischer Tiefe heute selten findet. Sie sang Brahms-Lieder mit Sinn fürs Tragische, lässt ihr dunkles Volumen hören, darstellerisch ließe sich noch nachbessern.

Oder das wunderbar strömende Baritonmaterial von John Brancy, der glaubhaft visionäre Minuten bei Schumann über die Rampe bringt, auch wenn das Ganze ein bisschen an Puccini erinnert. Mit sehr gutem Gefühl für das romantische Lied beeindruckten auf jeden Fall die beiden deutschen Teilnehmer Martin Häßler und Benjamin Appl — große Hoffnungen auf eine veritable Liedkarriere.

Wallis Giunta hatte nicht nur das Kleid geschickt gewählt, sondern auch die Auswahl an Liedern von Samuel Barber: Sie zeigt viel schauspielerisches Talent für diese skurrilen Stücke mit ihrem breiten vokalen Spektrum, mit großen Intervallsprüngen und kantablem Legato. Ihr merkt man die Erfahrung auf der Opernbühne an. Genauso wie dem Mann, der mit der kommenden Saison vom Opernstudio ins Ensemble der Bayerischen Staatsoper wechselt und dort schon für etliche gar nicht mal so kleine Rollen eingeplant ist: Tareq Nazmi aus Kuweit und ein Edith-Wiens-Schüler überzeugte voll und ganz mit Schumanns Vertonung von Heinrich Heines „Belsazar“: ein mächtiger Bass mit großem dramatischem Impetus und viel Gefühl fürs Balladeske dieses Stücks, dazu beeindruckender Textverständlichkeit — was will der Mann in Neumarkt noch lernen?!

Gutes Niveau auch bei allen anderen, Medaillen wurden nicht vergeben, sondern den Teamgeist unterstrich stattdessen das gemeinsame Abschiedslied: „Until we meet again...“ — auf jeden Fall bei der jetzt schon ausverkauften Abschlussgala am 17. August. 

UWE MITSCHING

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