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Kommentar: Das Sozialticket muss endlich her!

Preise der ermäßigten Karten in Nürnberg liegen noch immer deutlich über den Hartz-IV-Sätzen - 29.11.2012 14:02 Uhr

Nürnberg  - Die beschämende Diskussion um die Einführung eines Sozialtickets in Nürnberg wurde in der vergangenen Woche um ein weiteres Kapitel ergänzt, als eine probeweise Einführung eines günstigeren Tickets – einmal mehr – abgelehnt wurde. Dabei muss gerade den ärmeren Mitbürgern gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht werden. Und dazu gehört nun einmal auch die Mobilität.

Damit auch die ärmeren Nürnberger in Zukunft häufiger Bahn und Bus nutzen können, müsste die Stadt ein richtiges Sozialticket einführen.
Damit auch die ärmeren Nürnberger in Zukunft häufiger Bahn und Bus nutzen können, müsste die Stadt ein richtiges Sozialticket einführen.
Foto: Michael Matejka (Archiv)
Damit auch die ärmeren Nürnberger in Zukunft häufiger Bahn und Bus nutzen können, müsste die Stadt ein richtiges Sozialticket einführen.
Damit auch die ärmeren Nürnberger in Zukunft häufiger Bahn und Bus nutzen können, müsste die Stadt ein richtiges Sozialticket einführen.
Foto: Michael Matejka (Archiv)

Wie groß das Bedürfnis nach Mobilität auch bei ärmeren Menschen ist, zeigt in negativer Hinsicht das Beispiel Dortmund: Dort hatte man bis Ende 2009 für 15 Euro im Monat ein Sozialticket im Angebot. Anzahl der Nutzer? Etwa 28.000! Danach wurde der Preis allerdings auf mehr als das Doppelte erhöht. Die Folge: über 20.000 einkommensschwache Menschen konnten danach nicht mehr regelmäßig Busse und Bahnen nutzen. Ganz klar geht aus diesem Beispiel hervor, wie wenig Spielraum den Armen bleibt, um ihr offensichtliches und vollkommen verständliches Mobilitätsbedürfnis zu erfüllen.

Zum Vergleich ein Blick nach Nürnberg: Im Jahr 2011 hatte die VAG von ihren ermäßigten Tickets für die insgesamt etwa 37.000 Besitzer des Nürnberg-Passes gerade einmal 6000 Stück pro Monat verkauft. Diese ermäßigte Karte gibt es für 30,80 Euro, allerdings mit Ausschlusszeit zwischen 6 und 8 Uhr morgens. Sicherlich: damit liegen die Preise der Nürnberg-Pass Tickets deutlich unter den regulären Fahrscheinen, die ab 2013 in der günstigsten Variante - der 9-Uhr-Mobicard - immer noch mit 58,90 Euro zu Buche schlagen.

Video zum Thema
Der Stadtrat lehnte kürzlich den Vorschlag eines Sozialtickets für benachteiligte Menschen ab. Momentan gibt für Inhaber des Nürnbergs-Passes ein preiswerteresTicket für 30,80 Euro. Die Nürnberger würden ein noch günstigeres Sozialticket begrüßen.

Doch in den Hartz-IV-Regelsätzen sind für Mobilität monatlich lediglich knapp 23 Euro für einen Erwachsenen eingerechnet. Wenn nun ein auf den Wohnort beschränktes Ticket dieses äußerst schmale Budget bereits sprengt - wie sollen dann Bedürftige zum regulären Fahrpreis noch ihre Verwandten in, beispielsweise, Lauf besuchen? Das hartnäckige Märchen, dass sich Harz-IV-Empfänger ein Leben wie die Maden im Speck auf Kosten der Allgemeinheit finanzieren, wird durch solche Zahlen konterkariert. In Zeiten, in denen Mobilität so wichtig ist wie noch nie zuvor, sollte eine Gesellschaft nicht ihren Schwächsten dieses wichtige Gut mutwillig vorenthalten.

 

Vergangene Woche lehnte der Nürnberger Stadtrat erneut die Einführung eines Sozialtickets (ohne Ausschlusszeit,  für 23 Euro), das die Grünen als Antrag in die Haushaltsberatungen eingebracht hatten, ab. Dabei liegt dieser Betrag noch immer weit über den 15 Euro, die das Bündnis Sozialticket seit Jahren vergeblich fordert. Das wirft angesichts anderer aktueller Diskussionen ein äußerst schlechtes Licht auf die Stadt Nürnberg und ihren Umgang mit Bedürftigen. Kostenpunkt des auf ein Jahr beschränkten vorgeschlagenen Testlaufs wären nämlich gerade einmal 156.000 Euro gewesen. Dafür fand sich keine Mehrheit im Rat.

Gleichzeitig wird über den elitären Opernball diskutiert, der in den vergangenen Jahren ein Defizit von rund einer halben Million Euro eingespielt hat. Der soll nach Möglichkeit am Leben gehalten werden und 2013 wieder stattfinden. Etwas ist faul in der Stadt Nürnberg.

 

Ihre Meinung zum Thema ist gefragt! Kommentare hinterlassen Sie bitte in diesem Artikel. 

Johannes Barthel



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