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Kreativer Impfstoff gegen "PolenAllergie"

Das Krakauer Haus bereitet sich auf das Festival im Herbst vor - 26.07.2012 17:56 Uhr

Das Krakauer Haus ist eine feste Institution in Nürnberg. © Hanni Kinadeter


Ansonsten hatte das Fußballereignis keine signifikanten Auswirkungen auf die Besucherzahl des Kulturzentrums, sagt dessen Leiterin Grazyna Wanat. Und das ist eine durchaus positive Nachricht. Denn das Haus in der Hinteren Insel Schütt 34, das es seit 16 Jahren gibt, ist längst eine Institution in der Stadt.

Mit seinen kulturellen Veranstaltungen mit polnischen Künstlern, Musikern, Autoren und Filmen fülle das Krakauer Haus eine Nische in Nürnberg, sagt Wanat. „Das Interesse an unseren Aktivitäten ist konstant.“ Es gibt viele Stammgäste, und natürlich sind darunter einige, die aus Polen kommen. „Sie bringen aber oft ihre Nachbarn und Freunde mit, die keinen direkten Bezug zu Polen haben. Das ist gut, denn das zeigt, dass die Menschen mit unserem Angebot zufrieden sind und auch andere daran teilhaben lassen möchten.“

Biergartenbesuch kann in Besuch des Kulturzentrums münden

Es gibt schon noch einige Nürnberger, die mit dem Krakauer Haus in „erster Linie immer noch Schnitzel und Biergarten verbinden“, stellt Wanat fest. „Es freut mich aber, dass das Restaurant so gut läuft.“ Denn sie verwaltet auch das Restaurant im Haus. Außerdem kann der Biergartenbesuch für den einen oder anderen auch in einen Besuch des Kulturzentrums münden, so Wanat. Jeder Weg ist ihr recht, um möglichst Vielen in Nürnberg Polens Kultur- und Künstlerwelt näherzubringen. Wichtig sei ihr vor allem, ein aktuelles Bild von Krakau, aber auch von Polen allgemein zu zeigen. „Polen hat nicht nur Folklore, sondern vieles mehr zu bieten.“ Die vielen Konzerte im Krakauer Haus beweisen das. Wie mannigfaltig die polnische Musik ist, soll im Oktober wieder ein Musikfestival betonen, dessen Titel ein Wortspiel ist – „PolenAllergie“.

„Mit der Sprache der Musik kann man sehr viel erreichen“, so Wanat. Kurz vor der Sommerpause laufen die Vorbereitungen für das Event, das in Nürnberg nach einer zweijährigen Pause bereits zum vierten Mal stattfindet, auf Hochtouren.

Ein Mix aus vielen Musikrichtungen

Fünf Festival-Bands, mit einer Ausnahme alle aus Krakau, werden dem Publikum einiges zu bieten haben, verspricht Wanat. Blues-Rock, Folkmusik, Funk, Kammermusik mit zeitgenössischem Ambiente und Elektronik, moderne jüdische Musik, Jazz, Flamenco und vieles mehr – die polnischen Musiker, die im Krakauer Haus und im Neuen Museum auftreten werden, lassen sich nicht in eine Schublade, wenn auch eine musikalische, stecken.

Einfache Klischees über Polen lassen sich auch durch Filme gut abbauen, stellt Wanat fest. „Filme erzählen moderne Geschichten und vermitteln einen Einblick in die polnische Realität.“ Die alljährliche Polnische Filmwoche, die seit 2006 in Nürnberg und Erlangen stattfindet, ist sehr beliebt, freut sich die Leiterin des Kulturzentrums: „Es ist immer voll. Viele verbinden unser Haus mit der Polnischen Filmwoche; sie dient oft als unser Wiedererkennungsmerkmal.“

Schwieriger sei es dagegen, ein Publikum für die Ausstellungen von unbekannten Künstlern zu finden, bedauert Wanat. „Aber diese Entwicklung beobachte ich überall.“ Bei den zahlreichen Ausstellungen, Lesungen, Konzerten und Filmen ist das Kulturzentrum nicht auf sich alleine gestellt, sondern hat zwei Gleichgesinnte, die ebenso im Krakauer Haus beheimatet sind – die Deutsch-Polnische Gesellschaft in Franken und den Krakauer-Turm Verein. „Die Zusammenarbeit mit den beiden Vereinen funktioniert sehr gut“, betont Wanat.

Die Beziehung zur Partnereinrichtung in Krakau sei ebenso gut, „auch wenn wir unterschiedliche Zielgruppen haben“. Gerade arbeiten die beiden Zentren an einer Idee: Sie wollen ein paar deutsche und polnische Künstler für ein literarisches Projekt gewinnen. „Sie sollen im Idealfall Erzählungen schreiben, in denen Nürnberg und Krakau vorkommen. Außerdem soll in jeder Geschichte eine Person aus einer anderen Erzählung in dem gemeinsamen Buch vorkommen.“ Anschließend könnte es in beiden Städten Lesungen dazu geben. Wanat ist zuversichtlich, dass das Projekt umgesetzt werden kann: „Ich kenne auf Anhieb fünf bis sechs Autoren, die sofort mitmachen würden.“

Bereits seit acht Jahren leitet die Wahl-Nürnbergerin das Krakauer Haus. Immer wieder ist sie in Krakau, um Kontakte zu pflegen und neue Entdeckungen in der Kulturszene zu machen, die sie dann gerne nach Nürnberg holt. Bei Adam und Eva musste Wanat aber in Franken nicht anfangen. „Die Städtepartnerschaft zwischen Nürnberg und Krakau, die bereits seit 35 Jahren besteht, war schon immer eine sehr lebendige. Die Stadt Krakau ist im kollektiven Bewusstsein der Nürnberger präsent.“ 

Ella Schindler

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