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CSU will Quelle-Gebäude abreißen lassen

Sanierung des Komplexes kostet mehrere Millionen Euro - 18.12.2012 15:00 Uhr

Der Union steht das ehemalige Quelle-Haus an der Fürther Straße im Weg: Führende CSU-Politiker sprechen sich für einen Abriss aus, um Teile der technischen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg hierher verlagern zu können. © Sippel


Darauf haben sich die Unionsvertreter des Bezirksvorstandes und der Stadtratsfraktion auf ihrer gemeinsamen Sitzung verständigt. Klar ist: In einem ersten Gespräch mit der Universität Erlangen-Nürnberg hatten sich Mitglieder des bayerischen Kabinetts geeinigt, einen großen Anteil der technischen Fakultät im Stadtwesten ansiedeln zu wollen. Laut Finanzminister Markus Söder soll hier in Zusammenarbeit mit Unternehmen der technischen Branche ein sogenannter Hightech-Campus entstehen. Der Bezirksvorsitzende der CSU schwärmt von einer Technologie-Meile im Westen, zu der er außerdem den Energie-Campus auf dem ehemaligen AEG-Gelände und die Fürther Uferstadt an der Stadtgrenze zählt.

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Was von Quelle übrig blieb

Im Oktober 2009 kündigte der Insolvenzverwalter von Quelle die Abwicklung des Versandhauses an. Zurück blieben leere Kaufhäuser, riesige Versandzentralen und verlassene Büros. Der Fotograf Stefan Koch hat für sein Projekt "Meine Quelle-Geschichte" die brachliegenden Gebäude und die ehemaligen Mitarbeiter fotografiert.




Dass dafür aber das ehemalige Versandhaus der Quelle mit seinen Gebäudeteilen im Weg steht, daraus machen Söder und der CSU-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, Sebastian Brehm, keinen Hehl. „Seit eineinhalb Jahren gibt es einen B-Plan für das Areal — bisher ist nichts weitergegangen“, sagt Brehm. Für eine Sanierung müsse man sehr tief in die Tasche greifen. Mehrere Millionen Euro soll sie kosten. Söder: „Das lässt sich wirtschaftlich nicht darstellen.“ Deshalb muss die Stadt einen Abriss in Erwägung ziehen, sollen auf dem Gelände Unternehmen sowie Teile der Uni angesiedelt werden und überdies bezahlbarer Wohnraum entstehen.

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Die Geschichte des Quelle-Imperiums

Wo einst noch Tausende Menschen arbeiteten, ragt der Quelle-Turm in der Fürther Straße wie ein Mahnmal in die Höhe. Am 19. Oktober 2009 meldete die Quelle Insolvenz an. Wir blicken auf die Geschichte des Quelle-Imperiums zurück.


Jedoch spielt in Brehms und Söders Ausführungen der Denkmalschutz, der für das Gebäude aus den Wirtschaftswunder-Jahren gilt, eine untergeordnete Rolle. Den Komplex an der Fürther Straße entwarf und baute Architekt Ernst Neufert, der Freistaat setzte ihn 2006 auf die Denkmalliste. Derzeit ist der 250.000 Quadratmeter große Komplex lediglich in Teilen vermietet. Brehm: „Wir müssen über den Denkmalschutz reden.“ Er könne sich vorstellen, den Quelle-Turm zu verschonen und als Wahrzeichen stehen zu lassen.

Eine Absage erteilt der Finanzminister Ideen, auf dem Gelände Teile der Nürnberger Messe oder gar den vorgesehenen Konzertsaal unterzubringen: Das Konferenzzentrum der Messe ist für den Flughafen vorgesehen, um diesen zu stärken. Den Konzertsaal kann er sich hier ebenfalls nicht vorstellen.

„Der braucht einen ganz eigenen Charakter.“ In einer Umgebung mit gemischter Nutzung wie Gewerbe, Einzelhandel und Büros passe diese Einrichtung nicht. Er sieht im Zusammenspiel mit anderen Kulturteilen wie der Meistersingerhalle und dem Doku-Zentrum die Zukunft für so ein Projekt im Osten der Stadt. Der Westen soll der Wissenschaft und der Technik vorbehalten sein. 

ALEXANDER BROCK

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