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Weltschmerz-Jodler mit einem Schuss Humor

Der Bairisch Diatonische Jodelwahnsinn stürzte sein begeistertes Publikum in ein Wechselbad der Gefühle - 02.10.2017 16:28 Uhr

Jodeln mit tieferer Bedeutung: Otto Göttler und seine Mitspieler Petra Amasreiter und Wolfgang Neumann sangen mal zärtlich anschmiegsam und dann wieder anarchisch wütend ihren Protest in die Welt hinaus. © Foto: Helmut Sturm


"Jodeln wird einfach vielfach falsch bewertet", waren sich Otto Göttler, der letzte noch agierende Gründer des Trios und seine Mitspieler Petra Amasreiter und Wolfgang Neumann sicher. "Es stammt auch nicht von den Almen zur Verständigung oder als Liebesgebalze, vielmehr handele es sich um den Schmerzensruf eines Oberammergauer Zimmerers, der mit seinem Hammer statt den Nagel seinen Daumen getroffen hat."

Das Jodeln der drei Vollblutmusiker hat eine viel tiefere Bedeutung. Es ist der Ausdruck von Empörung, den sie unbedingt hinaussingen müssen. "Keinesfalls möchten wir mit unseren Liedern von oben herab belehren. Aber nachdenklich machen schon."

Jenseits der Sprachgrenze

Dank Ottos Navi hatten sie Pyrbaum gut gefunden und sinnierten auf der Bühne darüber, ob sie sich jetzt diesseits oder jenseits der Sprachgrenze aufhielten. Dann drehten sie auf, mit Violine, Acoustic- & Electric Guitars, Tuba, diatonischer Ziach oder der irischen Blechflöte, der Tin Whistle und verteilten Plastiktüten ans Publikum in den ersten Reihen. Sie sollten sich mit "perkussiven Rascheln" an der Musik beteiligen. Zufrieden war Otto Göttler mit der Leistung der Raschler nicht. "A jeder spuit, was er will."

Dann zeigten die drei Vollblutmusiker, was sie drauf hatten, wechselten ihr Instrumentarium durch und sangen mal zärtlich anschmiegsam und dann wieder anarchisch wütend ihren Protest in die Welt hinaus. Weltschmerz verpackt mit einem guten Schuss Humor.

Zwei Stunden spielten und sangen sie, verschmolzen teils mit ihren Instrumenten. Mit Titeln wie Plastiktüten, Unta da Bruckn, Brauna Baaz und Guat integriert, griffen sie brandaktuelle Themen auf. Leicht melancholisch wurden sie mit ihren Giesinger Geschichten. "Der Otto hat da mal gewohnt, aber scheener is es da a net worn".

Wo gehen die Münchner hin, wenn es herbstelt? Sie kraxeln ins Gebirge, zur Sennerin. Die fährt vorher mit ihrem SUV ins Tal und holt die "frische Bergbauernmilch" vom Supermarkt, um sie dann frisch durchgeschüttelt dem Städter als von glücklichen Kühen gemolken anzudrehen. Cow-Watch 5.0 heißt man das dann.

Im String-Tango Rhythmus

Ziemlich derb wurde der Text mit der "Broadarscherten" im String-Tango Rhythmus und Arschgeweih. "Kennst du das Land, wo die Orangenhaut blüht?" Dann sangen sie wieder einschmeichelnd "Rumba-Ramba-zamba", ein Liebeslied.

Mehr als zwei Stunden zeigte das Trio absolute Bühnenpräsenz, von melancholisch bis anarchisch. Die Musiker streichelten ihre Instrumente förmlich, um sie kurz darauf wieder zu traktieren.

Keiner der Texte war von irgendeiner Belanglosigkeit, aber immer mit Humor und einer gewissen "Hinterkünftigkeit" gespickt. 

HELMUT STURM

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