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Lärm am Airport: Anwohner fordern Nachtflugverbot

Nachbarn leiden unter Starts und Landungen in der Nacht - 09.08.2018 05:52 Uhr

Die Zahl der Abflüge und Ankünfte zwischen 22 und sechs Uhr am Albrecht-Dürer-Airport haben wieder deutlich zugelegt. 2017 waren es 21 Starts und Landungen in der Nacht. © Daniel Karmann


Auch Helmut Lang ärgert sich über den Fluglärm in der Nacht. Er wohnt mit seiner Familie seit 15 Jahren an der Gluckstraße und ist überzeugt, dass nach einer Änderung der Flugrouten Erlenstegen in der Einflugschneise des Nürnberger Flughafens liegt: "Die Lärmbelästigung ist enorm angestiegen. Das Hauptproblem ist aber der rege Nachtflugverkehr. Man kann in Erlenstegen nicht mehr mit offenem Fenster schlafen." Er wünscht sich deshalb ein Nachtflugverbot zwischen 24 und fünf Uhr wie am Flughafen Frankfurt.

Reiner Lux, Fluglärmschutzbeauftragter der Regierung von Mittelfranken, ist sich sicher, dass es am Flughafen Nürnberg keine Änderung der Flugrouten gegeben hat. Anflüge direkt über Erlenstegen seien sehr selten und würden nur in Ausnahmefällen vorkommen. Die typischen Anflüge, die auf der Linie der Verlängerung der Landebahn stattfinden, seien an der Gluckstraße nicht zu hören. Lux kann das Lärmproblem nur mit den Starts nach Osten erklären, die aber selten sind. Richtung Osten wird geflogen, wenn die Piloten einem Gewitter ausweichen wollen. Dafür müssen aber die Triebwerke mit höheren Drehzahlen laufen. "Sie sind an der Gluckstraße sicher deutlich wahrnehmbar, jedoch ist diese Situation nicht neu", so Lux. Auf Anfrage teilte der Flughafen mit, dass Flugzeuge nachts "lauter wahrnehmbar" sind, "was vor allem am grundsätzlich niedrigeren Umgebungsgeräusch und am stärkeren Ruhebedürfnis der Anwohner liegt".

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Die Zahl der Starts und Landungen zwischen 22 und sechs Uhr, haben nach dem Tiefpunkt im Jahr 2012 wieder deutlich zugelegt. Wurden vor sechs Jahren noch 5820 nächtliche Flugbewegungen gezählt, waren es 2017 schon 7713. Im Durchschnitt wurden 2015 19 Starts und Landungen pro Nacht gezählt, 2016 waren es 18 und 2017 wurden 21 registriert. "In diesem Jahr wird es wohl einen weiteren Anstieg geben", heiß es in einer Stellungnahme des Flughafens.

Während das steigende Passagieraufkommen 2017 durch das vergrößerte Angebot von Flügen zu europäischen Großstädten durch Billigflieger erzielt wurde, basiert das Wachstum in diesem Jahr auf eine Verstärkung des touristischen Verkehrs, insbesondere nach Antalya. Die Nachfrage nach Flügen in die Türkei ist so groß, dass in den Nachtstunden mehr Starts und Landungen erfolgen. In den Sommerferien gibt es allein 310 Abflüge von Nürnberg Richtung Antalya.

Bonusliste hebelt Verbot aus

Das Problem dabei ist, dass im Sommer, wenn die Menschen mit offenem Fenster schlafen, mehr Maschinen zu den Urlaubsgebieten als im Winter abheben. Waren es 2017 im Sommer, von April bis Oktober 27 Maschinen pro Nacht ging die Zahl im Winter auf 13 zurück. Grundsätzlich gilt am Flughafen Nürnberg zwar ein Nachtflugverbot, das sieht auch die Betriebsgenehmigung so vor. Davon ausgenommen sind geräuscharme Flugzeuge, die auf der Bonusliste des Bundesverkehrsministeriums stehen. "Für diese ist ein 24-Stunden-Betrieb erlaubt. Für alle anderen Flugzeuge, hierzu zählen z. B. auch die meisten Militärmaschinen, gilt ein striktes Nachtflugverbot", so ein Pressesprecher des Flughafens. Gleiche Regelungen wie in Nürnberg gibt es übrigens auch an anderen Flughäfen wie Köln oder Hannover.

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Diese Bonusliste ist ein Hebel mit dem die Fluglärm-Schutzgemeinschaft ihr Interesse nach mehr Ruhe in der Nacht durchsetzen will. Seit 2003 wurde diese Liste nicht mehr grundsätzlich überarbeitet. Nach Ansicht der Schutzgemeinschaft stehen inzwischen 99 Prozent der in Nürnberg verkehrenden Flugzeuge auf dieser Liste. Nur wenn Flugzeuge nicht darauf stehen, und damit laut sind, können ihnen Start und Landung in der Nacht verwehrt werden. Eine Überarbeitung der Bonusliste durch das Bundesverkehrsministerium wurde bislang vermieden, weil auf eine Regelung der EU gesetzt wird.

Der Flughafen verweist darauf, dass durch die erhöhten Start- und Landegebühren in der Nacht, die auch für die Flugzeuge der Bonusliste gelten, die Fluggesellschaften wenig Interesse daran haben, zwischen 22 und sechs Uhr zu fliegen, weil die Lärmzuschläge um bis zu 500 Prozent steigen. Start und Landung einer Boeing 737 kosten am Tag 2154 Euro, in der Nacht 2446,68 Euro. Der Anteil des Lärmzuschlags steigt dabei von 29,21 Euro auf 146,05 Euro. Selbst wenn die Boeing mit 186 Sitzplätzen nur halbvoll ist, verteuert sich ein Ticket dann nur um wenige Euro. Höhere Entgelte in der Nacht, um Nachtflüge unattraktiver gegenüber anderen Tageszeiten zu machen, bezeichnet der Flughafen als "marktbasiertes Steuerungsinstrument". Bei drei Euro ist das eine sehr optimistische Einschätzung. Auch Billigflieger werden sich davon nicht von Nachtflügen abhalten lassen.

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Der Flughafen, der wirtschaftlich schwere Zeiten durchstehen musste, konnte zuletzt ein deutliches Wachstum erzielen. Das liegt auch daran, dass viele neue Städtereisen und Ziele zu günstigen Preisen angeboten werden. Ein Nachtflugverbot würde diese positive Entwicklung abbremsen, das räumt auch der Flughafen ein: "In der Sommerzeit würde dies zu einer spürbaren Angebotsreduzierung bei den Urlaubsflügen führen." Immerhin 778.000 Passagiere wollen zwischen dem 28. Juli und den 10. September vom Nürnberger Flughafen aus abheben und landen. Das sind elf Prozent mehr als in den Sommerferien 2017.

Hoffen auf die Ergebnisse der Lärmforschung

Die Fluglärm-Schutzgemeinschaft hofft jetzt auf politische Unterstützung durch die Grünen. Der Bundestagsabgeordnete Uwe Kekeritz und der Landtagsabgeordnete Markus Ganserer haben sich vor kurzem die Argumente von Gegnern der Nachtflüge angehört. "Nach zehn Jahren soll in dieser Legislaturperiode des Bundestags das Fluglärmschutzgesetz überarbeitet werden. Die Lärmforschung zum Schutz der Anlieger hat das Thema umfangreich aufgearbeitet. Lärm macht krank", sagt Ganserer zur NZ. Er sieht gute Chancen, dass es zu einem generellen Nachtflugverbot und zur Absenkung der Grenzwerte kommt. Wichtig sei auch, dass nicht mehr der berechnete Durchschnittslärmpegel entscheidend ist, sonder der Lärm im Einzelfall.

Wenn der Lärm zu laut wird, dann können sich die Betroffenen an den Lärmschutzbeauftragten vom Luftamt Nordbayern unter der Telefonnummer 09 11-28 50 08 65 und unter fluglaerm@reg-mfr.bayern.de wenden. Wer sich über Flugbewegungen einzelner Flüge informieren will, kann auf der Homepage der Flugsicherung unter www.dfs.de nachsehen.

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André Fischer

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