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Eintritt teurer: Tiergarten-Gäste sollen Umbau mitfinanzieren

Die geplante große hat seinen Preis - vor allem auch für die Besucher - 10.02.2018 14:42 Uhr

So könnte er aussehen, der geplante Baumpfad im Nürnberger Tiergarten. Diese Aufnahme stammt aus dem neuen Baumwipfelpfad im Steigerwald bei Ebrach. © Foto: Andreas Franke


Gut ein Jahr lang hat Dag Encke mit seinen Mitarbeitern an einem Entwicklungskonzept für den Tiergarten bis zum Jahr 2032 gearbeitet. Am 23. Februar wird der Zoo-Chef das Papier zusammen mit Bürgermeister Christian Vogel den Städträten vom Kulturausschuss vorstellen. Vor Ort, im Naturkundehaus!

Der Tiergarten steht gleich vor mehreren Herausforderungen. Die 65 Hektar große Anlage mit 2500 Tieren ist 1939 fertiggestellt worden, so Encke. "Die Infrastruktur ist alt, sie geht langsam vor die Hunde", klagt der Direktor. Hier müsse viel investiert werden. Der Tiergarten muss attraktiver werden, sagt der Bürgermeister. "Wir hatten im vergangenen Jahr 1,135 Millionen Besucher. Das ist kein Selbstläufer. Wir müssen die Akzeptanz erhalten." Das beziehen die beiden einmal auf die Gestaltung des Geländes und das (bauliche) Angebot der großen Freizeitanlage. Sie sind aber auch überzeugt davon, dass sie die gesellschaftliche Akzeptanz immer wieder schaffen müssen. Stichwort: Tierhaltung. Hier muss sich der Zoo - gerade auch wegen der Delfine - immer wieder gegen massive Kritik der Tierrechtsorganisationen wehren.

Neue Attraktionen sollen (neue) Besucher animieren, die Anlage im Schmausenbuck anzusteuern. An erster Stelle nennt Encke den Waldpfad. Pläne dafür gibt es schon lange. Jetzt soll die Umsetzung konkret ausgetüftelt werden und vielleicht werden die ersten Millionen schon in den nächsten Haushalt der Stadt eingestellt.

Klassenzimmer im Baumwipfel

Der Baumwipfelpfad wird in 24 Metern Höhe angelegt, inklusive grünem Klassenzimmer mit Übernachtungsmöglichkeiten. Er führt – erster Bauabschnitt für 6,6 Millionen Euro – durch ein Wolfsgehege (allerdings mit bedrohten asiatischen Rothunden), durch einen Wald für Affen und einen Bereich mit gefährdeten Schabrackentapiren (weitere Abschnitte). Der Pfad liegt teils außerhalb des Zoos.

Das Gorilla-Haus und das Haus für die Giraffen, so weitere Pläne, müssen modernisiert werden. Das Tropenhaus für die Gorillas etwa soll die Besucher "in einen afrikanischen Regenwald entführen". Ein "Eine-Welt-Haus" sieht eine riesige Voliere vor. Anhand der Geschichte der Zugvögel soll die enge Verknüpfung von Afrika und Europa erzählt werden. "Elefanten wird es aber nicht geben", so Vogel.

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Direktor Dag Encke will auch das Profil des Tiergartens schärfen. So soll die Bedeutung für den Schutz und den Erhalt bedrohter Tiere wie auch der Naturschutz herausgestellt werden. Das bedeutet langfristig einen Eingriff in den Bestand. Tiere, die mit den Schwerpunkten nichts zu tun haben, werden herausgenommen. So hofft Encke, die Tierhaltung besser legitimieren zu können in der kontroversen Debatte.

Zoo offen für Forscher

Der Zoo soll auch stärker für junge Forscher von Universitäten geöffnet werden. Das erfordere neue Räume und mehr Personal, so Encke. Insgesamt sollen zu den derzeit 109 weitere 26 Vollzeitstellen (auch mehr Tierpfleger) hinzukommen. Generell will er das Bildungsangebot des Tiergartens, etwa für Schulen, deutlich ausbauen.

Zu stemmen sind die Pläne allerdings nur durch zusätzliches Geld aus dem städtischen Haushalt – und Preiserhöhungen bereits zum 10. April, sind Vogel und Encke überzeugt. Auf welchen Betrag sich alle Pläne summieren, konnten oder wollten die beiden nicht sagen. Doch es dürfte am Ende ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag sein.

Die Eintrittspreise sollen um acht bis 22 Prozent angehoben werden. Die Stadträte müssen aber noch zustimmen. Erwachsene sollen nach den Osterferien künftig statt 13,50 dann 16 Euro zahlen, für Kinder steigt der Eintrittspreis um 1,20 auf 7,70 Euro, die Familienkarte verteuert sich um 5,50 Euro auf dann 37 Euro, die Dauerkarte gleich um zehn Euro auf 75 Euro für Erwachsene.

Vogel erklärt, dass viele Städte teils deutlich höhere Preise verlangen. Nürnberg liege hier auch nach der Erhöhung noch hinten. Derzeit schießt die Stadt im Schnitt 3,40 Euro pro Besucher zu (etwa 3,9 Millionen Euro), 8,7 Millionen Euro nimmt der Zoo durch Eintritte und Pachten ein. Jeder Euro Preiserhöhung, so Encke, bringe 500.000 Euro mehr Einnahmen.  

Andreas Franke

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