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Bärenschanze: Doch Tiefgarage statt Parkhaus?

Freistaat Bayern überdenkt seinen Entschluss - Bauvoranfrage zurückgezogen - 20.12.2014 05:58 Uhr

Die Bärenschanzstraße 8c sollte einem Parkhaus weichen. Nun werden die Planungen zurückgesetzt, auch weil die Bewohner der ehemaligen Reithalle (links neben 8c) Bedenken anmeldeten.

Die Bärenschanzstraße 8c sollte einem Parkhaus weichen. Nun werden die Planungen zurückgesetzt, auch weil die Bewohner der ehemaligen Reithalle (links neben 8c) Bedenken anmeldeten. © Foto: Google Maps, Quelle: deutsches-architektur-forum.de


Das heißt zwar nicht, dass das umstrittene Gebäude ganz vom Tisch ist; aber immerhin denkt das Staatliche Bauamt über Alternativen nach – auch über den Bau einer Tiefgarage.

Anfang November titelte die Nürnberger Zeitung: „Staatsregierung setzt Parkhaus durch“. Doch nun hat sich das Blatt noch einmal gewendet. „Wir haben alles auf null gestellt“, sagt Klaus Gerstendorff, der Leiter des Staatlichen Bauamts Nürnberg. Im Sommer kam es zu einem „fliegenden Wechsel“, bei dem die Nürnberger Behörde das Vorhaben von ihren Erlanger Kollegen übernahm, weil diese überlastet seien. Nun liegen die Pläne für die Gebäude des ZBFS (Zentrum Bayern Familie und Soziales) bei Klaus Gerstendorff auf dem Tisch. „Ich bin da ganz unvoreingenommen“, sagt er. Klar sei aber schon jetzt: So, wie das Parkhaus angedacht war, lässt es sich nicht realisieren.

Die Bauvoranfrage sei dennoch „richtig und wichtig“ gewesen. „Es gibt da ein Missverständnis in der Bevölkerung. Es handelte sich bei den Parkhaus-Plänen nur um Skizzen.“ Die Bauvoranfrage diene dem Zweck, die Verhältnisse vor Ort zu prüfen und herauszufinden, was realisierbar ist. „Wir haben als Reaktion darauf viel wertvollen Input bekommen.“

Unter anderem kamen „konstruktive Hinweise“ aus der Nachbarschaft: Die Bewohner der ehemaligen Reithalle direkt nebenan hatten Bedenken wegen des Lärms durch ein- und ausfahrende Autos. Das Parkhaus sei zudem zu hoch geplant gewesen. Doch die Anwohner sind nicht die Einzigen, die mit den Plänen der Staatsregierung hadern: Die Stadtverwaltung lehnt ein Parkhaus ebenso ab wie der Baukunstbeirat, die Stadtbild-Initiative und andere Vereine.

Tiefgarage empfohlen

Schon vor einem Jahr hatte der Baukunstbeirat der Staatsregierung empfohlen, eine Tiefgarage anstelle eines Parkhauses zu bauen. Auch für den Erhalt der Bärenschanzstraße 8a, einem historisch bedeutsamen alten Kasernengebäude, setzten sich die Experten ein. Die Staatsregierung entschied sich schließlich tatsächlich gegen den Abriss der 8a.

Doch das Staatliche Bauamt schmetterte die Tiefgarage aus Kostengründen ab: Sie sei wesentlich teurer als ein Parkhaus, sowohl was den Bau als auch den Unterhalt betrifft. Das hatten auch die bayerische Sozialministerin Emilia Müller und Innenminister Joachim Herrmann (beide CSU) bekräftigt. „Im Moment sind die Direktiven aus den Staatsministerien so, dass wir keine Tiefgarage bauen könnten“, sagt Gerstendorff.

Doch womöglich arbeitet die Zeit für die Parkhaus-Gegner: Der Bau von Parkhaus oder Tiefgarage steht erst in vier Jahren an. „Bis dahin kann sich noch viel tun.“ Eine kreative Pause tue allen Beteiligten gut. „Da muss mal ein bisschen Luft reinkommen.“ Es sei falsch, nun „unnötig Druck aufzubauen“. Dadurch erzeuge man nur Gegendruck. Er sei dankbar für jegliche Anregungen: „Ich möchte mich ganz unaufgeregt mit allen Fachgremien austauschen und dann die bestmögliche Lösung finden. Ich bin zuversichtlich.“ In etwa zwei Jahren sollen die Planungen stehen.

"Das ist sehr kompliziert"

Nürnbergs Baureferent Daniel Ulrich freut sich über den Sinneswandel. Die Tatsache, dass das Vorhaben nun vom Staatlichen Bauamt in Nürnberg bearbeitet wird, wertet er positiv. „Das Projekt wird zwar aus München gesteuert, aber ich habe die Hoffnung, dass nun frischer Wind in die Debatte kommt.“ Wenn der Freistaat tatsächlich eine Tiefgarage baut, wäre obendrauf noch Platz für Wohnungen. „Nur, weil die Stadt Nürnberg dem Bau eines Parkhauses zähneknirschend zugestimmt hat, heißt das nicht, dass wir das für eine gute Idee halten“, betont Ulrich.

Auf den Vorschlag, ein Wohngebäude an die Stelle der 8c zu bauen, reagiert Klaus Gerstendorff zurückhaltend: „Das ist sehr kompliziert, nachdem ja Grundstück und Gebäude dem Freistaat gehören.“ Ausschließen will er aber zum derzeitigen Zeitpunkt nichts. „Wir wollen aber in erster Linie eine gute Lösung für die Menschen hier vor Ort finden: für die Mitarbeiter des ZBFS, die hier arbeiten, und für die Nachbarn.“ Es ist also alles offen – aber für die Parkhaus-Gegner besteht Grund zur Hoffnung. 

Stephanie Siebert (Nürnberger Zeitung)

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