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Einschulung erst mit Sieben: Immer mehr Eltern warten

Eltern befürchten Entwicklungsdefizite - Leserforum: Was ist Ihre Meinung? - 02.03.2017 05:44 Uhr

Immer mehr Eltern lassen ihre Kinder erst mit sieben Jahren einschulen - manchmal ist der Nachwuchs noch zu schüchtern, manchmal zu verspielt. © dpa


Es ist ein ungutes Gefühl, das manche Eltern haben: Das Kind wird eingeschult - und scheint sich nicht so recht zu freuen. Es kommt in der Vorschule im Kindergarten kaum mit, ist sehr schüchtern oder einfach noch ziemlich verspielt. Mütter und Väter sollten durchaus auf ihr Bauchgefühl hören und dies den Fachleuten kommunizieren, sagt Stefan Kuen, Leiter des Staatlichen Schulamtes in Nürnberg. Bei der Schuleingangsuntersuchung oder am Tag der Schulanmeldung - in Nürnberg ist es der 29. März - sollten Eltern ihre Zweifel, ihre Sorgen ansprechen: "Man kann sich auch jederzeit an die Beratungsdienste wenden."

Zahl der Zurücksteller wächst - auch in Nürnberg

Mit der Einschulung beginnt ein neuer Lebensabschnitt, das ist auch den Lehrern bewusst. So erklärt Stefan Kuen: "In der Regel arbeiten hier Kindergärten und Schulen gut zusammen: Das ist wichtig, um den Übergang möglichst reibungslos zu gestalten." Doch immer mehr Eltern drängen darauf, dass ihr Kind noch ein Jahr bis zur Einschulung warten darf: Die Entscheidung trifft, so betont Kuen, allerdings die Schulleitung.

Der Anteil der Zurückstellung hat sich seit dem Jahr 2000 bayernweit verdreifacht: Wurden im Schuljahr 2000/2001 noch 3,8 Prozent der Kinder zurückgestellt, so waren es im Schuljahr 2010/2011 schon 9,7 Prozent und im Schuljahr 2015/2016 zwölf Prozent. Der Trend zeigt sich - allerdings in abgeschwächter Form - auch in Nürnberg: Im Schuljahr 2000/2001 wurden hier 5,7 Prozent der Kinder zurückgestellt, die Zahl stieg im Jahr 2010/2011 auf 8,1 Prozent, im Schuljahr 2015/16 waren es 9,7 Prozent.

Zwei Aspekte der Schulpolitik sind wohl ursächlich für diese Entwicklung: Zum einen sind die Kinder, die in die erste Klasse kommen, seit einigen Jahren immer jünger. Früher wurden alle Kinder, die bis zum 30. Juni ihren sechsten Geburtstag feierten, eingeschult. Doch nach Willen des Kultusministeriums sollten noch jüngere Kinder eingeschult werden - und so wurde der Stichtag auf den 30. September verlegt.

Besser Chancen im Schulsystem?

Und auch die Verkürzung der Schulzeit am Gymnasium spielt hier wohl eine gewisse Rolle. Die Einführung des G8 habe einen Anteil am Anstieg der Zurückstellungen, wie Simone Fleischmann vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) sagt. Sie beklagt, dass viele Eltern lieber den Nachwuchs noch ein Jahr im Kindergarten lassen würden - auch wenn das Kind eigentlich reif für die Schule sei. "Diese Schonhaltung der Eltern ist eine Reaktion auf das stark selektive Schulsystem in Bayern", meint die BLLV-Präsidentin. "Eltern glauben oft: Wenn ich mein Kind mit sieben Jahren in die Schule schicke, dann kriegt es bessere Noten und hat gute Chancen, aufs Gymnasium zu kommen - das ist Quatsch!" Und ergänzt: "Die Eltern selbst sind Opfer im System, ich kann sie verstehen."

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Sabine Ebinger

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