Mittwoch, 12.12.2018

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Ein bisschen Trash muss sein!

Der 21-jährige Design-Student Davide Grisolia führt bei „Macho Man 2“ Regie - 08.05.2015 19:33 Uhr

Manche nennen ihn den besten schlechtesten Film aller Zeiten: Szene aus „Macho Man“ mit Peter Althof (links) und René Weller im neckischen Ballonseidenen. © Foto: Archiv


Herr Grisolia, als „Macho Man“ gedreht wurde, waren Sie noch nicht auf der Welt – wie kamen Sie dazu, die Regie bei der Fortsetzung zu übernehmen?

Davide Grisolia: Ich kenne Peter Althof seit meiner Kindheit! Er war Stammgast in einem Restaurant, das meine ersten – noch sehr, sehr trashigen – Jugendfilme gesponsert hat. Mit 13 hab ich dann den ersten Werbespot für seine Kampfsportschule gedreht. Inzwischen studiere ich Design an der Ohm-Hochschule und habe auch schon in eigener Regie zwei Boxerfilme gedreht, die Peter sehr gefallen haben. Und als jetzt „Macho Man 2“ immer wahrscheinlicher wurde, hat er tatsächlich zuerst mich gefragt! Das rechne ich ihm unglaublich hoch an. Es gäbe sicher viele Werbestudios, die diesen Film umsonst gemacht hätten – aber Peter ist eben ein loyaler Kerl. Dafür bekommt er von mir und meinem Team auch 200 Prozent Hingabe an das Projekt!

 

Wie darf man sich die Zusammenarbeit zwischen Ihnen vorstellen?

Grisolia: Peter Althof ist der Produzent und sorgt sich um die Drehorte und Sponsoren. Ich schreibe das Drehbuch und stelle das Team zusammen. Ganz zu Beginn hatten wir auch mal eine Drehbuchbesprechung. Die dauerte allerdings nicht mal eine Minute. Peter sagte nur: „Organspendenmafia!“ und das war’s! Jetzt läuft es so, dass er mir sagt, was er an Land gezogen hat: „Wir können mit einem Flugzeug drehen! Auf einer Yacht!“ – und ich bau das dann ins Drehbuch ein. Er gibt mir die Fleischbällchen und ich koche damit.

 

Verspricht gut geschnittene Kampfszenen: Davide Grisolia. © Foto: Romir


Sprechen wir noch über das Original: Wann haben Sie „Macho Man“ das erste Mal gesehen und wie fanden Sie den Film?

Grisolia: Ich hab ihn auf DVD oder Video gesehen als ich etwa 15 war. Damals hat er mir gut gefallen – wie so ein Bud Spencer-Film, in dem die Leute irgendwo hingehen und irgendjemand hauen und man weiß nicht genau, warum – aber es macht Spaß. Mir blieb er in guter Erinnerung, weil ich ja Peter kannte und weil ich den Film mit meinem Vater zusammen gesehen habe – da war das Gemeinschaftserlebnis wichtiger als die Technik . . .

 

Das geht den Leuten ähnlich, die „Macho Man“ jedes Jahr in ausverkauften Vorstellungen beim Sommernacht-Filmfestival als lustiges Trash-Event feiern .

Grisolia: Genau. Der Film ist auch wirklich extrem trashig. Ich hab ihn in den letzten Wochen zur Vorbereitung vier Mal gesehen – das war hart am Limit des Erträglichen! Vor allem diese von hochdeutschen Sprechern nachsynchronisierten Dialoge! Das werden wir diesmal nicht machen. Alle werden mit ihren echten Stimmen im fränkischen Dialekt reden. Es soll ja ein Film werden, der Nürnberg feiert.

 

Also kein Trash?

Grisolia: Das wird eine ganz schwierige Gratwanderung! Einerseits soll er auch neue Zuschauer ansprechen. Deshalb will ich einen aktuellen Look und gut geschnittene Kampfszenen. Dennoch darf er den alten Film nicht verraten – er darf also nicht zu untrashig sein. Die Fans, die „Macho Man“ feiern, sollen nicht enttäuscht werden. Dass das schnell gehen kann, haben wir schon im Vorfeld gemerkt, als wir den Film „Macho Men“ nennen wollten, schließlich geht es ja um mehrere Männer. Da hagelte es Protest von den Fans, und so heißt er jetzt eben „Macho Man 2“.

 

Das Budget soll bei 80 000 Euro liegen – nicht gerade viel für einen Spielfilm.

Grisolia: Ja (lacht). Bei einem Schwarzenegger-Film könnte man dafür gerade mal den Typen bezahlen, der den Kaffee bringt. Aber für mich ist das sehr viel. Mein letzter Film „Die Nacht in mir“ hat knapp 3000 Euro gekostet und das auch nur, weil wir Technik gekauft haben statt gemietet. Aber so bin ich es gewohnt, mit wenig Geld auszukommen. Wenn Peter sagt, er will eine Scheibe einschlagen, antworte ich: Dann kauf eine oder finde einen Sponsor, sonst bleibt die Scheibe ganz.

 

Apropos schlagen: In den 80ern waren sowohl Weller als auch Althof extrem fitte Kämpfer. Nun sind sie Mitte 60. Wie sieht es da mit Boxen und Karate aus?

Grisolia: Peter ist sehr fit! Ich sehe ihm oft beim Training zu und würde mich freuen, wenn er mal wieder in den Ring steigen würde. Und auch René trainiert seit 30 Jahren jeden Tag. Sie wollen beide einen Film, in dem die Fäuste fliegen, nicht die Kugeln. Die zwei sind eben die echten „Macho Men“ – sie geben nie auf!

 

Davide Grisolias aktuellen Boxerfilm „Die Nacht in mir – Anbeginn“ kann man auch auf Youtube sehen: https://www.youtube.com/watch?v=jE7MNKBxQ0k 

Interview: PETER ROMIR

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