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Fall 24: Düstere Aussicht auf schwindende Kräfte

Multiple Sklerose durchkreuzt Pläne einer Familie, mit einem Dönerladen solide Existenz aufzubauen - 07.12.2018 08:43 Uhr

Ganz auf sich gestellt, kommt der Betreiber eines Dönerladens im Großraum - das Bild entstand in einer anderen Stadt - kaum über die Runden. Seine Frau kann ihn wegen ihrer MS-Krankheit nicht mehr unterstützen. © Schmitt/dpa


"Solange ich noch arbeiten konnte, war alles in Ordnung", sagt Aylin L. (Name geändert). Weil sie sich gesund fühlte und sprühte vor Tatkraft. Aber auch, weil sie mit ihrem Einkommen zu einem auskömmlichen Leben beitragen konnte. Und mit ihrer hauswirtschaftlichen Ausbildung war es ihr nicht schwergefallen, Arbeit zu finden. Dann entstand der Plan, ihren Mann zu unterstützen und in seinem Geschäft mitanzupacken. Der betreibt im Großraum Nürnberg einen winzigen Dönerladen – und trotz enormen Einsatzes bleibt am Ende des Monats kaum genug übrig, so dass das Jobcenter noch etwas drauflegen muss.

Doch Aylin L. kann nicht mehr lange stehen, schon gar nicht hinter einem Tresen. Durchkreuzt hatte diese Pläne vor gut einem Jahr die Diagnose "Multiple Sklerose" (MS). Schon zuvor waren erste Beschwerden im Rücken, dann in den Beinen aufgetreten, hatten sie aber noch nichts Schlimmeres ahnen lassen. Erst als selbst Spritzen mit hoher Dosis kaum Linderung verschafften, brachten weitere Untersuchungen die wahre Ursache ans Licht.

Inzwischen beutele sie das bisher noch unheilbare Leiden des zentralen Nervensystems im Zwei-Wochen-Rhythmus. "Ich kann fast die Uhr danach stellen", sagt die 38-Jährige. Nach jedem Schub windet sie sich jeweils ein paar Tage lang vor lauter Schmerzen und ist nahezu lahmgelegt. Auch außerhalb dieser Phasen fällt ihr beispielsweise das Treppensteigen immer schwerer, Einkaufstaschen zu schleppen, muss sie den Kindern oder ihrem Mann überlassen, ums Staubsaugen und Fensterputzen müssen die sich ebenfalls kümmern.

Wobei der Vater noch später nach Hause kommt als früher, weil er in seinem Laden auf sich allein gestellt ist – und die Einnahmen für die Anstellung eines Mitarbeiters nicht reichten. Vielleicht noch schlimmer sind allerdings die drückende Ungewissheit und die Furcht vor einer schleichenden, aber letztlich unaufhaltsamen Verschlimmerung. "Dabei gehe ich so gerne raus in die Stadt oder in die Natur und würde vor allem gerne mehr mit meinen Kindern unternehmen", meint sie.

Aber die Kräfte schwinden – und auch das Geld für Kinokarten zu erübrigen, fiel neulich schon ziemlich schwer. Kein Wunder, dass in manchen Sätzen schon depressive Züge durchklingen. "Ich komme mir verloren vor, wie in die unterste Schublade abgelegt", klagte sie vor wenigen Tagen – und versucht doch, immer wieder neuen Mut zu fassen. Aktuell setzt die Mutter ihre ganze Hoffnung auf ein Umschulung zu einer Bürotätigkeit – wenn sich ihr Gesundheitszustand stabilisieren lässt.

Die "Freude für alle"-Aktionskonten:

Sparkasse Nürnberg: DE63 7605 0101 0001 1011 11
Sparkasse Fürth: DE96 7625 0000 0000 2777 72
Sparkasse Erlangen: DE28 7635 0000 0000 0639 99
Postbank Nürnberg: DE83 7601 0085 0400 0948 54

Mit Überweisungsträgern unterstützen die Sparkassen im Großraum die Aktion.  

Wolfgang Heilig-Achneck

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