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Jenaplan-Gymnasium kommt nach Nürnberg zurück

Schule hat im Soldan-Gebäude einen festen Standort gefunden - 26.02.2013 07:00 Uhr

Elternvertreter Peter Schmidt, die Schülerinnen Luca Hennig und Eva Endler sowie Vorstandsmitglied Bernd Beisse (v. li.) freuen sich über die künftige Bleibe auf dem Soldan-Gelände. © Eduard Weigert


Bernd Beisse steht auf einem Rasenstück nahe dem Frankenschnellweg und zeigt auf das Gebäude zu seiner Linken. „Das wird einmal das neue Schulgebäude“, sagt er über den Altbau, der im Moment noch einem Bonbon-Hersteller als Verwaltungsgebäude dient. Auf dem Haus nebenan prangen ein paar Buchstaben, die wohl jeder, der schon einmal auf der A73 unterwegs war, gesehen hat: „Em-eukal“.

Hier auf dem Soldan-Gelände in Schniegling nahe der Fürther Stadtgrenze soll er entstehen, der „Leuchtturm für neue Pädagogik“, wie Beisse das Gymnasium mit dem ungewöhnlichen Konzept nennt.

Jenaplan, das bedeutet klassenübergreifendes Lernen ohne Notendruck und mit modernen Lernmethoden, die Sport, Handwerk und soziale Kompetenz in den Vordergrund stellen. Ein Konzept aus den 1920er Jahren, das auf den Reformpädagogen Peter Petersen zurückgeht und bislang nur an privaten Schulen angewandt wird.

Beisse ist eines von drei Vorstandsmitgliedern der Genossenschaft, die hinter dem Gymnasium steht, und deshalb maßgeblich für die Entwicklung der Schule verantwortlich. Keine ganz einfache Aufgabe, wenn man sich die bewegten ersten Jahre des Gymnasiums vor Augen führt.

Anfang 2010 wurden konkrete Pläne für die Einrichtung des Gymnasiums entwickelt, nur wenige Monate später konnte bereits das erste Mal unterrichtet werden. Auf dem ehemaligen Quelle-Gelände in der Fürther Straße hatten sich Lehrer und Schüler gut eingerichtet. Die Möbel stammten aus der Konkursmasse des Versandhauses, um den Rest kümmerten sich engagierte Eltern.

Weil Schüler und Lehrer aber nur wenige Wochen nach Unterrichtsbeginn über Müdigkeit, Augenreizungen und Kopfschmerzen klagten, musste das Gymnasium schon wieder gehen, bevor es überhaupt richtig angekommen war. Schadstoffe in der Atemluft waren die Ursache. Zwar wurde mit der leerstehenden Pfisterschule in Fürth schnell Ersatz gefunden, der Traum von der „eigenen“ Schule war dennoch erst einmal geplatzt.

Erfolgreiche Rasterfahndung

„Wir wurden von der Stadt Fürth gerettet“, sagt Beisse heute über diese schwierige Zeit. Und: „Wir sind sehr freundschaftlich betreut worden.“ Trotzdem war für die Betreiber des Gymnasiums, das Nürnberg bereits im Namen trägt, immer klar, dass man wieder zurückwill. „Ins Herz der Metropolregion“, wie es Beisse ausdrückt.

Die Eltern gründeten eine Arbeitsgemeinschaft, zusammen mit der Schulleitung ging man auf die Suche nach einem Standort, der der Schule als langfristige Bleibe dienen könnte. „Wir haben einige Kriterien festgelegt und dann eine Art Rasterfahndung begonnen“, beschreibt Beisse den Prozess. Am Ende blieb nur noch das Objekt in der Herderstraße übrig.

Weil die Schüler auch aus Fürth, Erlangen, Schwabach oder Hiltpoltstein kommen, ging es vor allem darum, einen Standort zu wählen, der gut erreichbar ist. „Die Infrastruktur ist optimal“, sagt Beisse und verweist auf zwei Buslinien vor der Haustür, auf 700 Meter Fußweg zur U-Bahn-Haltestelle Stadtgrenze und die Nähe zum Frankenschnellweg.

Das zweite entscheidende Kriterium war das Grundstück selbst. Neben dem Altbau befindet sich eine Rasenfläche, die künftig als Pausenhof dienen soll. Dahinter beginnt direkt der Wiesengrund. „Unser Konzept sieht vor, dass es viele Bewegungsmöglichkeiten gibt“, erklärt Beisse. Dadurch falle das Lernen leichter.

In ein paar Jahren sollen auf dem Grundstück noch eine Turnhalle und Physiksäle entstehen, außerdem können noch weitere Räume gemietet werden. „Das ist ganz entscheidend für uns“, sagt Beisse, denn die Schule setzt auf Wachstum. Im Moment besuchen knapp 150 Jugendliche das Gymnasium, im kommenden Schuljahr werden es bereits 200 sein. „Insgesamt hätten wir hier aber auch für 400 Schüler Platz“, betont Beisse.

Im September werden Lehrer und Eltern wieder Kartons packen, dann zieht das Gymnasium zurück nach Nürnberg. Zunächst in das Gebäude, in dem vor wenigen Jahren noch der Quelle-Katalog entstand, im Schuljahr 2014/15 möchte man dann in das angrenzende Soldan-Gebäude umziehen 

SEBASTIAN GLOSER

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