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Beim Kampf um Hortplätze fließen Tränen

Anmeldung bei städtischen Kindertagesstätten am 25. und 27. Januar - 23.01.2014 05:59 Uhr

 Manche Eltern sind in heller Panik, dass sie keinen Kindergartenplatz für ihre Kinder finden.

Manche Eltern sind in heller Panik, dass sie keinen Kindergartenplatz für ihre Kinder finden. © Horst Linke


18 freie Plätze, 45 Anmeldungen: Das waren im Hort Urbanstraße in Zerzabelshof im vergangenen Jahr die Zahlen. Und die Leiterin des Hauses für Kinder, Angela Kühnlein, hat wenig Hoffnung, dass es heuer viel besser sein wird. Schon jetzt klingelt regelmäßig das Telefon, fragen Eltern nach, wie ihre Chancen sind. „Dabei kann ich derzeit überhaupt noch nichts sagen.“ Doch die Not sei groß.

"Es fließen viele Tränen“, so die 46-Jährige. Nicht einmal Geschwisterkindern könne sie sicher einen Platz versprechen. Chancen haben vor allem Kinder von berufstätigen Alleinerziehenden und solche, bei denen eine Betreuung aus sozialen Gründen geboten ist. Die Vergabe der Plätze richtet sich nach einem in einer Satzung geregelten Kriterienkatalog und einem damit verbundenen Punktesystem. Die Betreuerinnen können also niemanden bevorzugen.

Trotzdem fragen verzweifelte Eltern immer wieder nach, ob sie bessere Chancen haben, wenn sie die Ersten bei der Anmeldung sind. Doch das, so versichert Kühnlein, spiele nun wirklich keine Rolle.

Eltern in Panik

Ihre Kollegin Nicole de Boer, die den Hort in der Neuen Hegelstraße leitet, muss ähnliche Fragen beantworten. Auch sie rechnet damit, dass die vorhandenen Plätze nicht reichen werden. 70 Anmeldungen für 26 Plätze, das war ihre Bilanz im vergangenen Jahr. „Manche Eltern sind in heller Panik.“

Dabei ist die Situation aus ihrer Sicht nicht mehr so dramatisch wie noch vor einigen Jahren, weil viele neue Angebote dazugekommen sind. Die Zahl der Plätze hat sich allein in ihrem Haus mehr als verdoppelt, 130 Schulkinder können dort jetzt betreut werden. Und Eltern, die eine Absage bekommen, kann Nicole de Boer immerhin als Alternative den Zentralhort in der Veilhofstraße anbieten. 16 Kinder steigen derzeit täglich in den Bus, der sie in das Haus am Sebastianspital bringt, von Zabo aus reisen elf Kinder per Taxi an. „Das klappt reibungslos“, sagt Kühnlein.

Georg Reif vom Jugendamt wünscht sich, dass Eltern sich nicht entmutigen lassen, falls ihnen im Februar eine Absage ins Haus flattert. Es gebe dann immer noch viele Möglichkeiten. „Der 27.Januar ist längst nicht die letzte Chance.“ Der Prozess der Platzvergabe ziehe sich bis in den Sommer hinein, wenn die Mittagsbetreuung ihre Plätze verteilt.

Schritt für Schritt versuche die Behörde, die Situation zu verbessern. Bis 2020 soll es für jedes zweite Schulkind einen Hortplatz geben, derzeit liegt die Quote bei 38,7 Prozent. 2200 Plätze fehlen demnach also noch. Doch die Hälfte davon, so der zuständige Abteilungsleiter Christian Rester, sei bereits konkret in der Planung.

2013 gab es 1400 Absagen

In enger Abstimmung mit dem Amt für Statistik und dem Stadtplanungsamt versucht das Jugendamt, möglichst genau den Bedarf für die kommenden Jahre zu ermitteln. Wo wird gebaut? Entstehen Einfamilienhäuser oder Geschosswohnungen? Wie entwickelt sich die Bevölkerungszahl, wie die Zahl der Schüler? Jede Menge Daten fließen in die entsprechenden Prognosen ein — und trotzdem werden die Planer immer wieder von der Realität eingeholt. So war etwa im vergangenen Jahr laut Reif der Zuzug junger Familien aus dem Umland höher als erwartet, außerdem kamen etliche EU-Ausländer neu in die Stadt.

Geplant werde außerdem in enger Absprache mit dem Schulreferat, so Reif. Dennoch wird die Stadt wohl auch in diesem Jahr viele Eltern zunächst enttäuschen müssen — 1400 Absagen waren es 2013. Der stellvertretende Amtsleiter denkt deshalb auch über weitere Zentralhorte nach. Drei Einrichtungen mit insgesamt 230 Plätzen gibt es bereits, in Eibach und im Norden könnten weitere hinzukommen.

Mittlerweile interessieren sich schon andere Kommunen für das Konzept, bei dem Kinder mehrerer Schulen zentral betreut werden. Denn in der Nähe der Schulen fehlt oft schlicht und einfach der Platz für Horte. Und auch wenn das Angebot vielleicht nicht perfekt ist: Die zweitbeste Lösung sind die Zentralhorte in Reifs Augen allemal. 

SILKE ROENNEFAHRT

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