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Ikea kommt zwar nach Nürnberg, nur anders und später

Möbelriese will zunächst an der Regensburger Straße neu planen und prüfen - 05.04.2018 10:11 Uhr

Ursprünglich sollte das neue Ikea-Möbelhaus in Nürnberg im Sommer 2020 eröffnet werden. © dpa


"Wir kommen nach Nürnberg, aber nicht so, wie geplant", betont Ikea-Pressesprecherin Chantal Gilsdorf auf Anfrage. Der für Sommer 2020 geplante Eröffnungstermin sei auf keinen Fall zu halten. Ursprünglich hatte das Unternehmen an der Regensburger Straße ab diesem Sommer 25.500 Quadratmeter Möbelmarkt und 1700 Stellplätze an der Ausfallstraße im Osten der Stadt bauen wollen.

Alles Makulatur, denn es kommt anders. Man wolle sich vom klassischen Einrichtungshaus am Stadtrand verabschieden und in Zukunft näher bei den Kunden sein, heißt die Parole. Sprich: Neue Ikea-Märkte, von denen es aktuell 53 in Deutschland gibt, sollen künftig eher in Innenstädten liegen und ohne Auto erreichbar sein.

Drei Jahre aufwendiger Planung liegen hinter den Beteiligten bei Ikea und Stadt Nürnberg. Allein sechs der 80 Millionen Euro, die Ikea in das umweltpolitisch heikle Projekt investieren wollte, sollten in den Umbau von Kreuzungen und in elf Ampelanlagen fließen.

Naturschützer hatten bekanntlich die Pläne für den Standort im Reichswald scharf kritisiert und auf Umweltstudien verwiesen, die das Vorkommen von Zauneidechse und Kreuzkröte belegten. Ikea hatte sich zur Umsiedlung gefährdeter Tierarten verpflichtet, Fassaden sollten begrünt und Baumreihen erhalten werden.

Mehr Online-Handel, weniger Märkte

Ein Auslöser ist es laut Gilsdorf, dass der Online-Handel bei Ikea jedes Jahr um 20 bis 30 Prozent steigt. Man brauche also eher kleinere Märkte und dafür mehr dezentrale Verteilzentren, sagt die Firmensprecherin. Für Nürnberg könnte genau das die Vorgabe sein. Statt eines großen Marktes an der Regensburger Straße gäbe es dann weniger Verkaufsfläche, die jedoch gepaart wäre mit einem Lager, aus dem die wachsende Online-Kundschaft beliefert werden könnte. Der nahe Autobahnanschluss am Ende der Ausfallstraße würde dafür sprechen.

Das Szenario sei realistisch, deutete die Ikea-Sprecherin an. Doch es müsse neu geplant werden, was das Projekt auf alle Fälle verzögere. Gilsdorf: "Wir haben noch kein konkretes Zeitfenster für Nürnberg."

An der Regensburger Straße (im Vordergrund) plante der Möbelkonzern auf 33.000 Quadratmetern ein zweistöckiges Möbelhaus. Im Hintergrund zu sehen: die Bahnlinie, rechts oben das Stadion. © Ikea/PR


Runter von der grünen Wiese, rein in die Citys, das hat auch Johannes Ferber, Expansionschef von Ikea Deutschland, laut dpa soeben als Leitmotiv ausgegeben. Neue Märkte müssten vor allem in den Innenstädten und Metropolregionen entstehen. Besonders wichtig, so Ferber, sei eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Die Bedeutung des Autos nehme in den Ballungsräumen immer mehr ab.

Für die geplanten Ikea-Standorte Bottrop, Castrop-Rauxel und Memmingen bedeutet das jetzt das Aus. In Nürnberg müssten "Format und Größe des neuen Hauses überprüft" werden, heißt es in der offiziellen Stellungnahme des schwedischen Unternehmens. Das Gleiche gelte für ein weiteres Bauprojekt in München-Eching.

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CLAUDINE STAUBER

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