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Hetze und Herabwürdigung: Die Sprache von Pegida Nürnberg

Diplom-Sozialwirtin schaute sich fünf Reden von Hauptrednern an - 21.05.2015 06:00 Uhr

Bei den meisten "Spaziergängen" von Pegida Nürnberg waren viele Gegendemonstranten anwesend und protestierten lautstark, sodass die Worte der Redner oft kaum zu hören waren. © Roland Fengler


Die Diplom-Sozialwirtin, die seit mehr als zehn Jahren für das Nürnberger Institut für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung arbeitet, zog am Mittwoch bei ver.di-"K.i.B.S." am Kornmarkt ein niederschmetterndes Fazit: "Zentrale Inhalte der untersuchten Pegida-Reden waren die Herabwürdigung  in Deutschland und Europa lebender Migranten und Migrantinnen, insbesondere von Flüchtlingen, sowie eine eindimensionale, pauschalierende und extrem abwertende Betrachtung ,des Islam als vermeintlich homogene, extrem gefährliche Ideologie."

In den von Birgit Mair analysierten fünf Pegida-Reden in Nürnberg waren Gernot Tegetmeyer und Michael Stürzenberger die Hauptredner. Demnach findet laut Gernot Tegetmeyer in Deutschland eine "gewaltige Umvolkung" statt, mit dem Ergebnis, dass "wir in spätestens 15 bis 20 Jahren (...) eine Minderheit im eigenen Land" seien.

Birgit Mair erläutert in ihrer pr äsentierten Broschüre, dass "Umvolkung" ein Begriff ist, der während des Nationalismus im Zusammenhang mit der Germanisierungspolitik im Osten verwendet wurde. Bei einer weiteren Pegida-Veranstaltung habe Tegetmeyer gar einen "Genozid an unserem Volk" propagiert.

Tegetmeyer hetzte laut der Analyse in seinen Reden dezidiert gegen Migranten, insbesondere aber gegen Menschen türkischer Herkunft. Demnach beschwor er den Sieg der Kriegskoalition gegen die Truppen des Osmanischen Reichs vor Wien im 17. Jahrhundert. Doch mittlerweile hätten wir trotz dieses Sieges "den Feind (...) mitten unter uns". Flüchtlinge und Muslimen seien als "Kriminelle", "Vergewaltiger" und Verursacher einer "Rattenplage" verunglimpft worden.

Birgit Mair bei der Pressekonferenz am Mittwoch: "Das Benennen von Pegida Nürnberg als ,islamkritische' Gruppierung, wie in lokalen Medien teilweise praktiziert, ist verharmlosend." Pegida Nürnberg geht es nach ihren Worten keineswegs um eine differenzierte Kritik an rückwärtsgewandten islamistischen Strömungen, sondern um eine völkisch-nationalistische Umformung der Gesellschaft.

Der Aufsatz kann auf der Seite des Instituts für sozialwissenschaftliche
Forschung, Bildung und Beratung heruntergeladen werden.

Bilderstrecke zum Thema

Tanzen gegen Rechts: 200 demonstrierten gegen Pegida

Gegen 18.30 Uhr begann am Donnerstag die Gegen-Demo von rund 200 Teilnehmern gegen eine Veranstaltung von rund 50 Pegida-Anhängern. Mit Tänzen und lautstarkem Protest zeigten die rund 200 Gegendemonstranten auf dem Jakobsplatz, dass für fremdenfeindliche Parolen kein Platz ist.


  

Dieter Wegener

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