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Manpower hat Branchenzuschläge gut verkraftet

Gebietsleiterin der Zeitarbeitsfirma: Callcenter-Mitarbeiter wieder mehr gesucht — In einigen Berufen wird es eng - 28.03.2014

„Die Nachfrage ist größer als das Personalangebot“: Patricia Philipp, Gebietsleiterin des Zeitarbeitsunternehmen Manpower Nürnberg. © Michael Matejka


Seit gut einem halben Jahr thront Manpower Nürnberg im Merian-Forum aqm Nordostbahnhof und hat dort doppelt so viel Platz wie vorher im Stadtzentrum an der Kurt-Schumacher-Straße — zusammen mit „Bank Power“, einem Gemeinschaftsunternehmen mit der Deutschen Bank. Die Auftragslage sei wegen der Spezialisierungen für das Zeitarbeitsunternehmen gut, sagt Gebietsleiterin Patricia Philipp. „Wir haben viel in der Pipeline.“

Zugleich spürt sie aber auch, dass der Arbeitsmarkt nicht mehr so viel Personal hergibt wie früher. Vor allem sei es schwieriger geworden, Facharbeiter zu finden. Bei Berufen wie Elektroniker, Gabelstaplerfahrer, Sanitärfachkraft oder Maschineneinsteller sei der Markt leergefegt. Selbst bei kaufmännischen Kräften habe die Zahl der Bewerber abgenommen. Philipp: „Die Nachfrage ist größer als das Personalangebot.“ Da heißt es für die Zeitarbeitsfirma, sich umzustellen. „Man muss bei der Auswahl der Bewerber prüfen, ob sich fehlendes Fachwissen vielleicht durch eine Qualifizierung vermitteln lässt“, sagt die Führungskraft.

Lücken im Lebenslauf

Das heißt im Klartext auch: Was früher ein K.-o.-Kriterium für Kandidaten gewesen war, wird heute nicht mehr so eng gesehen. Häufige Arbeitgeberwechsel, größere Lücken im Lebenslauf werden eher hingenommen als in Zeiten höherer Arbeitslosenzahlen. Weniger angespannt sei die Arbeitsmarktlage im Helferbereich. Und die Industrie frage solche Hilfskräfte nach. Und auch der zeitweise abgekühlte Stellenboom für Callcenter-Mitarbeiter erlebe gegenwärtig wieder einen kleinen Schub.

Überhaupt, so Philipp, habe sich das Geschäft stark verändert. Der Schwerpunkt liege nicht mehr darauf, wie früher für Kundenunternehmen Urlaubs- und Krankheitsvertretungen zu finden. „Drei Wochen hier und vier Wochen da, das ist heute nicht mehr realistisch, gerade im kaufmännischen Bereich haben wir überwiegend längere Einsätze“ sagt die 31-Jährige. Der Trend gehe vielmehr hin zu längerfristigen Arbeitnehmerüberlassungen. Sie berichtet von einer Mitarbeiterin, die bereits seit vier Jahren an einen Betrieb ausgeliehen ist.

Das sei kein Sonderfall. Im Schnitt liege die Einsatzdauer bei über einem Jahr. Allerdings würden viele Manpower-Mitarbeiter — intern heißen sie „Kollegen im Kundeneinsatz“ — vom Entleiher fest übernommen. Das sei einerseits schmerzlich für das Zeitarbeitsunternehmen, das in die Personalgewinnung viel Zeit und Geld für die Qualifizierung investiert habe. Andererseits sei es normal: „Wir freuen uns mit jedem Mitarbeiter, wenn er fest übernommen wird.“

Wer als Zeitarbeitnehmer länger in einem Betrieb im Einsatz ist, hat in einigen Branchen Anspruch auf Zuschläge, die je nach Überlasssungsdauer gestaffelt sind. Diese noch recht frische Regelung betreffe ungefähr die Hälfte der externen Manpower-Belegschaft, die bei rund 100 Mitarbeitern liege. Intern beschäftigt die Firma in Nürnberg acht Mitarbeiter, etwa als Disponenten.
Nach Expertenmeinung hat die Zeitarbeitsbranche insgesamt die Einführung der Branchenzuschläge viel besser verkraftet als befürchtet. So auch Manpower. „Wir haben das Thema gut gemeistert“, sagt Philipp. „Die Zuschläge machen uns außerdem für Bewerber noch attraktiver.“

Unter dem Manpower-Dach firmieren viele rechtlich eigenständigen Gesellschaften: So kümmert sich zum Beispiel Experis speziell um das Recruiting von IT-Kräften, Ingenieuren und Controllern. Die Tochter „Right Management“ hat sich auf Unternehmensberatung und Outsourcing spezialisiert. Die ManpowerGroup Solutions übernimmt Werk- und Dienstverträge. Zusätzlich unterhält Manpower noch etliche Gemeinschaftsunternehmen, neben dem Joint Venture Bank Power etwa mit Vivento Interim Services, einer Partnerschaft mit der Deutschen Telekom, oder „Aviation Power“ als Joint Venture mit der Lufthansa.

Der Unternehmenssitz von Manpower liegt in den USA, aber über 65 Prozent des Umsatzes erzielt der Konzern in Europa. Der Gesamtumsatz belief sich 2012 auf 20,7 Mrd. US-Dollar. In Deutschland ist die Gruppe an 150 Standorten vertreten und erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2012, den jüngsten verfügbaren Zahlen, einen Umsatz von 586 Mio. €. Patricia Philipp selbst war vor sechs Jahren als Quereinsteigerin zu Manpower gestoßen. Doch sie blieb nicht nur auf Zeit, sondern machte Karriere.
  

VON ANGELA GIESE

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