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10. September 1968: Alle guten Ideen in einem Topf

Erste Aussprache über die Pläne für die "Eingangspforte zur Altstadt" - 10.09.2018 07:07 Uhr

Die "Eingangspforte zur Altstadt" von morgen? Manches deutet darauf hin, daß der Plan der Architekten Dittrich und Kappler – hier eine Modellaufnahme – für die Ringpartie zwischen Königstor und Katharinengasse in die Tat umgesetzt wird. Allerdings soll auch an diesem Entwurf erst noch gefeilt werden; die Stadtväter möchten mehr von der alten Mauer erhalten sehen. © Ulrich


Bürgermeister Franz Haas und CSU-Fraktionsvorsitzender Dr. Oscar Schneider mahnten vor dem Bauausschuß des Stadtrats eindringlich davor, eine einmalige Chance zu verspielen, denn aus einer Vielzahl von Interessenten habe nur die Kammer bis zur letzten Konsequenz ihren Bauwillen bezeugt. "Wir müssen dankbar sein, daß jemand mit seinem Kapital für ein großes Werk einstehen will", betonte der Bürgermeister; der Oppositionsführer fügte hinzu: "Ich halte es für ein Glück, daß wir einen solchen Bauträger haben", zumal er ja auch seine Millionen in der Olympiastadt München hätte anlegen können.

Der Bauauschuß entschied gestern noch nicht, wie mit den Plänen für die Ringpartie weiter verfahren werden soll, weil sich der Stadtrat am Mittwoch, 18. September, noch eingehend mit diesem Problem befassen und die "Marschrichtung" festlegen wird. Vieles deutet jedoch darauf hin, daß bei den gewerblichen Bauten zwischen Königstor und Katharinengasse ein, wenn auch überarbeiteter Entwurf des Nürnberger Architekten-Gespanns Dittrich/Kappler zum Zug kommt, während das Kunst- und Bildungszentrum auf dem Gewerbemuseumsplatz von einer Architektengruppe geplant werden soll.

Baureferent Heinz Schmeißner wog die preisgekrönten Arbeiten gegeneinander ab. © Ulrich


Die bohrenden Fragen der FDP-Fraktion, vorgetragen von ihrem Sprecher Werner Lippert, ob denn der Versicherungskammer die Grundstücke für die beabsichtigten Geschäfts- und Wohnbauten nicht zu billig überlassen würden, veranlaßten den Bürgermeister, die SPD und die CSU im Lob auf den künftigen Bauherrn zusammenzustehen. "Viele haben wegen des Künstlerhaus-Grundstückes angefragt, aber dann nichts mehr von sich hören lassen", sagte Franz Haas, der nur in der Versicherungskammer eine Gewähr dafür erblickt, daß die letzte augenfällige Lücke im Nürnberger Wiederaufbau bis zum Dürerjahr 1971 geschlossen wird. Dr. Schneider verwies auf mehrere fehlgeschlagene Versuche, potente Bauträger für diesen Bereich zu finden.

"Als ich erfahren habe, daß die Bayerische Ver-sicherungskammer in dieses Projekt einsteigen will, war ich sehr glücklich!" SPD und CSU betonten, daß der Grundstücksverkauf sowohl vom Obersten Bayerischen Rechnungshof als auch vom Rechnungsprüfamt der Stadt unter die Lupe genommen werde.

Der CSU-Fraktionschef befaßte sich auch eingehend mit der Frage, weshalb nicht schon früher ein Wettbewerb für diese städtebaulich bedeutsame Ecke ausgeschrieben worden sei. Er hob hervor, daß er gerne in der Vergangenheit einen entsprechenden Antrag gestellt hätte, davor aber zurückgeschreckt sei, weil ihm sicherlich entgegengehalten worden wäre, wie ein solches Vorhaben zu finanzieren sei. „Bei der angespannten Finanzlage der Stadt hätte ich keinen Vorschlag machen können“, erklärte Dr. Schneider, daher sei es um so erfreulicher, daß sich die Bayerische Versicherungskammer in Nürnberg mit einer Summe von schätzungsweise 70 bis 80 Millionen Mark engagieren will.

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Baureferent Heinz Schmeißner wog vor dem Ausschuß noch einmal die preisgekrönten Arbeiten und den Entwurf der Architekten Dittrich und Kappler gegeneinander ab. Als Vorzug am ersten Preis strich er heraus, daß die Fußgänger hier auf der Ebene des ersten Untergeschosses vom Königstor bis zur Katharinengasse an basarähnlichen Läden vorbeigeführt werden; weniger gefiel ihm daran die geringe Höhen der geplanten Bauten zu beiden Seiten des Marientores.

Am zweiten Preis hielt Schmeißner für lobenswert, daß die Stadtmauer und die Marientor-Bastei nur wenig angegriffen, dafür aber wertvolle Hinweise für den Übergang von der Stadtmauer zum Kunst- und Bildungszentrum aufgezeigt sind. Der Vorschlag der dritten Preisträger habe die beste Lösung für hochgeführte Baukörper gebracht.

Als wirkungsvoll bezeichnete der Baureferent die Idee Dittrich und Kappler, einen Zentral-Omnibus-Bahnhof unter dem Königstor anzulegen, weil damit ein großer Verkehrsknoten mit Verbindung zu den Zügen, der Bundesbahn und späteren U-Bahn sowei der Straßenbahn geschaffen wird. Es sei jedoch zu überprüfen, ob die stark belastete Kreuzung Lorenzer-/Marienstraße und Ring noch mehr Verkehr verkraften könne. Weniger gefiel Schmeißner an der Planung außer Konkurrenz, daß wertvolle Stücke der Marientor-Bastei durch neue Bauten zu stark an Wirkung verlieren dürften.

Worten sollen Taten folgen

Nach heißen Diskussionen hofft der Oberbürgermeister auf einen baldigen Baubeginn an der Ringpartie zwischen Königstor und „Norishalle“. Dr. Andreas Urschlechter bat den Bauausschuß des Stadtrats inständig, ohne Parteienhader bald ein Vorprojekt für diese wichtige Stelle an der "Eingangspforte zur Altstadt" ausarbeiten zu lassen. Er versicherte, daß bei einer gründlichen Prüfung eines solchen Werkes alle ausschlaggebenden Stellen und Organisationen gehört und die Bürgerwünsche berücksichtigt werden sollen. Dem Ergebnis des Wettbewerbs sei eine entscheidende Rolle bei diesem Vorprojekt zugedacht.

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Das Stadtoberhaupt äußerte den Wunsch, daß in der Frage des Kunst- und Bildungszentrums eine Architektengruppe mit der Planung betraut wird. Als Grundvoraussetzungen für die künftigen Bauten am Ring bezeichnete es Dr. Urschlechter, daß die historisch wertvollen Teile der Stadtmauer auf den Grundstücken erhalten und die Ergebnisse des Wettbewerbs zugrundegelegt werden.

Er betonte, daß er für die Diskussionsbeiträge aus der Bevölkerung, besonders von Verbänden und Organisationen, sehr dankbar sei, zumal er selbst eine solche Meinungsbildung schon vor Jahren angeregt habe. Die Nürnberger Nachrichten hatten seinerzeit eine Umfrage unter dem Motto „Galerie oder Parkhaus“ veranstaltet und ein starkes Echo gefunden. "Es ist eine Selbstverständlichkeit, daß wir die Beiträge aus der Bevölkerung mit heranziehen", erklärte der Oberbürgermeister. 

NN

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