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Abriss historischer Häuser: Verliert Zabo seine Identität?

Stadtrat sieht Handlungsbedarf - doch die Zukunft ist ungewiss - 16.04.2017 07:44 Uhr

Ein Anblick, der viele Menschen in Zabo traurig macht: Diese Reihenhauszeile der Heimgartensiedlung muss einem Neubau weichen. Bei einer Befragung des Vorstadtvereins haben zwei Drittel der Teilnehmer den Abriss kritisiert. © Sabine Ebinger


Langsam, Stück für Stück, wird die alte Reihenhauszeile an der Waldluststraße mit den Hausnummern 111 bis 121 abgetragen. Das Wohnungsunternehmen Nürnberg-Ost plant dort einen Neubau, eine Sanierung der Häuser sei finanziell nicht machbar gewesen. Doch viele Anwohner sind gegen die Pläne. Das ist das Ergebnis einer Online-Umfrage, die der Vorstadtverein Zabo kurzfristig durchgeführt hat. 680 Menschen haben bei der zwei Wochen dauernden Befragung abgestimmt. Gut zwei Drittel haben den Abriss kritisiert. Daniel Gencev, der Vorsitzende des Vorstadtvereins, sagt: "Das zeigt deutlich, wie sehr sich die Menschen mit dieser Siedlung identifizieren."

Die Wohnungsgenossenschaft hat angekündigt, dass weitere Häuser abgerissen werden könnten. Auf einer freien Fläche im Norden der Siedlung sind nämlich Neubauten geplant: Für die Erschließung des Grundstücks müssten eventuell weitere Reihenhauszeilen weichen. Der Vorstadtverein ist in Sorge, dass die Siedlung im Laufe der Zeit auf diese Weise immer mehr verkleinert wird. Daniel Gencev: "Die Häuser sind typisch für den Siedlungsbau in den 1920er Jahren. Sie geben Zabo wie auch der ganzen Stadt ein eigenes Gesicht."

Keine Diskussion im Stadtrat

Die Heimgartensiedlung steht nicht unter Ensemble- oder Denkmalschutz: Die Stadt hat also keine Handhabe, wenn die Wohnungsgenossenschaft dort Häuser dem Erdboden gleichmacht. Deshalb fordert der Vorstadtverein nun den Erlass einer Erhaltungssatzung: Damit muss jeder Abriss von der Stadt genehmigt werden. Im Stadtplanungsausschuss Ende Februar sollte genau darüber diskutiert werden - doch das Thema wurde "ohne Diskussion und Erläuterung" von der Tagesordnung genommen, kritisiert Stadtrat Stephan Grosse-Grollmannn von der Wählergemeinschaft "Die Guten": "Das war unklug." Er hat mittlerweile eine Wiederaufnahme in der nächsten Stadtratssitzung am 26. April und eine Diskussion des Themas beantragt.

Wie sehr der Abriss die Menschen bewegt, zeigen die vielen Anmerkungen der Online-Befragung des Vorstadtvereins. Die meisten kritisieren den Abriss. So heißt es: "Wehret den Anfängen. Wir wissen nicht, was noch kommen wird." Ein weiterer Beitrag: "Neubauten ohne Charme und Charakter gibt es schon genug. Zabo soll nicht wie ein x-beliebiger Stadtteil aussehen." Ein Teilnehmer, der sich offensichtlich in der Heimgartensiedlung auskennt, schreibt: "Man zerstört damit eine in Jahrzehnten gewachsene Nachbarschaft, die gegenseitige Hilfe und Unterstützung gewährleistet." Ein weiterer Beitrag: "Die Siedlungshäuser sind ein prägendes bauliches Zeugnis und Teil eines zusammengehörigen Ensembles.

Würden sie abgerissen, würde dieser Zusammenhang zerstört und Zabo verlöre einen Teil seiner Identität." 

Sabine Ebinger

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