30°

Dienstag, 18.09.2018

|

zum Thema

Diskussion in Erler-Klinik: Großes Interesse am NZ-Klinikcheck

Mehr als 100 Besucher kamen - 14 Leistungsbereiche unter der Lupe - 21.07.2018 11:01 Uhr

Die Ärzte Dr. Ambrosius Müller (2.v.l.) und Dr. Jens Anders (Mitte) aus der Orthopädie der Erler-Klinik sprachen mit Redakteurin Stephanie Rupp, Dr. Martin Emmert vom Lehrstuhl für Gesundheitsmanagement der Uni Erlangen-Nürnberg und Chefredakteur Stephan Sohr (r.) über den Klinikcheck der NZ. © Stefan Hippel


"Unser Ziel ist es, die Gesundheitsversorgung in der Region zu verbessern und Qualitätskriterien transparent zu machen", sagt Martin Emmert vom Lehrstuhl für Gesundheitsmanagement an der Universität Erlangen-Nürnberg, der die Idee des Klinikchecks an die Nürnberger Zeitung herangetragen hat. "So kommen gesicherte Daten verständlich aufbereitet an ein breites Publikum.“

In 17 Folgen berichtet die Nürnberger Zeitung seit Mai und noch bis September immer samstags über die häufigsten Operationen in Deutschland und welche Klinik in der Region dafür am besten geeignet sind. Die NZ arbeitet dafür mit dem Lehrstuhl für Gesundheitsmanagement zusammen. Emmert und sein Team werten dafür unter anderem Qualitätskriterien aus, Patientenbefragungen und Daten der Krankenkassen.

"Wir sind froh, dass die Patienten so unabhängige, seriöse Informationen bekommen, das ist gerade heutzutage sehr, sehr wichtig“, sagt Jens Anders, Chefarzt der Orthopädie an der Erler-Klinik am Kontumazgarten in Nürnberg. "Vor zwei Jahren waren wir im Ranking der Knie-OPs nicht an erster Stelle, daraus haben wir unsere Lehren gezogen."

"Anders und sein Kollege Ambrosius Müller, Leitender Arzt in der Orthopädie und Experte für Hüftprothesen, standen den Interessenten Rede und Antwort, die am Mittwochabend zur Podiumsdiskussion gekommen sind. Die Erler-Klinik landete beim diesjährigen Klinikcheck bei Knie- und Hüft-OPs auf Platz eins. "Das liegt an unseren klar regulierten Ablaufplänen, an der Menge der Eingriffe, der Qualität und den geringen Komplikationen", sagt Anders. "Bei uns ziehen Ärzte, Schmerztherapeuten, Pflegepersonal und Krankengymnasten alle an einem Strang."

Mehr als 100 Leute kamen zur Pdoiumsdiskussion in der Erler-Klinik. © Stefan Hippel


In alle Kliniken der ersten Kategorie würde Martin Emmert jederzeit selbst vertrauensvoll gehen. Bei den hinteren Plätzen jedoch eher zögern. Sein ebenfalls angekündigter Kollege Oliver Schöffski, Professor für Gesundheitsmanagement in Nürnberg, verpasste den Abend leider wegen einer Blinddarmoperation. „Er war nicht in der bestplatzierten Klinik und lebt immer noch“, scherzte Emmert. Doch auch die Schwächen der Rangliste verschweigt er nicht: „Bislang werden erst bei 20 Prozent aller Operationsarten ausreichend Daten erhoben, die wir auswerten können“, erklärt Emmert. Zu Rücken-OPs oder Grauem Star gebe es etwa noch keine gängigen Messverfahren. Auch wie es den Patienten ein Jahr nach der Operation geht, fließt bislang nicht in die Auswertung mit ein.

Zwei von zehn Betroffenen werden nach Hause geschickt

Den oft gehörten Vorwurf, in Deutschland werde zu oft und zu schnell operiert, können die Ärzte nicht nachvollziehen. "Die Patienten gehen zuerst zu einem niedergelassenen Orthopäden, wir sind dann die zweite Instanz, die das prüft", sagt Chefarzt Anders. Nach der Sprechstunde würden sie zwei von zehn Betroffenen wieder nach Hause schicken und Krankengymnastik empfehlen statt eine OP. „Natürlich darf nicht unnötig operiert werden, aber wir operieren nicht zu oft in Deutschland“, sagt Müller. „Wenn Sie wegen zu starker Schmerzen nicht mehr aus dem Haus gehen und sich nicht mehr mit Freunden oder der Familie treffen, dann ist es definitiv Zeit für ein neues Gelenk.“ Wäre er selbst Patient, würde er den Arzt bitten, ihn so zu operieren, wie der auch seine Schwester oder Mutter operieren würde.

Bilderstrecke zum Thema

Vom Hüftgelenk bis zum Herzschrittmacher - Info-Grafiken zur Serie

Hier finden Sie die Infografiken aller im NZ-Klinikcheck bereits erschienenen Krankheitsbilder.


In der anschließenden Fragerunde beschäftigt die Besucher vor allem, wie lange es nach einer OP dauert, bis sie wieder fit sind. "Manche nach zwölf Wochen, andere erst nach einem Jahr", gibt Anders zu bedenken. Je nach Zustand der Muskulatur. Müller empfiehlt jedem eine Reha, wenigstens ambulant. Am besten erst zwei Wochen nach der OP, dann ist die Wundheilung ausreichend abgeschlossen. "Haben Sie Geduld." Die brauchen Patienten auch beim Warten auf einen OP-Termin. Wenn der Eingriff nicht dringend nötig ist, dauert das etwa drei Monate. "Wir sind gut ausgelastet, aber Sie würden ja auch nicht gerne zum Essen in ein leeres Restaurant gehen."

Diese Kliniken wurden gerankt

Auf dieser Karte finden Sie die 43 Krankenhäuser, die für den NZ-Klinikcheck wissenschaftlich ausgewertet wurden. Insgesamt 14 Leistungsbereiche wurden unter die Lupe genommen. 

Christina Merkel Nürnberger Zeitung E-Mail

1

1 Kommentar

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Nürnberg