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Kommentar: Die Stadt muss besser hinschauen

Siedlungs-Schutz: Verwaltung hat eine Wächterfunktion - 22.05.2017 19:26 Uhr

Was macht eine Stadt wie Nürnberg, was macht ihr Stadtbild aus? Da wäre unter anderem das äußere Erscheinungsbild: Harmonische Quartiere, Parkanlagen und Grün zwischen den Straßen, historische Bauten und schöne Wohnhäuser.

Die Schönheit mancher Gebäude erschließt sich erst auf den zweiten Blick. So ist es auch bei der Siedlung am Heimgartenweg im beliebten Nürnberger Stadtteil Zerzabelshof: Recht unspektakulär kommt die historische Genossenschaftsanlage zunächst daher. Doch zwischen den Reihen- und Mietshäusern, die sich in ihrer Bauweise voneinander unterscheiden und eine kleinstädtische Gemütlichkeit ausstrahlen, ist noch Raum und Grün.

Eine nette Ecke von Zabo. Eine Gegend, die das Viertel prägt. Ein Quartier, in dem die Menschen gerne leben, mit dem sie sich identifizieren.

Doch engagierte Freunde der Wohnanlage haben Sorge, ob das Ensemble als Ganzes in Zukunft noch erhalten bleibt. Das Wohnungsunternehmen Nürnberg-Ost hat bereits erste Häuser aufgegeben — weitere Gebäude könnten weichen. Das sorgt für Unruhe in der dortigen Bevölkerung.

Die Stadt setzt auf das Versprechen der Genossenschaft, dass man bei den Planungen auf das Ensemble achten werde. Allerdings befürchten die Stadtheimatpflegerin von Nürnberg, der Vorstadtverein Zabo und die Stadtbild-Initiative, dass es sich die städtische Verwaltung hier zu einfach macht. Es sind gewichtige Fürsprecher — und man sollte sie hören.

Seltsam auch, dass in der Stadtratssitzung im April keiner der Räte über das Thema diskutieren wollte, obwohl es doch auf der Tagesordnung stand. Interessierte es die Stadträte wirklich nicht — oder hatten sich die großen Stadtratsfraktionen SPD und CSU schon vorab geeinigt, der Linie der Verwaltung zu folgen? Irgendwie hat man den Eindruck, dass hier nicht mit offenen Karten gespielt wird.

Die Siedlung am Heimgartenweg steht zwar nicht unter Denkmal- oder Ensembleschutz — ist aber in sich harmonisch und schön. Die Verwaltung darf nicht darauf vertrauen, dass es schon irgendwie gut wird. Vielmehr hat sie in Sachen Städtebau eine Wächterfunktion: Diese sollte sie beim Heimgartenweg ernst nehmen. 

VON SABINE EBINGER

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